Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 9 (6.7.1832)
- Date
- 1832-07-06
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 lichen Idee getragen, sich exhalten, gar nicht begreifen können und daher genöthigt sind, ihm irgend eine ersonnene Deutung urtterzuschieben. Halt' etwa das Christenthum, halten insbesondere solche christliche Sekten, die sich unter ihren Mitbürgern in schwacher Minorität befinden, ihre Bekenner nicht zusammen? Und zeigt nicht die Geschichte, daß gerade hier das Zusammenhalten, wo es durch Druck verstärkt und zur Nothwehr getrieben worden, schädliche Folgen für die Einheit und Kraft des Staates herbeigeführt hat, die bei dm Juden nie zu befürchten waren? Hat nicht die Verbindung dissentirender christlicher Staatsangehöriger mit ihren Glaubensgenossen anderer Länder den Frieden der Staaten zerrüttet und ihre Kraft geschwächt? Der Deutsche Protestantismus hat das protestantische Schweden zu Hülfe gerufen und hat, um die Freiheit des Glaubens zu retten, die Macht des Deutschen Reiches gebrochen Polens Dissentirende haben den Einfluß der Russischen Herrscherin» zu ihrem Schutze angerufen, und ihr damit die Waffen 4N die Hand gegeben zur Vernichtung des Vaterlandes. Tausend ähnliche Beispiele füllen die Blätter der Geschichte. Und nun, nachdem man das Heilmittel für diese tödtlichen Nebel einzig in der unbedingten Gleichstellung der streitenden Bekenntnisse gefunden, entblödet man sich nicht, die religiöse in jeder weltlichen Beziehung ohnmächtige Verbindung der Juden der v«schiedenen Länder gegen uns als Ausschließungs- Grund geltend zu machen? Freilich erscheint das Verhältniß der Juden zu deü Christen in der Geschichte ganz antzW, als das der zahlreicheren christlichen Sekten, z. Btz. der Katholiken und Protestanten gegen einander; diese habm tchjlvechselnd den Druck geübt und geduldet, waren abwechselnd Henker und Opfer; die Juden aber haben nur gelitten, nur geblutet: ist es das etwa, was man ihnen nicht vergeben kann? Sie vermochten keinen Helden im Norden, keinen Despoten im Osten, kein dreifach gekröntes Haupt im Süden zu ihrem Schutze herbeizurufen; Gott allein und der gottgesandte Erlöser, der sie von ihren Drangsalen befreien sollte, waren ihre Hoffnung. Mehrere Redner haben sich in den vorliegenden Debatten mit einer Ekel erregenden Frivolität darin gefallen, den Juden ihren Wische» Glauben an die besondere Obhut der Gottheit, M den verheißenen Messias, als eine dm Zwecken des Staates widerfirebende Einheit unter ihnen erzeugend, vorzuhaltm. Wo ist aber eine solche Einheit tiefer begründet und schärfte ausgedrückt, als im Katholicismus, der alle seine Bekenner unter den Stab nicht eines unsichtbaren oder eines erhofften Oberhauptes, sondern eines mächtigen, mit weltlicher Gewalt begabten Herrschers vereinigt, der seine Macht, die Staaten zu zerrütten, und seine Gläubigen von dm Banden der bürgerlichen Vereinigung los zu reißen, zur Genüge in der Geschichte bewährt und nie darauf verzichtet hat. Dennoch findet — freilich zum nicht geringen Aergerniß einiger weniger protestantischer Fanatiker in England und in Deutschland — kein civilisirter Staat jetzt mehr in jenem Verhältniß einen Grund der Ausschließung der Katholiken von den vollen Rechten des Bürgers, aus dem einfachen Grunde, weil jene Unterordnung ihrem Wesen nach religiöser Natur, eine Angelegenheit des Gewissens ist, und daher nur in so fern Gegenstand der Gesetzgebung wird, als sie wirklich aus dem Gebiete des Glaubens herausgetreten wäre, und eine Uebertretung gesetzlicher Pflichten - erzeugt hätte. Hören wir indeß, mit welchem vorzüglichen Scharfsinn der schmutzigste Gegner, den die Emancipation der Juden in der Badischen Kammer gesunden, der katholische Priester und Abgeordnete Herr die Stellung der Juden und der Katholiken in dieser Beziehung zum Nachtheile der ersteren unterscheidet. „ Er erinnert an den Vorwurf — heißt es S. 322 der Debatten — „welchen man des Pap- „stes wegen den Katholiken gemacht, daß sie einen „Staat im Staate bildeten, und bemerkt, vor dem „Papste brauche man im Jahre 1831 keine große „Furcht zu haben, als ob er sich ein weltliches Re- „giment anmaßen werde; man wisse ihm die Lust „dazu zu benehmen; täglich aber werde von Israels „Söhnen der Messias erwartet." Die Logik dieses Gegensatzes ist wirklich bewundernswürdig. Als Garantie gegen den Papst genügt es, wie wir sehen, daß man keine Furcht vor ihm zu haben braucht, weil ihm die Lust zum Regieren abgeht. Wie ist es denn mit dem Messias? Fürchtet der Abgeordnete Herr, der gläubige Diener der Kirche, denn wirklich den Messias im Jahre 1831? Hat er etwa Privatnachrichten über seine Ankunft, nebst einer konsidentiellen Mittheilung darüber, daß er mehr Lust, als der Papst, 9*,