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Der Jude · 1832-07-06 · Heft 9 (6.7.1832) · p. Seite 65

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 9 (6.7.1832)
Date
1832-07-06
Page
Seite 65 (sequence 1)
Language
German
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Der Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit. In zwanglosen Abtheilungen herausgegeben von Dr. G. Riesser. den 6 3uti 1832 reitag ELgenthum des Herausgebers. In Commission bei I. F. Hammcrich in Altona. Am Jahrestage der Schlacht bei Belle- Alliance *). SDeffnet die geweihten Hallen, stimmt zur Andacht eure Herzen, Lasset vor der Lade flammen fünf und fünfzig Jahrzeitskerzen ”), *) Die diesem Gedichte zu Grunde liegende Thatsache wird von vielen Schriftstellern berichtet. „ Es ist bekannt, — heißt es unter anderem in dem Gesuch der Braunschweigischen Juden — „daß bei Waterloo 55 jüdische Öfsiciere allein von der Preußischen Landwehr geblieben find.« Die rühmenden Zeugnisse der höchsten Staatsmänner über den von den jüdischen Unterthanen Preußens während des Krieges auf jede Weift bewiesenen Patriotismus sind ebenfalls bekannt; nicht minder bekannt ist es leider, wie bitter viele der gerechten ErwartMgM, die das in seiner Anlage treffliche Edikt vom Ilten März 1812 rege gemacht hatte, getäuscht worden: eine Thatsache, auf die wir nächstens in einem größeren Aufsatze zurückkommen werden. D. H. '*) Der Dichter hat um so weniger Anstand genommen, den deutsch-jüdischen Kirchenausdruck Jahr zeit für Todesjahrstag beizubehalten als (nach Aschocke u. A.) die entsprechende Sitte unter den deutschen Schweizern und vermuthlich noch anderen germanischen Stämmen unter derselben Benennung eingeführt war. ..... Die kirchliche Ceremonie besteht bei den deutschen Juden am Jahrzeitstage von Vater oder Mutter in einer Kerze zum Andenken des Verstorbenen , einem besondern Kaddischgebet, Fasten, Almosenspenden und dem Besuch der Grabstätte. Auch Luther hat diesen Ausdruck. Hunderttauftndstimmig steige laut ein Kaddisch heut empor Schmetternd an der nieder» Menschen, an der hohen Gottheit Ohr. Denn ein Jahrzeitstag ist heute, wie wir selten ihn gefeiert, * Wir, die Greife der Geschichte, die wir ihren Strom durchsteuert; Unsre besten, schönsten, stärksten, kühnsten Brüder sielen heut Opfer hintergangner Treue, argbelohnter Redlichkeit. Wie ein Adler los sich schwingend aus den Netzen gier'gcr Feinde Rief einst Preußens edle Stimme seiner Israels - Gemeinde: Söhne eines Vaterlandes, Dulder einer gleichen Noth, Kommt, erringt in unsern Reihen Ruhm und Freiheit oder Tod.' „Vaterland und Freiheit" mächtig wiederhallten diese Töne, Und zum ernsten Waffengange drängten schnell sich unsre Söhne, Und der Reiche gab sein Silber und die Jungfrau ihren Schmuck, Abzuthun in einem Kampfe Feindes, ach! und Freundes Druck. Immer in den ersten Reihen, freudig im Gewühl der Schlachten Sah man unsre jungen Helden Tod und Wundenschmerz verachten, Volk und Heer und Führer staunten ob des Muths, des sic entbrannt, Und zu Obern wurden viele mitten im Gefecht ernannt. 9

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