Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 10 (31.7.1832)
- Date
- 1832-07-31
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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75 erforderliche UebereinstiMtmrnKhervdrzuöringen Lm Stande sein würde, auch auf keinerlei Weise zu diesem Unternehmen berufen oder veranlaßt ist. (Die Fortsetzung folgt.) Ueber den Ursprung, das Wesen, den lehren Zustand und die Bedingungen einer zu vervollkommnenden Verfassung des Instituts der - Rabbinen, mit Rücksicht auf den Zustand der Israeliten in Kurheffen. Von Herrn Dr. Pinhas in Cassel. L Priesterthum, Propheten und Rabbinen. Aie Rabbinen kommen in der israelitischen Religionsgeschichte unter diesem Namen erst gegen das Ende des zweiten Tempels vor. Sie sind die Lehrer (Doctoren), Ausleger und Ueberlieferer des (besonders mündlichen) Gesetzes. Sie sind keine Priester. Bei den Juden, wie bei allen Völkern der alten Welt war das unterscheidende Amt der Priester die Opferung, der Altardienst; auch sollten fie das Volk segnen. Diese Priesterschast war «blich im Hause Aarons; wie der äußere Tempeldienst, der Gesang, die Wache und Voglei des Tempels erblich war im Stamme Levi, von dem das Haus Aarons'nur ein Zweig ist. Nach der Zerstörung des( Tempels hörte beider, der Priester (Cohanim) und der Leviten eigentliches Amt auf; aber sie conserviren noch ihren genealogischen Character und die damit verbundenen Ehrenvorzüge bei der Thora, beim Tisch - und andern Gebeten. Auch haben die Priester noch das ausschließliche Recht, an hohen Festtagen die Gemeinde mir der mosaischen eingesetzten Formel: Der Herr segne dich und behüte dich u. s. w. zu segnen,, eine Function, die keinem Rabbinen, er sei denn selbst priesterlichee Geburt,' zusteht. Femer steht ihnen noch die Auslösung der erflgebohmen Söhne zu. Außerdem haben Priester und Leviten kein Amt und kein Recht mehr, bilden auch keinen Stand, sondern sind, wie ihr Geschick es ge- . wollt, Gelehrte oder Unwissende, Reiche oder Arme, Herren oder Knechte. Zwar scheint Moses dte Priester und Leviten zu einem lehrenden und zum Theil auch rechtsprechendw Adel bestimmt zu haben, und der Hohepriester war nicht nur die oberste von Moses eingesetzte permanente Autorität, sondern auch überhaupt während der Tempelperioden der oberste Bewahrer des Gesetzes und das Haupt der Justiz. Jndeß gehörte Autorität, Wissenschaft, Richteramt nicht zu den aus sch ließ enden Attributionen der Priester. Es gab Fürsten, Aelttste, Richter, Schreiber, einen Rath der 70 (Sanhedrkn), eine Gemeinbe (Eda), — es gab auch Propheten. Moses selbst, der vermittelnde Ouell des göttlichen Gesetzes, der Seher und Mann Gottes, war, obgleich Levit, "doch kein Priester, vielmehr hat er das Priesterthum seinem Bruder Aaron und dessen Hause auf ewige Zeiten aufgetragen, welchem Geschlechts denn seitdem das Priesterthum dermaßen eigenthümlich blieb, daß es Frevel war, wenn ein Nichtpriester dessen Amt verrichten wollte, und König Usiah aussätzig ward, weil er selbst im Tempel opfern wollte, (Könige H.). Ein Beispiel, welches die römische Kirche geltend machte, als Kaiser Maximilian I. damit umging, zugleich Papst zu werden. Es gibt aber nach dem rabbinischen Sinnspruche dreierlei Kronen (geheiligte Autoritäten und Institute): die Krone des Gesetzes (Kether Thora), die Krone des Priesterthums (Kether Kehuna) und die Krone des Reichs (Kether Malchuth). Wie Moses aber, auch nach Uebertragung des Priesterthums an Aaron, der Gesetzgeber und Mann Gottes blieb, so verhieß er auch dem Volke, daß nach seinem Tode der Herr ihm Propheten wie er erwecken werde (Mos. V. 18). Neben dem erblichen Priesterthum und Lehramt der Aaroniten bestand also und reicht bis Moses hinauf ein anderes Lehramt, das nicht von Fleisch zu Fleisch, sondern von Geist zu Geist und durch die Wahl Gottes übertragen ward. Die Träger'dieses.Lehramts, welches Anfangs nur außerordentlich und durch besondere Erweckung geübt worden zu sein scheint, hießen während der ganzen ersten Tempelperiode Propheten (Nebiim) oder Seher. Sie waren aus welchem Stamm der Herr sie erwählte, der Geist sie berufte; es gab Propheten aus dem Priesterstamm (Secharja u s. w.), aus dem Königshause (David, Salomon, Jesaias rc.), aus dem 50*