Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 18 (27.11.1832)
- Date
- 1832-11-27
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Man will die Juden eben nur ausschließen, warum — das ist ganz gleichgültig und kommt auf Umstande an. Die Art und die Ausdehnung der Beschränkungen, der Grad des Druckes sind freilich sehr verschieden, und es wäre thöricht, den großen Fortschritt zu verkennen, den die Gesetzgebung Badens und fast aller Deutscher Staaten vor dem Rechtszustande der Juden in Hannover und Hamburg voraus haben; aber der Geist des Widerstandes ist auf allen Stufen derselbe. Hätte der Geist, der in der Majorität der Badischen Kammer sichtbar geworden, vor 25 Jahren im Rache Karl Friedrichs gewaltet, man würde die alte Ausschließung vom Grundbesitz und von zünftigen Handwerken, vom Staatsbürgerrechte überhaupt, auch haben bestehen lassen, und jene Kammer würde auch dafür dieselben Gründe, wie für die Versagung des Staatsdienstes *) vorgebracht haben. Wir wollen jenen Geist der Ausschließung noch naher betrachten in seiner Quelle, seiner Art und seinen Werken. Der Fanatismus war ein glühend Feuer, das seine Priester wie seine Opfer verzehrte; jetzt ist es ausgebrannt zur kalten Kohle des Neides, die den einen wie das andere besudelt. Der Religionshaß hatte seinen Bau in den Tiefen der Gemücher und der Institutionen begründet; die Religion ist daraus gewichen, aber die leeren Gerüste des Hasses stehen noch eine Weile, und in dem verödeten Bau ist, widrigen Nachtvögeln gleich, die elendeste aller menschlichen Leidenschaften, die Mißgunst gegen jede fremde Kraft, jeden fremden Gewinn, jedes fremde Wirken eingezogen; ihr Losungswort ist: Tod jeder fruchtbringenden Thätigkeit! Tod jedem nützlichen Streben! Tod der freien Entwickelung einer jeden Kraft! Auf den Trümmern jedes srem- *) Die Herren in Baden wissen übrigens sehr wohl, so gern sie es auch ignoriren, daß jene unbedingte Versagung den Edikten Karl Friedrich's widerspricht. den Glückes, das sie zerstören kann, glaubt sie das eigne zu bauen. Gebet dieser Gesinnung Gewalt über irgend eine Sphäre menschlicher Thätigkeit, sie wird sie in der Gestalt des Monopols erdrücken; sie wird ihre Früchte insgesammt verschlingen, und wird selbst nicht reicher werden und nicht stärker; sie wird vielmehr durch 'die Vernichtung des allgemeinen Wohlstandes die Grundpfeiler des eignen untergraben. Jene neidische Gesinnung, machtlos in den übrigen Beziehungen des bürgerlichen Lebens, ist mächtig und einflußreich den Juden gegenüber; sie macht sich geltend in den Beschränkungen aller Art, die uns hier oder dort drücken und hemmen; sie legt sich als einen neuen Sinn den alten sinnlos und unbegreiflich gewordenen Bestimmungen unter, die einst der alle Verhältnisse des Lebens durchdringende Fanatismus geschaffen; sie macht das Gesetz zum Werkzeuge ihres Eigennutzes, sie zieht die Religion in das Gebiet ihrer niedrigen Absichten herab. Ohne Scheu vor der Entweihung des Heiligsten hat sie den Glauben als Schildwache hingestellt vor die Thore der Zünfte, vor die Eingänge zu jeder Laufbahn des bürgerlichen Lebens, die sie uns versperren kann; ein Bekenntniß ist das Passirwort, welches gefordert wird, und wenn, auch zehn bereit sind, es zu geben, so frohlockt sie doch über den eilften, der gewissenhaft zurückweicht, die traurige Nothwendigkeit bedauernd, die ihr die Zurückweisung jener Anderen nicht mehr gestattet! So wird das Höchste und Göttlichste im Menschen tagtäglich offen gehöhnt und mit Füßen getreten: das ist das innige, das erhebende, beseligende Verhältniß zwischen Staat und Kirche, das unseren Ansprüchen und unseren Vorwürfen mit vornehmen Worten entgegengestellt wird! (Der Beschluß folgt.) Bericht! g u n g. In No. 17, S. 133, Sp.2 A.20, statt: verschwächten lies: verschmähten. — A. 26, statt: regen l. vagen. Die Redaction findet sich zu der Bemerkung veranlaßt, daß Mittheilungen für diese Blatter ihr entweder portofrei oder durch Buchhändlergelegenheit gemacht werden. Unfrankirte Zusendungen, namentlich von Druckschriften, werden nicht angenommen. Auch bitten wir Diejenigen, welche uns anonyme Arbeiten zur Aufnahme zukommen lassen, wenigstens der Redaction ihren Namen mitzutheilen; dann wird es immer möglich werden, im Fall der Nichtaufnahme, den Verfassern die Gründe derselben anzugeben. Gedruckt bei Hammer ich und Lesser in Altona.