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Der Jude · 1832-06-22 · Heft 8 (22.6.1832) · p. Seite 62

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 8 (22.6.1832)
Date
1832-06-22
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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62 von Seiten des Stackes beibringen, daß man die letztere insbesondere durch nichts den Gemächern mehr verdächtigen und somit ihre Fortschritte hemmen könnte, als wenn man an die Abschaffung religiöser Gebräuche die Aussicht auf zu erlangende bürgerliche Vortheile knüpfte. Die Würdigsten unter Denen, die jene Gebräuche heilig halten, würden nur mit um so größerer Festigkeit dabei beharren, wenn sie durch solche Mittel davon abgebracht werden sollten. Die Redlichsten unter den Anhängern einer anderen Meinung würden eine Gleichstellung ablehnen, die Vielen als durch einen schmählichen Handel erkauft erscheinen würde, und deren sie sich mit gutem Gewissen nicht im mindesten würdiger eracbten können, als ihre übrigen Glaubensgenossen, die jenen Gebräuchen anhängen. Das einzige konsequente gerechte Resultat jenes Systems würde die Trennung der Anhänger der verschiedenen Meinungen Unter den Juden sein, die vollständige Gleichstellung Derer, dieauf die gestellten Bedingungen eingehen, das Zurücklaffen der Uebrkgeu. Aber gerade dieses Resultat, so plausibel es vielleicht Einigen in der Entfernung scheinen möchte, würde, wenn es in's Leben treten sollte, alle Stimmen und alle Gemächer gegen sich haben, es würde von allen Seiten zu seiner Hintertreibung gewirkt werden. Weit entfernt, ihre Gegner auf diesem Wege zu befriedigen, würde unsere Sache ihre einzigen Freunde dadurch verlieren. Diejenigen, die in der Emancipation der Juden eine Frage sehen, wobei die christliche Religion betheiligt ist und deshalb Bedenklichkeiten hegen, werden sich schwerlich bei einem Auskunftsmittel zufrieden geben, das die Würde aller Religion verletzt. Daß es Denen, die aus Gründen einer scheinbaren Aufklärung den Forderungen der Juden entgegen sind, keinesweges Ernst damit ist, Denjenigen unter ihnen, die allen Ansprüchen genügen, auch wirklich Rechte einzuräumen, sondern daß sie vielmehr ein Uebereinstimmen Aller mit einem Male, dessen absolute Unmöglichkeit sie sehr wohl einsehen, verlangen, davon kann sich Jeder, der daran zweifelt, am leichtesten aus der Schrift des Herrn vr. Paulus überzeugen, der selbst den Juden, die so rein fromm und Gott ergeben, wie Abraham, so weise, wie Spinoza sind, freilich alle Achtung, aber keine Bürgerrechte zu Theil werden lassen will. Die wahren freunde der Freiheit aber, die Einzigen, auf die wir zählen können, werden nimmermehr mit dem rechten Eifer ein System unterstützen, das' auf einer Ungerechtigkeit, auf einem despotischen Eingreifen in die Sphäre der Ueberzeugung oder solcher Handlungen, die als bloße Folge einer Ueberzeugung außer dem Bereiche des Gesetzes> liegen, beruht. So würde jenes Resultat allen Angriffen bloßgestellt sein, und keinen Vertheidiger finden. Wem könnte auch eine Trennung Zusagen, der zufolge z. B. Moses Mendelssohn würde ausgeschlossen worden sein; denn er hat bekanntlich, seiner religiösen Ansicht folgend, alle jene angefochtenen Ceremonien mit der gewissenhaftesten Strenge beobachtet. — Am allerheftigsten sträubt sich aber gegen die Verbindung von Veränderungen in der äusseren Gestaltung der Religion mit der Erlangung bürgerlicher Vortheile das religiöse Gefühl selbst. Jede religiöse Reform muß von innen heraus kommen, sie muß einzig und allein aus der Ueberzeugung der Bekenner der Religion hervorgehen, und es darf keinerlei Nebenrücksicht dabei Statt finden. Eine Religion, die ihre Gebräuche und Satzungen aus irgend einer äußeren Rücksicht, mit irgend einer Beziehung auf bürgerlichen Vortheil, bürgerliche Rechte, auf die launenhafte Willkür irgend einer Gewalt reformirte, würde den innersten Charakter einer Religion, ihre rein göttliche Beziehung verläugnen; sie würde aufhören, eine Religion zu sein; sie würde selbst der Forderung, die der Staat an die Religion zu machen gewohnt ist, daß sie Einfluß übe auf die Gewissen ihrer Anhänger, nicht mehr entsprechen; sie würde keine andere Garantie geben, als die von der Erbärmlichkeit ihrer Bekenner. Ein Versuch der Reform, an welchem nur im Mindesten der Verdacht haftete, daß Nebenabsichten, die mit der Reinheit des Glaubens in keiner Verbindung stehen, ihm zum Grunde liegen, würde nirgends Eingang finden, und seinen Urhebern die Verachtung ihrer Glaubensgenossen und aller Anderen, die von der Würde der Religion durchdrungen sind, zuziehen. Wir wollen jetzt die subjektiven Gründe beleuchten, wie sie aus den Debatten und aus verschiedenen bei dieser und ähnlichen Gelegenheiten laut gewordenen Ansichten hervorgehen, die die Regierung veranlassen könnten, jenen in den Schlußanträgen dunkel angedeuteten Irrweg zu verfolgen.

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