Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 16 (30.10.1832)
- Date
- 1832-10-30
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 guten Sache entgegenstellte, zu der offenbarsten Verletzung der Form genöthigt war, die doch durch das zeitige Hervorheben selbst der scheinbarsten Einwendung gegen einen der Verbesserungsanträge von Seiten der Regierung hätte gerettet werden können. Wie die Sache jetzt steht, ist das Einlenken in die Bahn der Verfassung nicht, mehr anders als durch die Sanktion des Gesetzes, so wie es vorliegt, möglich; wir wollen hoffen, daß darin ein Grund liegt, um noch jetzt auf diese Sanktion mit einiger Zuversicht rechnen zu können. So schmerzlich es ist, die Erfüllung einer so Vielen theuec gewordenen Hoffnung im Augenblicke der Vollendung im Kampfe mit neuen unerwarteten Hemmungen zu sehen, so liegt etwas Tröstendes darin, daß sich die Verwandtschaft unserer guten Sache mit den Ideen der Freiheit und der Civilisation, die unsere Zeit bewegen, hier glänzend bewährt hat. Sie siegte und unterlag und wird sich wieder heben, so. wie die Sache der bürgerlichen Freiheit, der Verhtffung, des Einflusses der Meinung der Edelsten im Volke auf die Gesetzgebung siegte, unterlag und sich wieder heben wird. Manchen wird der Augenblick schlecht gewählt scheinen, um sich jener Verwandtschaft zu rühmen, einer schlechten Empfehlung vielleicht Ln den Augen der Machthaber des Augenblicks. Wir <cher haben es nicht mit dem Augenblick zu thun; wir streiten unter der Fahne einer Idee,. die ihren angewiesenen Platz hat im Kampfe der Geister, und sich nicht nach Belieben von einem Lager in das andere verpflanzen läßt. Sie hat die Niederlagen der Keiheit immer gelheilt, ihre einzige Hoffnung ist, auch an ihren Siegen Theil zu nehmen; sie kann nicht gedeihen, wo Druck und Beschränkung auf der Gesammtheit lasten. Wir müssen es dem Leser überlassen, diese Andeutungen zu verfolgen, die beschrankte Tendenz dieses Blattes gestattet uns nicht., auf Bettachtungen einzugehen, die hier freilich nahe liegen, uab die alle für das allgemeine. Wohl empfängliche Gemüther in unserem Vaterlande seit mehreren Monaten erfüllen. Wir gestehen, daß uns diese Beengung jetzt zum ersten Male drückend erscheint. Wenn sich ein herrlicher Bau in regem fröhlichem Fortschritt von der Erde erhebt, da arbeitet ein Jeder heiter und unverdrossen nach seinen Kräften an der Stelle, die der Meister ihm angewiesen, überzeugt, daß seine geringe Thätigkeit das Gedeihen des wohlangeordneten Ganzen fördre. Aber, wenn plötzlich an einer nicht fest genug gestützten Stelle der Grund zu wanken beginnt, so daß das ganze mühevolle Werk gefährdet ist, da möchte Jeder die eigne Arbeit im Stiche lassen, und dahin eilen, zu retten und zu helfen, woher die Gefahr kommt; da erscheint jedem Einzelnen sein besonderes Wirken werthlos und zwecklos, da dem Ganzen,~ für dessen Vollendung alle Hände thätig sind, Einsturz, Verderben droht! Mögen Weisheit und Kraft, Liebe zur Freiheit und zum Vaterlande dem wankenden Grunde neue Stützen geben, auf daß der Bau der gesetzlichen Freiheit seiner Vollendung weiter entgegen gehe! Hannover. (Beschluß des in Nr. 13 abgebrochenen Aufsatzes.) (§T$ folgt darauf eine Widerlegung der von Herrn Stüve der religiösen Moral der Juden gemachten Vorwürfe, die nichts, als das schon Bekannte enthalt. Herr Stüve schließt aber diese Vorwürfe mit den Worten: „Die Gebildeteren möchten diese Jrrthümer wohl als solche erkennen, hätten sich aber in einzelnen größer» Städten, wie in Hamburg , zu einem leeren und hohlen Deismus verirret, welcher dem Staate noch weniger Garantie gewähre, als die positive Religion des ungebildeten Juden." Dagegen sagen die Bemerkungen am Schluß: „Schwerer möchte es freilich seyn, dem Herrn Schatz-Rath Stüve die gewünschte Garantie gegen den Deismus der gebildeten Juden zu geben. Wenn hier der Ort zu religiösen Erörterungen wäre, so möchten wir ihn fragen, ob er denn den Glauben an Gott für etwas so Leeres und Hohles hält? und was er antworten würde, wenn ihm jene gebildeten Juden einwendeten, der Glaube an Gott sey. gerade das einzig Wesentliche ihrer positiven Religion, der wahre innere Kern, der übrig bleibe, nachdem derselbe manche vergängliche Formen abgestreist, und ihre nationalen Elemente ausgeschieden? Doch, davon abgesehen, be- 16*