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Der Jude · 1832-09-21 · Heft 14 (21.9.1832) · p. Seite 109

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 14 (21.9.1832)
Date
1832-09-21
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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109 Sollte alles dieses nicht hinreichend sein, um den nachtheiligen Einfluß der christlichen Schulen auf jüdische Knaben zu beweisen, so wollen wir die Erfahrung befragen, welche schon hinlänglich vorliegt, um einen Schluß daraus zu rechtfertigen. Die Gesinnungen zu prüfen, ist unmöglich, sichere Erfahrungen lassen sich nur auf Thatsachen begründen. Solche Lhatsachen sind für unseren Zweck nur die Falle des Uebertritts zu einem anderen Glauben, und zwar so, daß wir erweislich keinen anderen Beweggrund dafür anführen können, als die fehlende Kraft des Glaubens. Denn wo der Glaube ist, da, wissen wir Alle, kann keine Rücksicht in der Welt verlocken, den Glauben aufzugeben; das tägliche Beispiel lehrt, wie Alles, Ehre, Reichthum, Lebensglück geopfert wird , um der Religion treu zu bleiben. Wir dürfen daher nicht von Preußen unsere Erfahrungen entnehmen, wo der natürliche Standpunkt verrückt, wo äußere Vortheile auf der einen Seite, unverdiente Zurücksetzung auf der anderen Seite in die Wagschale gelegt wird. Hier werden diese äußeren Vortheile durch den Uebertritt erlangt, und es ist nicht mehr möglich , die Beweggründe zu sondern. Freilich reduckrt sich auch hier Alles in letzter Instanz auf Leerheit des Gemüths, das von seiner Religion nicht erfüllt ist, aber die anderen Triebfedern sind so mächtig im Leben, daß der Fall wohl denkbar wäre, daß auch ein in der Religion erzogener Mensch aus Liebe zum Gewinne den Glauben wechselte, in der Meinung, dadurch nur eine Unredlichkeit begangen zu haben, die jeder anderen Unredlichkeit etwa gleich zu stellen wäre, ohne daß er darum im Gemüthe seiner Religion völlig entsagte. Einen andern Grund des Uebertritts, der an Polnischen Juden häufig wahrgenommen wird, die Uebersättigung mit religiösen Dingen, haben wir keine Ursache in Deutschland anzunehmen. Wir dürfen also unsere Erfahrungen nur daher nehmen, wo der Uebertritt nicht erweislich Motive anderer Art hätte, als den Mangel des Glaubens: das könnte nur in solchen Staaten sein, wo die Juden den Christen völlig gleichgestellt sind: — in ihnen kommt, so viel ich weiß, der Wechsel der Religion bei den Juden höchst selten oder nie vor — oder in solchen, wo die Trennung zwischen Juden und Christen noch so schroff ist, daß selbst dem getauften Juden nur die ihnen rechtlich gar nicht zu entziehenden Vortheile zu Theil werden, der Weg zu Ehre und Auszeichnung aber noch auf mehrere Generationen versperrt bleibt. Hamburg ist ein Ort der letzteren Art; bis vor einem Jahre war es daselbst unerhört, daß ein Jude ein höheres bürgerliches Amt bekleidete, die Verschwägerung der Christen mit Neophyten kommt fast nie vor; sie können nur das Bürgerrecht erlangen, um die damit unzertrennlich verknüpften Vortheile, wie die Advokatur und das Recht, in die Zünfte der Handwerker ausgenommen zu werden. Von diesen Vortheilen aber haben nur höchst Wenige Gebrauch machen können, da die Erziehung jüdischer Knaben zu Handwerken und das Studium der Jurisprudenz unter den Juden erst in die allerneueste Zeit fällt. Hier also sind keine äußeren Beweggründe anzugeben, warum ein Jude sich seiner Religion entäußern sollte. Nun aber lehrt eine unabweisbare Erfahrung, daß der größte Theil Derer, die wahrend der letzten 10 —15 Jahre in Hamburg das Judenthum verlassen haben, — nur diesen Zeitraum kann ich übersehen, — ja vielleicht Alle, in früher Jugend von christlichen Lehrern unterrichtet und erzogen worden sind; unter ihnen sind auch Solche, die in reiferem Alter sogar Unterricht in den Lehren des Judenthums genossen und ihre Anhänglichkeit an dieselbe öffentlich ausgesprochen haben. Wo die Erfahrung so laut spricht, da möchte ein Zweifel kaum noch möglich sein; die Erscheinung ist aber so naturgemäß, daß man darüber auch nicht einmal erstaunen darf. Wäre es nun auch nicht in meinen Kräften, die gegen die jüdischen Schulen vorgebrachten Klagen zu widerlegen, oder die Vortheile der christlichen Anstalten für israelitische Kinder zu laugnen, so dürste nun doch schon jetzt das Resultat feststehen, daß der Unterricht für die verschiedenen Lehren durchaus gesondert sein müsse. Aber es verhält sich wirklich auch damit nicht so, wie Viele in gutmüthiger Selbsttäuschung sich einbilden. Was auf der einen Seite für die Annäherung gewonnen, das geht auf der anderen wieder verloren. Allerdings können in Schulen Freundschaften und Bekanntschaften geschlossen werden, die für das Leben dauern, ich selbst habe Schul- und Universitatsfreunde, die mir über Alles theuer sind: aber wie selten ist dieß der Fall! Man frage doch Jeden, der in christlichen Anstalten erzogen ist, ob nicht, wenn X

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