Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 18 (27.11.1832)
- Date
- 1832-11-27
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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14t Lichten und Trachten durch diese Offenbarung und die ganze Erfüllung ihres prägnanten Inhalts folgen muß. Auf solche Weise ergäbe sich eine zwiefache Seite der Wirksamkeit der geoffenbarten Gotteslehre, nämlich die Seite der Erkenntniß, die der physischen Sphäre entspricht, dann die des Willens, die der ethischen entspricht, und mit ihr die wechselweise Durchdringung beider, und vollendete Humanität, durch sie und in ihr. Allein alle diese Wirkung setzt das Vorhandensein einer solchen Offenbarung, und für uns die Erkenntniß derselben, daß sie vorhanden, und die allgemeine Gewißheit der Merkmale, an denen wir sie erkennen, voraus. Die Vergleichung der Thatsachen des Selbstbewußtseins und der Erkenntniß des Menschen mit denjenigen Lehren, die nichts anders und nichts mehr enthalten, als was jene aussagen, muß unser Schiboleth, unsern Prüfstein abgeben. Einen andern gibt es nicht. Und darauf, ist das Ergebniß endlich dahin ausgefallen, daß es eine wahrhaft geoffenbarte Gotteslehre giebt, und ist es gewiß und ausgemacht, welche unter allen sie sei; dann, sage ich, ist ein sehr wichtiger, vielleicht der anziehendste Punkt, der, welcher in der Geschichte dieser historischen, d. i. geoffenbarten Religion besteht, die Untersuchung nämlich, wie sich der Mensch, oder ein Volk in seinem Wissen und Wollen ihr genähert, sich von ihr entfernt und wieder genähert, nach welchem Gesetze, unter welchen Förderm'ssen und Hemmungen, mit welchen Kämpfen'und Leiden. Wenn irgendwo, muß eben hier das leibhaftige Wesen und Wirken der unverkennbaren Vorsehung sichtbar, und die Heiligung des Menschen vollbracht, werden. Nachdem nun hinlänglich und, wie mir deucht, auf vielfachem Wege, erörtert worden ist, wie, und auf welche Art die historische Religion, eben weil sie gleich bei ihrem Offenbarwerden ein Vollendetes ist, soweit sie offenbart ist, keine eigentliche Entwickelung von innen an sich kommen laßt; dennoch aber in Bezug auf den Menschen, für den sie als Punkt des Anstrebens hingegeben und ausgestellt ist, eine Historie haben muß (die denn auch nicht ihre eigne, sondern die des sich an ihr ausbauenden Menschengemüthes): nachdem solches für die vorausgesetzte Offenbarung fest steht, können wir ganz dasselbe, nur umgekehrt, auf die nicht-geoffenbarte Religion anwenden. Entweder ist sie eine dem menschlichen Gemüthe ursprünglich in; wohnende Kraft und unmittelbares Bewußtsein: dann hat sie an und für sich keinen Anfang, der nicht zugleich der Anfang der Menschengeschichte selbst wäre; oder sie ist gar die Tochter der Philosophie; so ist sie wiederum nur der jedesmalige Aus- und Abdruck des menschlichen Bewußtseins; ist dann ebenfalls ohne zeitlich bestimmbaren Anfang, und ihr Progreß in der Zeit ist gleich einem innern organischen Entwicklungsgänge, durchweg parallel der großen Menschenentwickelung überhaupt. Dort ist die Gotteslehre das Feste, und der Mensch das Bewegliche; hier ist die Lehre beweglich mit dem Menschen. Dort ist die Lehre ein Wort der Zukunft; hier ein Wort der Gegenwart. Die nicht-geoffenbarte ist der tagtägliche Ausdruck des Maaßes menschlicher Entwickelung; geoffenbarte Religion ist ein erst zu erfüllendes Maaß der anstrebenden menschlichen Geisteskräfte, und in ihr sollen sie nach der Voraussetzung vollendet werden. (Die Fortsetzung folgt.) Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Kammer des Großherzogchums Baden über die Emaneiparion der Juden. (Fortsetzung.) ^aß sich nun aber hinter dem ganzen leicht zu zerreißenden Gewebe von Sophismen und Verkehrtheiten irgend eine geheime Tendenz, mit der man sich offen hervorzutreten scheut, verbergen müsse, daß wenigstens die Klügeren hier nicht sich selbst, sondern Andere täuschen, das ist eine Vermuthung, die sich wohl einem Jeden aufdrängt, und es liegt daher viel daran, uns jene Tendenz klar vor die Seele zu führen. Daß sie in einer religiösen Ansicht wurzle, ist nicht anzunehmen: denn der Fanatismus verstellt sich nicht , da wo er die Gewalt in seinen Händen hat; er will den Sieg seiner Sache nicht nur, sondern auch seiner Grundsätze, und spricht sie offen aus. Wir müssen sie also auf einem anderen Gebiete suchen. Um sie auszufinden, wird eS der natürlichste Weg sein, die