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Der Jude · 1832-10-09 · Heft 15 (9.10.1832) · p. Seite 119

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 15 (9.10.1832)
Date
1832-10-09
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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119 viel zu arm sind, um die verschiedenen Modisicationen, deren die Buchstaben fähig sind, zu bezeichnen. Daher gerathen wir in nicht geringe Verlegenheit, wenn wir Worte einer anderen Sprache mit unseren Buchstaben bezeichnen wollen, und es ist geradezu Unmöglichkeit, sie so zu schreiben, daß einem Unkundigen die wahre Aussprache derselben deutlich werden kann. Der Franzose kann das deutsche eu nicht schreiben, der Deutsche nicht das französische en in enfant, auch nicht dieselben Buchstaben in moyen; dieser Beispiele gibt es unzählige. Wie viel mehr noch ist dieß der Fall, wo ein wirklich reicheres Buchstabensystem, wie das Indische, das Griechische, in unsere Schrift übertragen werden soll. Fehlen ja selbst dem Deutschen Zeichen für die Altgothischen Laute! Wie die Schrift mangelhaft ist, so sind auch unsere Organe, wenn wir in ein gewisses Alter kommen, unfähig, einen andern, als den gewohnten Laut zu sprechen: nur der Mund des Kindes saßt meistentheils den fremden Ton, wenn es durch öfteres Vorsprechen ihn deutlich hört. Wese Tradition aber bedarf eines beständigen Correctivs in der lebendigen Sprache, wenn sie nicht ausarten soll: die bloße Uebertragung von Mund zu Mund gibt keine Gewahr für die Richtigkeit der Aussprache, die Bequemlichkeit verändert täglich, der Mund sucht unbewußt die fremde Sprache der eigenen anzupaffen, der Schüler nimmt Fehler des Lehrers an, und so kann in einem Jahrhundert die ursprüngliche Aussprache ganz vergessen werden. Wenige Sprachen sind in so ununterbrochener Folge gepflegt worden, wie die Lateinische, und doch wissen wir mit der größten Bestimmtheit, daß das Lateinische, wie wir es heut zu Tage sprechen, von keinem Römer verstanden würde. Ein anderer Grund, der die Unsicherheit noch vermehrt, ist, daß in den verschiedenen Sprachen denselben Zeichen nicht dieselben Laute entsprechen; was im Deutschen e ist, klingt im Französischen oft wie a, im Englischen wie i. Wie wollten wir also da bestimmen wollen, wie die Hebräer ihre Buchstaben gesprochen? Da wo wir das Griechische vergleichen können, entspricht diesem häufig weder die Portugiesische noch die. Hochdeutsche Aussprache: und wir wissen ja auch nicht einmal sicher, wie die Griechen gesprochen haben. Das Einzige also, was uns jetzt bestimmt, so oder so zu sprechen, ist die innere Consequenz des Systems. Das ist nun überhaupt ein unsicherer Boden, denn die Eigenthümlichkeit einer Sprache liegt gerade oft darin, daß sie die Consequenz aufhebt. Für beide Methoden läßt sich aber eine gewisse Consequenz geltend machen, und wir gewinnen also auch auf diese Weise nichts. Es ist daher das Richtigste, überall der Aussprache der Mehrzahl zu folgen, und nur anerkannter Mißbräuche sich zu enthalten: es gehen auf diese Weise auch die vielen Anknüpfungen nicht verloren, die das practische Leben dem Juden bietet, und welche kein Grund vorliegt aufzuheben. (Die Fortsetzung folgt.) Litterstur. Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, hü storisch entwickelt. Ein Beitrag zur Alten thumskunde und biblischen Kritik, zur Literatur- und Religionsgeschichre. Von vr. Zunz. Berlin 1832. A. Asher. XVI. u. 484 S. 6. (Beschluß.) §)ie Bedeutung des vorliegenden Werkes ist für unsere Zeit eine doppelte, eine wissenschaftliche und eine politische. Sie ist wissenschaftlich, denn es hält sich ganz und gar in dem Bereich der Wissenschaft, es genügt allen Anforderungen der Kritik, stellt keine Behauptung auf, die es nicht begründet, und greift dadurch in das Gebiet der allgemeinen Litteratur- und Culturgeschichte ein. Es möchten überhaupt wenig Werke gefunden werden, die die innere Geschichte des Mittelalters und seiner Wissenschaft so sehr fördern wie das gegenwärtige. Denn es zeigt, daß die Juden durch das ganze Mittelalter auf der Höhe der Bildung ihrer Zeit standen, ja daß sie mitunter allein die Träger derselben waren und mächtig zur Erhaltung und Förderung derselben mitwirkten. Wir können hiebei den Wunsch nicht unterdrücken, daß es Herrn Dr. Zunz gefallen möge, eine umfassende Litreraturgeschichte der Juden zu schreiben: eine solche müßte wesentliche Resultate für Geschichte und Religion liefern: sie würde mit Recht als die Blüthe der Geschichte der

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