Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 11 (10.8.1832)
- Date
- 1832-08-10
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 Erörterung und namentlich dabei aus der Subjectivität entnommenen Motiven unterliegen müssen.. Die Provinzialrabbinen wären von selbst Mitglieder des Landrabbinats, welches als Collegium auf jeden Fall auch nichtrabbinische (aber doch instruiere und wissenschaftliche) Mitglieder haben müßten. Kreis- und Gemeinde - Rabbinen würden in der Regel nicht zu bestellen sein, indem außer der Hauptstadt keine Gemeinde, auch kein Kreis, im Stande ist, einen Rabbinen so, daß die Würde des Amts dabei bestehen kann, zu unterhalten. Wo jedoch ein solcher vorhanden ist, müßte man ihn ungekränkt lWn, und den Stand'in ihm ehren, nur wenn kein Nutzen dabei abzusehen ist, nicht befördern. Anderer Seits kann man aber auch Personen, von denen auch sonst eine ersprießliche Wirksamkeit zu erwarten wäre, nickt durch ein Reseript zu Rabbinen machen. Lehrer und Vorsänger sind überall hinreichend. Diejenigen Lehrer, welche Kenntnisse und. Gaben dazu haben, könnten vom Landrabbinate zu religiösen Vorträgen ermächtigt, auch nach Prüfung zum Spruch über kleinere Gesetzfragen auctorisirt werden, späterhin aber, wenn sie sich hierin nützlich erwiesen, zu Rabbinats- Adjunkten ernannt werden. Prüfungen. Nach dem oben gegebenen Begriff von der - Summe rabbinischer Scienz möchte eine philosophische Fakultät kein rabbinffches Examen anstellen können. Ueberhaupt ist das Universitäts-Examen der Schluß des Studenten- und der Eingang des bürgerlichen und Amtslebens; es geht der Carriere voran. Die Erlangung des Rabbinats ist aber in der rabbinischen Carriere nicht der Anfang, sondern das Ziel. Leute, welche nacheinander Repetenten, Rabbinats-Schöppen, Vicarien, Stistsrabbinen (denn es giebt auch solche Bemfizien und Pfründen) Oberlehrer re. gewesen, pflegen entweder schon alt, oder wenn sie auch noch in jüngern Jahren sind, doch Männer zu sein, welche Laufbahn, Ruf und Anerkennung schon in ein VerhälAiß gesetzt haben, bei welchem die Abhaltung eines Examen eine Znconvenienz ist. An sich ist das Examen auch ohne Nutzen, weil das Maaß des Wissens, das der Examinand erreicht haben muß, den Examinatoren unbekannt, wenigstens es zu bestimmen, den einzelnen Examinatoren discretionair überlassen, und darin aus vielen Gründen eine Jndulgenz zu erwarten ist, welche vollends jedes brauchbare Resultat aufhebt. Es dürste wohl nichts übrig bleiben, als das Rabbinat aus Personen zusammenzusetzen, von deren Wissen, Brauchbarkeit und Gesinnung schon palpable Beweise vorliegen, oder in deren Rufe man eine hinlängliche Garantie dasür findet. Alle Lehrer und Rabbinats-Adiuncten, sowie die etwa anzustellenden Kreis- oder Gemeinde-Rab- - binen könnten durch das gesammte Landrabbinat geprüft werden. Sollten zukünftige Anordnungen (welche jedoch dermalen noch nicht vorhanden sind) erheischen, daß zur Anstellung als Gemeindelehrer höherer Classe, oder Rabbinats-Adjunkt u. s. w. der vorherige Besuch einer höheren öffentlichen Studienanstalt (Seminar, Lyceum, Universität) Bedingung werde, dann könnte die Erfüllung derselben durch ein Attest gesichert werden, welches von der betreffenden Studienanstalt, nach vorgangiger Prüfung, ertheilt würde. Zu einer solchen Bedingung fehlen aber dermal noch nicht nur alle Voranstalten, sondern es dürste auch die Art und Weise und das Maaß derselben um so sorgfältiger dem Stoffe und dem Erforderniß anzupaffen seyn , als sonst solche auf scheinbar naheliegenden Analogieen begründete Bestimmungen leicht zu Prokrustesbetten dienen könnten. Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Kammer des Großherzogthums Baden über die Emancipation der Juden. (Fortsetzung.) (§o lange die individuelle Freiheit, freiwillig oder gezwungen, sich unter das Joch eines herrschenden Systems, während unverändert besteht, beugt, so lange mag sie auch befugt sein, wie sie genöthigt ist, aus eine bestimmte Reform hinzuwirken, und darum werden sich unter diesen Umstanden auch alle Kräfte von selbst in dem Streben nach diesem Ziele vereinigen. Wo aber die individuelle Ueberzeugung im