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Der Jude · 1832-10-09 · Heft 15 (9.10.1832) · p. Seite 118

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 15 (9.10.1832)
Date
1832-10-09
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 *? gerlichen Stellung, von der localen Richtung, von dem zufälligen Lehrerpersonal, kurz von den verschiedensten Dingen von der Welt. Was sie sollen, ist mit wenigen Worten dieses: Sie sollen das religiöse Gefühl begründen, zur geistigen und wissenschaftlichen Bildung aber die Anknüpfungspunkte geben. Denn die Bildung selbst fangt gewöhnlich erst in dem Alter an, wo die Elementarschule den Schüler entlaßt; diese kann, daher nur dafür vorbereiten und den Weg bahnen. Daher hat sie die Lebensbedingungen der heutigen Bildung zu geben, das Lesen, das Schreiben, das Rechnen, die Grundbegriffe der Erd- und Naturbeschreibung, die ersten Lehren der Weltgeschichte, so weit sie dem kindlichen Alter verständlich sind, die Kenntniß der Muttersprache und die Uebung des Ausdrucks in derselben, endlich die Anfangsgründe fremder Sprachen nach dem verschiedenen Bedürfnisse der Localität. *) Von der Zeit dürste es abhängig sein, ob auch die Hauptsätze der Elementarmathematik, das Zeichnen und das Singen gelehrt werden könnten: wichtig wäre es gewiß; an manchen Orten, wo die Bildung zu Gewerben und Handwerken einen bedeutenden Aufschwung nimmt, dürste es wohl schon nothwendig sein. Ich wiederhole, es wäre lächerlich, hierüber bestimmte Vorschriften zu geben; der einsichtsvolle Lehrer wird dieß überall nach dem Bedürfniß abmessen, und bestimmen, was hier den Ausschlag geben darf. Zu alle diesem kommt für uns ein ganz eigener Lehrgegenstand, das Hebräische und die Kenntniß der wichtigsten Religionsquellen. Diese sollen in unserer Schule erschöpfend gelehrt werden, so weit sie für Den gelehrt werden können, der die Beschäftigung damit nicht zur Aufgabe seines Lebens macht. Diesem Gegenstand müssen wir also eine verhältnißmäßig größere Zeit widmen. Das Kind fangt an, die Buchstaben des Hebräischen zu erlernen, und soll, wenn es entlassen wird, die vorzüglichsten in dieser Sprache geschriebenen Bücher kennen und verstehen. Zu diesen Büchern rechne ich Wttral diejenigen, die die Grundlage unseres Gesetzes bilden und die in un- *) Während z. B. in Hamburg die meisten Elementarschulen das Englische in^ den Kreis ihres Unterrichts ziehen, möchte es im südlichen Deutschland paffender seindas Jtaliänische zu lehren, an der östlichen Gränze Deutschlands das Polnische, und so überall. mittelbarer Beziehung auf unseren religiösen Gottesdienst stehen. Die Methode eines solchen Unterrichts braucht gar nicht von der abzuweichen, in der gewöhnlich Sprachen, besonders alte, gelehrt werden. Denn da der Unterricht im Hebräischen nicht mehr die ganze Zeit des Schulunterrichtes einnimmt, so möchte wohl die bisher übliche Weise (gewissermaßen die Zacotot'sche Methode) sich nicht mehr in dem Maaße bewähren wie früher. Die Formenlehre muß zuvor erlernt, und in der Lectüre selbst dem Gedächtniß eingeprägt werden: die Syntax wird mit größerem Erfolg aus dem Lesen selbst geschöpft als aus der Grammatik. Der Schüler aber werde frühzeitig gewöhnt, jedes Wort auf seinen Stamm zurückzuführen, damit ihm die Verwandtschaft der Wörter ganz klar vorliege; ein kleines Wörterbuch könnte ihm dazu vielleicht in die Hand gegeben werden; so wird er bald den erforderlichen Reichthum an Wörtern bekommen, der in der alten Methode eigentlich der größte Schatz war, der dem Kinde eigen wurde. Wir würden daher bei dem Unterrichte zuerst die Lesung der Hauptgebete vornehmen, die in einer leichten und faßlichen Sprache geschrieben sind; dann in einem zweiten Cursus den Pentateuch, abwechselnd mit den historischen Büchern Josua, Richter, Samuel und Könige, und endlich zuletzt einige dichterische Bücher, etwa Psalme und Sprüche und eines oder das andere von den kleineren Büchern, besonders die in Verbindung mit dem Gottesdienst stehen, wie Klagelieder Jeremia u. A. Auch ist es gewiß sehr wünschenswerth, in der ersten Klaffe das Lesen unvocalisirter Bücher einzuüben: dazu wäre es wohl am zweckmäßigsten, ein Hebräisch geschriebenes Religionscompendium zu nehmen, wie deren schon mehrere vorhanden sind: einen der Hebräisch geschriebenen Commentarien der Bibel dazu zu benutzen, scheint minder gut, da diese schon ein wirklich wissenschaftliches Studium verlangen, wie es nicht für das Kind und den Knaben gehört. Welche von den beiden recipirten Aussprachen beim Unterricht im Hebräischen zu Grunde gelegt werden solle, das scheint mir, die Wahrheit zu gestehen, gleichgültig. Jede Nation folgt bei der Aussprache einer alten Sprache ihren eigenen Lauten, besonders ihrem Vocalsystem, und den Meisten entgeht die einfache Bemerkung, daß die gewöhnlichen Alphabete

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