Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 9 (6.7.1832)
- Date
- 1832-07-06
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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Unterdessen war vom König allen Juden angelobet, Weil er ihre heiße Liebe zu dem Lande nun erprobet, Daß der Fesseln letzte Ringe, alter Knechtschaft letzte Pein Ihrem kraftbewährten Arme abgenommen solle seyn. Manchen hocherkaustm Sieg noch theilten sie in Preußen- Heeren Unter hohen Kriegesfürsten, deren Thaten wir verehren, Und bei Belle-Alliance, wo Schaaren fraß des Krieges Flammenzahn, Blieben ihrer fünf und fünfzig Offiziere auf dem Plan. Treu dem Land' und seinem Fürsten starben unsre tapfre Brüder, Und kein Stein nennt ihre Ramm und kein Griffel schrieb sie nieder. Wunden zierten ihren Busen, Spalten kränzten dort ihr Haupt: Doch im Frieden ward der Sold uns ihres Blutes noch geraubt. Ach! sie fielen wie Urkas, den das Schwert des Feindes fällte, Da den biedern Helden David schutzlos an die Borwacht stellte, Während der Verräther schamlos in der Wollust Blumensaal Ihm die Krone seines Lebens, seiner Jugend Weib ihm stahl. Dmn es ließ sich nach dem Siege gleißnerifch der Ausspruch hören: Wer von Israels Geschlechtern will zu andern Göttern schwören, Ehr' und Lohn ihm, doch wer starrig an dem alten Glauben hängt, Bon dm Ehren, von dem Lohne sei von heut an er verdrängt. Fort mit ihm von jedem Lehrstuhl , wär' er auch der höchste Barde; War' er auch der kühnste Ritter, fort aus seines Königs Garde, Wär' er aller Weisheit Meister, fort aus dieses Landes Rach, Und kein Fremder dieses Glaubens trete je in unsem Staat! König! BoK! ihr Brüder, wißt ihr was uns dieser Ausspruch raubet? Haben die gefallnen Tapfem nicht an gleiches Recht geglaubet? 66 ' Löthet ihr, selbst kaum Befreite, alte Ketten uns aufs Neu? Bietet Lohn dem schnöden Meineid, und vom Abfall hofft ihr Treu? —^ — Doch der Spruch blieb fest gewurzelt wie ein Dorn im Felsengrunde, Der den Wandrer und die Heerde heimlich ritzt mit tiefer Wunde, Der der Gegend Reiz beflecket und zur Furcht den Landmann zwingt, Ob die ekle Brut nicht wuchemd bald den ganzen Gau umschlingt. Ist vergebens unsrer Helden treues Blut dahingefloffen? Bleibt des Ruhmes und der Thaten Quell dm Dürstenden verschlossen? Hat das Land der Kunst und Weisheit für den Schwachen denn kein Recht? Ist ein Fürstenwort ein Spielzeug, daß ihr lachend es zerbrecht? Wißt, uns lebt ein strahlend Aeugniß in dem Buche der Geschichten; Jener Fünfundfunfzig Nachruhm kann kein Herrscherwort vernichten. Dieser Tag, der hoch gen Himmel ihren blut'gen Lorbeer hält, Meldet ihren Tod und meldet auch den Dank dafür der Welt. Befoni. Betrachtungen über die Verhandlungen der zweiten Kammer des Großherzogchums Baden über die Emanciparion der Juden. (Fortsetzung.) Aas Verkennen der religiösen Natur jenes Bandes und das Unterschieben eines nationalen Charakters konnte nur in solchen Gemüthem entstehen, denen der eigne Glaube etwas so gleichgültiges, so sehr ein bloßes.Wort, eine leere. Form ist, an die sie nichts als die gedankenlose Gewohnheit, das gefühllose Anschlüßen an das Treiben der Mehrheit bindet, daß sie die Innigkeit eines religiösen Lebens, das Jahrtausende lang ohne äußeren Stützpunkt, unter unsäglichen Drangsalen, nur durch die Kraft der ihm inwohnenden gött-