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Der Jude · 1832-10-30 · Heft 16 (30.10.1832) · p. Seite 126

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 16 (30.10.1832)
Date
1832-10-30
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 worden. Er wird gewiß bald nach der Wiederversammlung des Parlaments wieder ausgenommen, und, da er dieses Mal unter günstigen Auspiciey auftritt, hoffentlich zu einem glücklichen Ende geführt werden. Wir dürfen hoffen, daß dieses Ereigniß eine günstige Wirkung auf Deutschland Überhaupt nicht verfehlen, wird, da England jetzt durch einen kräftigen und ruhigen Fortschritt auf der Bahn der Freiheit die hohe Stellung in der öffentlichen Meinung Europa's wieder eingenommen, die es im vorigen Jahrhunderte behauptete, und in welcher es seit 40 Jahren durch das Uebergewicht des aristokratischen Elements seiner Verfaffung wankend geworden war. Auch die Verschwisterung mit Hannover hat freilich lange auf die Entwickelung der bürgerlichen Freiheit in diesem Lande keinen Einstuß geübt; lange ist England nicht erröthet über Hannovers Schande, und Hannover ist nicht erröthet über Englands Ruhm. Aber jetzt, bei der freisinnigeren Richtung der Politik der Englischen Regierung, bei dem Erwachen eines regeren öffentlichen Lebens in Hannover ist eine günstigere Wechselwirkung zwischen beiden Staaten zu erwarten: möge sie sich auch in der Sache der Glaubensfreiheit wirksam bewahren! Ueber jüdisches Schulwesen. Zweiter Artikel. (Fortsetzung.) Aas Talmudstudium, wie früher, auch den Lehrgegenständen unserer Schule hinzuzufügen, fehlt es schon an Zeit: der Inhalt der talmudischen Bücher erfordert aber eine Ausbildung des Geistes, wie sie von dem kindlichen Alter nicht erwartet werden darf, und Niemand möchte die Zeit wieder zurückcufen, wo das Kind künstlich zu dieser Reife hrnaufgeschroben worden ist. Auch haben bir meisten jetzt bestehenden Schulen schon seit längerer Zeit die talmudischen Schriften ausgeschlossen, und höheren Instituten überwiesen. Von Religionsunterricht, als einem besonderen Lrhrgegenstand, wird erst seit einigen Jahrzehenden gesprochen, und er ist nicht auf jüdischem Boden gewachsen. Es sind seitdem viele Religionsbücher erschienen, meist nach dem Muster des Lutherscheu Katechismus gearbeitet, welche alle nur theilweise Eingang gefunden haben. Wir glauben, daß hinlänglich für die Religiosität gesorgt ist, wenn das Studium der biblischen Quellen in dem rechten Sinne geleitet wird, mit wahrhafter Liebe zu den bestehenden Institutionen und mit gründlicher Kenntniß der Mittelglieder, die zwischen der Mosaischen Gesetzgebung und dem heutigen Leben liegen. An die Lesung des Textes muß sich daher eine historische- Erläuterung reihen, wie aus dem dort Gegebenen sich das heute noch Gültige entwickelt hat, warum Manches aufgehoben, Anderes erweitert, noch Anderes ganz verändert ist.. In. dem letzten Cursus möchte dann eine systematische Ueberstcht des vollständigen noch gültigen Gesetzes an der Zeit sein, gleichsam als eine Mitgabe für das practlsche Leben. Nur wer das Ganze kennt, hat ein vollgültiges Urtheil über dasselbe, und es wird sich nicht als eine Täuschung erweisen, wenn ich behaupte, daß einer so gebildeten Jugend ein wahrhaft religiöser Sinn inwohnen wird. Practisch aber wird die Religiosität unserer Schüler gefördert, theils durch die beständige Beziehung alles Unterrichtes auf das Leben, theils durch einen täglichen Gottesdienst, der mit der Schule verbunden ist, wie dieß auch. schon bei vielen Schulen von jeher der Fall ist. Es wird leicht sein, in diesen Gottesdienst, der ganz von der Schule abhängig ist, die gehörige Ordnung und Ruhe, einzuführen, damit der dadurch bezweckte Eindruck in seiner vollen Stärke das kindliche Gemüth treffe. Vorzüglich kann hiezu der Singunterricht, wo er besteht, benutzt werden, um das Gebet in der nöthigen Andacht zu verrichten, die Schüler bilden ganz von selbst einen Chor, der nur geleitet zu werden braucht, um dem Gottesdienst die erforderliche Würde zu verschaffen. Da es aber eine wesentliche Eigenschaft unserer Schule ist, den Zusammenhang mit dem wirklichen Leben zu erhalten und theilweise zu erneuern, so folgt aus diesem Grundsatz, daß unser Schulgottesdienst kein reformirender ist, sondern ganz so, wie er uns überliefert ist, gehalten wird. Was anerkannt unwesentlich ist, das . kann verändert werden, und dieses halten wir für den einzig mög-

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