Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1832-05-25 · Heft 5 (25.5.1832) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 5 (25.5.1832)
Date
1832-05-25
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2542348-2542377-2542383--045-3526535
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

37 einzuholen, ist selbst am Hauptorte zu umständlich; so lange bleibt der Geselle nicht Ln der Herberge; und gar in den Landstädten, die 5, .10 und mehr Meilen entfernt sein können? Die Beschränkung in Betreff der Domestiken giebt den inländischen Subjecten aber ein Monopol, das sie geradezu verdirbt. Man erinnert sich noch, mit welcher Heiterkeit ein Gesuch um solche Begünstigung von Seiten der hiesigen Dienstboten an die Ständeversammlung mit der Tagesordnung überschritten worden ist; sie verlangten aber nichts mehr, als was hier den israelitischen Dienstboten bewilligt werden soll. Und wo wären die Nachtheile? Die Israeliten werden selbst lieber inländische Mannspersonen in Dienst nehmen; das etwaige Etablissement auswärtiger Dienstmädchen wird man doch wohl nicht befürchten? Gegen die Ansäßigmachung der Ausländer existiren zudem genug beschränkende Bestimmungen." Der zweite Abschnitt, mit der Überschrift: von den gemeinheitlichen Verhältnissen der israelitischen Glaubensgenossen enthält zweckmäßige Bestimmungen über das jüdische Schulwesen, über die Besetzung der Rabbinate, über Armenwesen, und besonders über die Vertheilung der Gemeindelasten, auf die wir bei einer anderen Gelegenheit zurückkommen werden. Von den weiteren Verhandlungen über das Gesetz werden wir unseren Lesern, so schleunig wir können, Nachricht geben. Bettachtungen über die Verhandlungen der .zweiten Kammer des Großherzogthumö Baden über die Emancipation der Juden. (Fortsetzung.) 38ir sollen höflich und demüthig gegen den krassesten Uebermuth und die rücksichtslosesten Schmähungen unserer Gegner sein; wir sollen, wie der arme Hamlet, mit stumpfen Rapieren gegen ihre scharfen, vergifteten Waffen kämpfen, und sie sind über alle Maßen erstaunt, wenn einmal Einer von uns, die tödtliche Wunde vielleicht schon im Herzen tragend, gleich jenem unglücklichen Königssohne, sich der Waffe des Gegners bedient, und gegen ihn die unerwartete Schärfe kehrt. „Trennt sie, sie sind zu hitzig," ruft dann, wie der tückische König in der Tragödie, der erschrockene Kritiker aus, der bis dahin ruhig und vergnüglich dem Kampfspiele zugesehen. — Aber warum hat Herr Dr. Paulus denn auf die in ruhigerem Tone gehaltenen Bemerkungen der Herren Doktoren Creitzenach und Heß, die älter, daher leidenschaftloser, auch wohl besonnener sind, als ich, nichts erwiedert? warum hat er nicht mindestens diejenigen faktischen Jrrthümer zurückgenommen, die ihm bei der mindesten näheren Betrachtung selbst als solche erschienen sein müssen? So steht es mit der Behauptung der literarischen Würde, eines Buches, das auf die vorliegenden Verhandlungen einen unverkennbaren Einfluß geübt, und in welchem allein vielleicht die Veranlassung zu suchen sein möchte, daß man in Baden einen Umweg eingeschlagen, der früher in Würtemberg, später in Baiern ebenfalls in Vorschlag gebracht, in beiden Ländern aber als überflüssig und unnütz, und mit . den Grundsätzen einer liberalen Gesetzgebung unverträglich, verworfen worden. Wir kehren zu den Debatten zurück. Eine humanere Ansicht leitete die Minorität der Kommission, aus deren Anträge mit einigen Modificationen der Schlußantrag der Kammer hervorgegangen. Jener Antrag der Minorität lautete (S. 294): „Daß das Gleichstellungsrecht der Israeliten vorerst noch vertagt, inzwischen aber durch Zusammenberufung einer Israelitischen Synode zu dem angeführten Zweck und auf legislativem und administrativem Wege sowohl die sittliche als die politische Entwickelung der Israeliten befördert, und sodann in gleichem Schritt mit diesem Voranrücken ihnen allmälig die- Rechte gegeben werden möchten, welche sie zur Zeit noch entbehren." Durch jene vorläufige Maßregel sollen nach der Ansicht der Minorität der Kommission alle Einwendungen gegen die Emancipation der Juden beseitigt werden, die sie ihrer eigenen Meinung nach nicht gerade als richtig anerkennt, aber doch zu sehr verbreitet findet, als daß man sie unbeachtet lassen könnte. Jene Einwendungen sind" es mithin, welche die Regierung bei den Vorlagen zu Grunde legen wird, die sie der Versammlung der Badischen Israeliten zu machen hat, welche nach dem Schlußantrage an die Stelle der Synode treten wird. Jene Einwendungen haben wir daher ganz besonders zu beachten, und sie müssen als Ausgangs-Punkte bei der folgenden Prüfung dienen, bei welcher wir die verschiedenen in der Diskussion

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.