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Der Jude · 1832-11-27 · Heft 18 (27.11.1832) · p. Seite 143

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 18 (27.11.1832)
Date
1832-11-27
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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143 aus Grundsatz keinen einzigen angestellt hat, so wenig man die dargebotene Hoffnung, daß man ihnen auch andere Zweige des Staatsdienstes eröffnen werde, erfüllt hat, so daß die armen Getauschten, die im Vertrauen auf Beides die Kraft ihrer Jugend verwandt hatten, der herrschenden Kirche schaarenweise in die Arme sielen. Wer jene Worte ohne weitere Sachkenntniß liest, müßte mindestens glauben, es stelle sich Lm Staatsdienste ein Jeder selbst an, und es gehöre zu einer Karriere der Art nichts als der Wille. Hat es Hr. Duttlinger übersehen, daß noch andere innere und äußere Erfordernisse dazu gehören, und daß durch diese überhaupt die verschiedenen Stellungen der Menschen im Leben bedingt sind? Glaubt er, daß Der, der durch Talent, durch Vermögen, durch eine gebildete Erziehung, durch Neigung sich zu einer Karriere im Staatsdienste berufen fühlt, wenn nur der Sabbath nicht wäre, sich hinter den Pflug stellen oder zur Scheere greifen würde? oder daß Der, bei dem jene Voraussetzungen fehlen, sich der Sabbathruhe wegen auf den Staatsdienst werfen, und, weil er nicht Ackersmann werden kann, kaute de mieux, sein Glück als Richter oder Amtmann machen wird? Die Widerlegung jenes schiefen Raisonnements ist uns «inder wichtig , als seine Deutung. Wir kennen jene Sprache nur zu gut: wir haben diese Redensarten zu oft in den verschiedenartigsten Anwendungen anhören müssen, um ihren Sinn zu verkennen. Fragt einmal einen Hamburgischen Schneider, was er denn dagegen habe, daß man Juden in seinem Handwerke arbeiten lasse? er wird Euch antworten, das gehe nicht an: denn es würden dann aus allen Weltgegenden so viele . jüdische Schneider nach Hamburg kommen, daß er nicht neben ihnen würde bestehen können. Hr. D. wird die Antwort sehr verkehrt finden — denn nach seiner Theorie wollen die Juden ja keine Schneider u. dergl. werden, und das ist ja eben das Unglück: — aber Hr. D. hat gut reden:' Hr. D. ist kein Schneider! Fordert einem Geizhalse von allen seinen Schätzen das Opfer Eines unredlich zu erwerbenden Thalers ab: er wird Euch sagen, er könne das nicht; dergleichen Opfer würden ihn am Ende ruiniren! Fordert von Tausenden, deren natürliches Rechtsgefühl durch schlechte Institutionen so verderbt ist, daß sie sich daran gewöhnt haben, die Hemmung der freien Thatigkekt Anderer, die Unterdrückung von der Natur Jenen verliehener Kräfte als ein für sie erworbenes Recht zu betrachten — ein Recht „ das nur dem sogenannten Recht des Herrn über seinen Sklaven in verjüngtem Maaßstabe zu vergleichen, und, gleich jenem, nur auf reiner Gewalt zu begründen ist — fordert von ihnen, daß sie gegen Hundert, gegen Tausend auch nur Einen in freier Thätigkeit sollen konkurriren lassen: sie werden Euch entgegnen, eine solche Konkurrenz würde sie zu Grunde richten! So übertreiben der Neid und die Habsucht! Laßt dem ärmsten Teufel von einem Juden einen'Versuch machen, sich auf die redlichste, auf die bescheidenste, ja auf die kümmerlichste Weise zu ernähren, und laßt ihn das Unglück haben, mit einem Zunft-Interesse in Kollision zu gerarhen, Ihr könnt darauf rechnen, daß Euch das Volk seine stehenden Redensarten von ,, Ueberfüllung durch die Juden" von „An sich greifen der Juden" von „in die Hände der Juden kommen" und was des schmutzigen Zeuges mehr ist, auftischen wird. Ich habe schon bei einer anderen Gelegenheit eine weitläufige Verhandlung angeführt, die vor der höchsten Behörde der freien Stadt Hamburg darüber geführt worden, ob ein armer Judenknabe als Lehrbursche bei einem christlichen Meister, der ihn nehmen wollte, arbeiten dürfe, und die zum Nachtheil des Knaben entschieden worden. Der Anwalt der Zunft stützte sich dabei in allen Schriften auf das Eine Argument, „man müsse die Juden nicht zu weit um sich greifen lassen." Guter Gott! ein armer Bursche, der das Schusterhandwerk erst erlernen will, dessen Persönlichkeit noch dazu Mitleid zu erregen geeignet war, und „zu weit um sich greifen!" Es ist Grauen erregend, in welchen Abgrund von Jämmerlichkeit das menschliche Gemüth versinken kann, wenn ihm durch ein trauriges Herkommen das Gefühl der Scham benommen worden. In diesem Spiegel möge Hr. D., der sich übrigens zu dem Grundsätze Cannings: „Religiöse und politische Freiheit durch die ganze Welt" zu bekennen erklärt, seine Gesinnungen beschauen: er wird darin, nur in verschiedener Anwendung, seine Grundsätze, seine Worte selbst wiederfi'nden. Der Hamburgische Schuster, der- Badische Staarsdiener und jener Würtembergische Apotheker — sie vertreten ein und dasselbe Prinzip, ein und dasselbe Interesse.

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