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Der Jude · 1832-09-21 · Heft 14 (21.9.1832) · p. Seite 108

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 14 (21.9.1832)
Date
1832-09-21
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 die ihn überall zu dieser Sonne des Lebens zurückführen, woher alles Andere sein Licht und seine Wärme erst schöpft. Diesem Unterricht ist es nicht möglich, die Knaben zu entziehen, er durchdringt die ganze Schule. Und nun bedenke man die vielfältigen Aeußerungen des Judenhasses bei Lehrern und Schülern, das traurige Verhaltniß, wogegen fast nie Schutz ist; man denke sich einen Lehrer, der vielleicht im frommen Eifer und in der innigen Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit seiner eigenen Lehre den jüdischen Knaben zu derselben zu bewegen sucht, durch allerlei unlautere Mittel zu bewegen sucht: können aus einem solchen Zwiespalt in dem Gemüthe eines Kindes segensreiche Folgen hervorgehen? Man hat in neuerer Zeit vielfältig die Behauptung aufstellen gehört, es wäre das Beste, die religiöse Erziehung beim Kinde ganz aus den Augen zu setzen, und erst bei weiter entwickelten Verstandeskrästen, etwa im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre, sei es an der Zeit, einen völlig geregelten Religionsunterricht durch dazu berufene Männer eintreten zu lassen. Dann sei der Knabe reif, selbst zu prüfen und zu wählen, die Religion werde dann, da. sie eine Sache des freien Entschlusses sei, nur um so tiefer wurzeln, um so inniger den ganzen Menschen durchdringen. Es sei daher gleichgültig, in welche Schule das Kind früher geschickt werde, in eine christliche oder jüdische, die Entscheidung hänge von den übrigen Vorzügen oder Nachtheilen der verschiedenen Schulen ab: für die Religion werde durch den späteren Religions-, oder wie man ihn gewöhnlicher nennt, Confirmationsunterricht hinlänglichgesorgt. Es ist leicht, tzas Irrige dieser Ansicht darzulegen. Es ist geradezu eine Täuschung, daß durch einen solchen Unterricht die Annahme der Religion Sache der freien Wahl werde. Zu dem Ende müßte statt der Religion Religionsphilosophie gelehrt werden, statt der jüdischen alle pofitiven Lehren, Judenthum, Christenthum und Islam, in diesem wieder die Meinungen aller der unzähligen Seeten in ihnen, es müßte gezeigt werden, wie diese verschiedenen Lehrmeinungen sich in der Weltgeschichte offenbart haben: und nach allen diesen unendlichen Vorbereitungen, für die ein Menschenleben schwerlich eine hinlängliche Zeit wäre, müßte dann wirklich dem Schüler die Wahl freigestellt werden, er müßte gefragt werden, welche von diesen verschiedenen Meinungen er nach gründlichster Prüfung und gewissenhaftester Ueberzeugung zu der seinigen machen wolle. Von alle diesem geschieht gerade das Gegentheil. Er wird in nur Einer Lehre unterwiesen, lernt diese nicht aus ihren Quellen kennen, sondern in einem Auszug, wie ihn die Kürze der dem Unterricht zu gestandenen Zeit nothwendig macht; ihm ist keine Wahl gelassen, er weiß im Voraus, daß er zu dieser einzigen Religion vorbereitet wird, und vielleicht nachher noch in einem feierlichen Act zu ihr sich bekennen soll. — Beruht also, diese Ansicht auf einer Täuschung, so zeigt sich dasselbe nicht minder bei der anderen Meinung, als werde die Religiosität dadurch so viel tiefer, so viel inniger. Diese muß mit dem Menschen gleichsam verwachsen; so wie das Bewußtsein des Kindes erwacht, muß es auf den Gedanken an Gott und seine unendliche Wirksamkeit geleitet werden, mit seinem Gebote bekannt gemacht werden: an diesem Gedanken muß es herangeleitet werden, an ihm erstarken: nur so wurzelt der Glaube wirklich im Menschen. Was durch den Verstand dem Menschen geboten wird, das fühlt er nicht, das weiß er. Es gibt daher keine Schwärmer für die Wahrheiten der Mathematik, wohl aber für die Religion. Der Verstand soll läutern und berichtigen, was das Herz empfindet. Ein Unterricht in der Religion nach einem geordneten Plan hat daher hohen Werth als Schlußstein des Gesammtunterrichts, wenn zuvor die bedeutendsten Quellen mit in den Kreis des Unterrichts gezogen worden sind, wenn aller Unterricht immer auf diesen Einen Mittelpunkt vereinigt worden ist. — Gern gestehe ich, daß ich auch gar keine Vorstellung davon habe, wie man in allen früheren Jahren des Unterrichts den vielfältigen Fragen der Kinder über religiöse Gegenstände aüsweichen will; denn die Erfahrung lehrt, daß die Kinder immer am liebsten auf religiöse Dinge zurückkommen, daß sie gern. recht genau Auskunft haben möchten über Alles, was Gott betrifft und sein Verhaltniß zu Welt und Menschen, und wie sie mit rührender Innigkeit sich gerade an das am meisten anklammern, was den positivsten Inhalt hat. Schwerlich möchte sich ein einigermaßen aufgewecktes Kind mit Antworten aus der Philosophie abspeksen lassen.

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