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Der Jude · 1832-08-10 · Heft 11 (10.8.1832) · p. Seite 87

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 11 (10.8.1832)
Date
1832-08-10
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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ein himmlisches Reich der echtsten Religion, das keine Beziehung hat aus etwas irdisches! Und unser Glaube, der seit zwei Jahrtausenden kein bischen Erde hat, worauf er seinen Fuß könnte ruhen, lassen, keinen Zollbreit Boden, den er sein nennen könnte, keinen Schutz uud keine Stütze auf dem weiten Erdenrunde, als eine innere unauslöschliche Zuversicht auf eine leitende Vorsehung, — unser Glaube, der sein irdisches Dasein nur an Entbehrungen .und Entsagungen und Leiden aller Art seit Jahrtausenden erkennt, — der hastet an einer „irdischen Staatsansicht", an „dem Prinzip eines theokratische^Staatsverhaltniffes!" Wollt Ihr uns etwa Hoffnungen der Erlösung enrgegenstellen, die einst den spatesten Enkeln durch die Gnade Gottes zu Theil werden sollen? Ich will Euch diese Messias-Hoffnungen in der allerkrassesten Gestalt, in der Ihr sie denken könnet, zugeben: was enthalten sie denn Anderes, als die geträumte Aussicht aus eine Stellung, in deren erfreuendem Besitze' sich das Christenthum wirklich befindet? Seit wann ist aber Hoffen irdischer, als Genießen, Glauben irdischer, als Besitzen? Ist nicht die Aussicht auf Belohnung selbst, wenn sie auf der religiösen Zuversicht zu der göttlichen Gerechtigkeit und Gnade beruht, und durch Jahrtausende des Duldens und des Harrens nicht irre wird, von der reinsten geistigsten Art? Wenn Der, der den Vortheil des Augenblicks verschmäht in der festen Hoffnung auf eine Vergeltung der Allmacht irdischer ist, als Der, der sich auf die leichteste Weise in den Besitz jener Vortheile setzt, so ist auch der Tugendhafte irdischer, der in dem Glauben auf den Lohn der Tugend in diesem und einem anderen Leben den unerlaubten Genüssen des Lebens entsagt, irdischer, als der Sünder, der sich ihnen hingibt *). *) Me hieher gehörenden Ansichten sind besser, als ich sie zu entwickeln im Stande bin, entwickelt in einem trefflichen, leider unvollendeten, aber, so weit er gedruckt vorliegt, an Fornr und Inhalt überaus herrlichen Aufsatz, der sich unter dem Titel „Schreiben .. .„des Herrn R. M. H. an die Redactoren der Kieler ^„Blätter (den Aufsatz des Herrn Professors Pf aff ' ^über das Verhältniß christlicher Regierungen und „Staaten gegen die Juden im vorigen Bande der Kie- „ler Blätter betreffend)" in den Kieler Blättern von 1819 2r Bd. Nr. XIII. S. 451—481 befindet. Ich hatte diesen Aussatz neben dem „ewigen Ich habe nunmehr meine Ansicht von dieser Seite der Sache nach allen Richtungen hin erschöpft, und bitte den Leser um Nachsicht, wenn die weitläufigen Erläuterungen über einen Gegenstand, dessen gründliche Behandlung mir überaus wichtig schien, um so mehr, da ich weiß, daß sehr ehrenwerthe Männer unter meinen Glaubensgenossen darüber von den weinigen abweichende Ansichten haben, ihre Geduld ermüdet haben sollten. Nur die moralische Stellung der Frage will ich noch in wenigen Worten zusammenfassen. Durch die Emanzipation der Juden soll ein Unrecht, das durch Jahrtausende gegolten, wieder gut gemacht, ein unsittliches, für Religion und Moral verderbliches Verhältniß soll zerstört, das Werk des Fanatismus soll niedergeriffen, und das Erzeugniß einer reineren Gesinnung an die Stelle gesetzt werden. Damit aber dieses geschehe, ist es nöthig, daß der Unterdrücker sein Unrecht einsehe, daß er bekenne, daß er eine Schuld zu sühnen, daß er einen schnöden Mißbrauch der Gewalt wieder gut zu machch hat. So ist die Sache allenthalben, wo sie zum Ziele geführt worden, oder wo sie sich auf dem rechten Wege dem Ziele genähert, so ist sie in Frankreich und in Holland, so ist sie in Baiern und in Kurhessen aufgefaßt worden. Hierüber sehen wir den Unterdrücker die Schuld von den eigenen Schultern herab auf den Ünterdrücker wälzen; wir sehen den Gewaltigen Bedingungen an den Schwachen stellen, deren Eingehung auf diesen den Schein werfen würde, als liege in ihm die Veranlassung des Druckes. Wir sehen Jenen, einem tückischen, unredlichen Richter gleich, dem Gefangenen die Freiheit als ein Geschenk der Gnade zum Lohne für ein falsches Schuldbekenntnis bieten, das den Vorwurf der langen ungerechten Einkerkerung von ihm abwende, und dem Unschuldigen die rechtliche Freisprechung verweigern, wenn er bei der Behauptung seiner Unschuld verharrt. Das ist der Stand der Sache, und es kommt jetzt auf Euch an, Ihr Israeliten Badens, ob Ihr einem augenblicklichen Gewinn Juden" von Börne, wenn gleich in sehr'verschiedener Richtung, für das Geistreichste, was über den Gegenstand geschrieben worden, und würde mich sehr freuen, wenn ich durch diese Anführung etwas dazu beitragen könnte, ihn der Lesewelt wieder in's Gedächtniß zu rufen.

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