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Der Jude · 1832-10-30 · Heft 16 (30.10.1832) · p. Seite 127

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 16 (30.10.1832)
Date
1832-10-30
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 liehen Schritt, der hiebei zu thun ist. In vielen Privatgottesdiensten werden an den meisten Festtagen nur die Hauptgebete gesagt, die sogenannten Piutim weggelassen: es kann daher kein Anstand genommen werden, in unserer Schule ein Gleiches zu thun. Eben so wird vön Niemanden unseren sämmtlichen gottesdienstlichen Melodieen eine Heiligkeit beigelegt: so vielen Werth einige, ja viele derselben haben mögen, jo ehrwürdig und ansprechend sie sein mögen *), so unwürdig und unangenehm sind andere derselben. Wenn daher ein mit wahrem musikalischem Sinn begabter Vorsänger hierin etwas ändert, und unseren Ohren angemessenere Weisen einführt, die auf regelrechte Art vorgetragen und auch von der Gemeinde gesungen werden können, so wird gewiß Niemand einen Anstoß nehmen können. Eben so wird es leicht fein, noch Anderes, was nach Aller Übereinkunft veraltet und unpassend ist, in dem Schulgottesdienst wegzulassen: was hingegen noch immer Vielen, ja der Mehrzahl heilig ist, das darf in einer solchen Anstalt nicht angetastet werden, dazu bedarf es einer höheren Autorität, als die des Lehrers ist. Die Verbindung des Gottesdienstes mit der Schule ist uralt, so alt, daß die jüdische Sprachweise für beide nur Ein Wort hat; mit jeder Synagoge war in alter Zeit ein Unterricht, mit jeder Schule ein Bethaus verbunden. Die meisten sogenannten Talmud Thora's haben daher einen eigenen Gottesdienst. Aber auch viele der in der neuesten Zeit errichteten Schulen haben diesen Gedanken wieder ausgenommen. Am bekanntesten ist in dieser Hinsicht der Jacobstempel zu Seesen, der dem dort bestehenden Institut ganz eigenthümlich ist, und der die meisten Elemente zu einer ') In dem Gottesdienst sowohl der Portugiesischen als der hochdeutschen Juden sind schöne Gefangsweisen eingeführt, die durch ihre allgemeine Verbreitung einen hohen Grad von Heiligkeit gewonnen haben: eben diese weite Verbreitung zeigt auch, daß sie ein verhaltnißmäßig hohes Alter haben, und daher die Bemerkung des berühmten Verfassers der Schrift: Ueber Reinheit der Tonkunst, der in dem jüdischen Gottesdienst nur neuere Opernmufik hörte, höchst oberflächlich und ungenau ist. segensreichen Wirksamkeit in sich tragt. Derselbe hat ein ausgezeichnet schönes Local, einen eigenen Chor, eine Orgel, (die noch jetzt an den Wochentagen und am Freitag Abend vor dem Beginn des Sabbathsgottesdienstes benutzt wird), und völlige Unabhängigkeit von den Privatleuten der Gemeinde. Zur Zeit des Westphalischen Consistoriums wurde der Gottesdienst daselbst so gehalten, wie er von diesem bestimmt war: jetzt ist man fast ganz zur alten Weise zurückgekehrt, nur daß täglich ein Deutscher Gesang den Schluß bildet, am Freitag Abend aber einige Gebete in Portugiesischer Aussprache mit Begleitung der Orgel vom Vorsänger und Chor abwechselnd gesungen wurden. Auch das Eassel'sche Seminarium hat einen eigenen Gottesdienstin dem ein bedeutender Fortschritt zum Besseren am Tage liegt. Das Wesen des Gottesdienstes ist nicht verändert, statt des lauten Durcheinanderschreiens aber, das in den gewöhnlichen Synagogen in dem Gebet der Gemeinde vorwaltet, übernimmt ein Lehrer das Amt des Vorbeters, und die Gemeinde folgt ihm in stiller Andacht. Einrichtungen dieser Art können durch die versöhnende Art, mit der sie austreten, dauernder und tiefer wirken, als Reformen, die auf einmal Alles verändern wollen, und dadurch an die Stelle der Liebe die Zwietracht setzen. Ruhe und Ordnung ist das erste Bedürfniß bei unserem Gottesdienst, es ist Niemand, der dieß bestreitet oder nur nicht wünscht. Erlangen wir erst dieses, so ist es dann viel leichter, sich über manches Andere zu vereinigen. Wie aber können wir besser dieses Ziel erreichen, als indem die Jugend von früh auf an eine würdige und ansprechende Form des Gottesdienstes gewöhnt wird? Die nächstkommende Generation wird dann gar nicht anders als auf die gewünschte Weise ihre Gottesverehrung verrichten können, und dann ist denn Alles gewonnen. Jede Reform, jeder Fortschritt zum Besseren muß mit dem jüngeren Geschlecht angefangen werden, um dauernd zu sein: die Aelteren folgen dann leicht und bereitwillig, wenn man ihnen nur zeigt, daß man nicht beabsichtige, sie zu verletzen, sondern vielmehr mit Liebe unk Schonung ihnen entgegenkommt. Alles, was aus der Idee hervorgeht, ist Ideal, und soll es bleiben: doch muß auch solches innerhalb

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