Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 10 (31.7.1832)
- Date
- 1832-07-31
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Volke (Hesekkel rc.). — Samuel stiftete Prophetenschulen, und wir werden zu den Zeiten des Elias und Elifa hunderte von Prophetenschülern gewahr. Es war also ein Institut, welches auch den Fall des Tempels überlebte. Es giebt Propheten des Exils (Jeremias, Daniel). Au Anfang des zweiten Tempels gab es noch Propheten: Esra, Nehemia, > Habakuk, Haggai, Secharja, Maleachi. Aber es waren die letzten. Hier verläßt uns auch der Leitfaden der Bibel, und wir müssen .nach rabbinischer Orthodoxie dem Talmud folgen. 2. Doktrinelle und geschichtliche Ableitung des Rabbinats. Das erste Kapitel des ersten Traktats der Mischna (Aboth) beginnt mit den Worten: „Moses empfing „das Gesetz vom Sinai, und übergab es dem Jo- „sua, Josua den Aeltesten (den 70 von Moses ein- „gesetzten Senatoren,) die Aeltesten den Propheten, „die Propheten den Männern , der großen Versammlung (Synagoga magna, zu der auch noch „Haggai, Secharja, Maleachi, Esra, Nehemia gehört „haben sollen). Simon der Gerechte war von den „ Männern der großen Versammlung.-Antiponus „von Socho empfing von Simon dem Gerechten.- „Von ihm empfingen Jose, Sohn Joesers, und „Jose, Sohn Johannes rc. Von ihnen empfingen „Josua, Sohn Perachias und Nithai von „Arb^ela rc.; von diesen Jehuda, Sohn Tab- „bais und Simon, Sohn Schatachs; von die- „sen Hillel und Schamai rc., von diesen Rab- „ban Gamaliel rc." Und so geht die Uebertragung von Gamaliel fort und fort auf alle Häupter der Rabbinen. Hier ist also eine Filiation von lehrender und richtender Autorität in der aus der Krone des Gesetzes (s. oben) abgeleiteten Kategorie, fast unabhängig von denen des Priesterthums und des Königthums (Kehuna, Malchuth), von denen jenes mit der Zerstörung des Tempels und dieses mit dem Untergänge des Reichs erlosch; so daß im Exil (allgemeine Benennung des Zustandes nach der Zerstörung von Jerusalem, aber in der Idee eben durch den Talmud ungemein vergeistigt und universalisirt) keine andere Auctorität, kein anderes Institut in der Gemeinde (Kirche) selbst übrig bleibt, als das Rabbinat (Kether Thora). Fürsten (Nesiim) "und Patriarchen (Rasche Aboth, Rasche Hagola) find seitdem Rabbinen. Das Wort Rabbine kommt von Rabh, welches auf aramäisch (syrisch, chaldäisch) Herr oder Meister und im Adjectiv groß, auch umgelautet viel heißt. Anfangs (B. d. Chronik, Jeremias) bedeutete es jeden Chef, Vorgesetzten und Großen, zuletzt blieb es Benennung der lehrenden Auctorität. Gerade wie das lateinische Magister vom Magister milltum, equitum herab bis zum mag. artium. Die Anrede lautet mit der possessiven Pronominal-Endung Rabbi, mein Herr oder Meister. Sie war schon lange vor der Zerstörung des 2ten Tempels in der Sitte. Jesus rügt diese Sitte (Matth. XXIII. 7. 8.), ward aber selbst von seinen Jüngern (Das. XXVI. 25. 49) auch Joh. I. 38. A9) und auch von den Pharisäern (Matth. XXIII. 36) so angeredet. Ueberhaupt tadelt Jesus nicht die Lehre der Schriftgelehrten, sondern daß sie selbst nicht danach thun (Matth. XXIII. 1.2.3.), also ihren Wandel. In jener Folge der Uebertragungen des Gesetzes erscheint aber Gamaliel zuerst mit dem Titel Rabban. Rabban entsteht aus Rabh durch die Nunnkrung oder Anhängung des Nun; eine im Atabischen und Syrischen häufige Wortendung. Ein rabbinischer Spruch sagt: Rabban sei höher als Rabh, der bloße Name aber (Jesaias, Jeremias rc.) höher als Rabban. Rabban heißen die Patriarchen (Nesiim). (S. oben.) Es bezieht sich indeß diese Uebertragung überhaupt nicht sowohl auf das schriftliche, als auf das mündliche Gesetz. Das schriftliche Gesetz war im Tempel niedergelegt. Es ist aber an fi'ch, abgesondert vom mündlichen, unvollständig; es erheischt Erklärung, Anweisung, Ergänzung, um erfüllt werden zu können. Diese Ergänzung nun ist im mündlichen Gesetz enthalten, welches zugleich mit dem schriftlichen dem Mose geoffenbart und von diesem, wie oben aus der Mischna angeführt, auf die Rabbinen übertragen worden ist. In dieser Mischna und später in der Gemara legten die Rabbinen den Schatz der Tradition