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Der Jude · 1832-05-11 · Heft 3 (11.5.1832) · p. Seite 23

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 3 (11.5.1832)
Date
1832-05-11
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 würdig sein möchten. Die Reife ist eingetreten, und es ist nunmehr ihre Sache, ihrer Würde eingedenk zu sein, wenn sie nicht vor ihrem eignen Geständnisse erröthen will. Zu einigen besonderen Bemerkungen geben noch ein Paar Stellen in den Reden der Abg. Lang und v. Ehrne Veranlassung. Beide führen S. 39 — 41, S. 44. das Lehrbuch der mosaischen Religion von Dr. Alexander Bahr als Beleg für den streng sittlichen den Grundsätzen der strengsten Moral wie des Staatslebens vollkommen entsprechenden Charakter der Lehren des Talmuds und der Rabbinen an. Niemanden, dem jenes Buch bekannt ist, er mag über dessen Tendenz im Uebrigen noch so ungünstig denken, wird diese Anerkennung befremden. Manche unserer Leser werden sich aber erinnern, daß eben dasselbe Buch dem Herrn Dr. Paulus in Heidelberg zum einzigen Grundtext der schwersten Beschuldigungen hat dienen müssen. Nachdem derselbe durch sein ganzes Werk hindurch den Juden die staatswidrigen und staatsgefährlichen Irrlehren ihrer Rabbinen vorgehalten, weiß er, um den Beweis zu führen, daß dergleichen wirklich gelehrt wird, nichts als ein Paar vereinzelter Stellen aus eben jenem Buche anzuführen, die er nach Belieben zurecht zerrt und interpretirt, um sie zu seinem Zwecke dienlich zu machen. Wie sich jenes Lehrbuch zu den religiösen Ansichten der Juden verhalt, daß es von der größeren Anzahl derselben ungünstig ausgenommen, und zur allgemeinen Einführung in den Schulen ungeeignet befunden worden, ist bekannt. Aber welch ein erfreuliches Zeichen für die Wahrheit, wie beschämend und wie bezeichnend zugleich für das Verfahren unserer Gegner ist es, daß da, wo der Haß das letzte Gift mühsam zusammenscharrt, womit er seine Pfeile würze, der sinnige parteilose Gesetzgeber nicht das mindeste Verfängliche zu finden vermag, daß er vielmehr eben da eine Bürgschaft für die höchste Sittlichkeit und den dem Zwecke des Staats entsprechenden Charakter der vielfach angefeindeten Lehre zu finden sich veranlaßt sieht. Interessanter noch ist die folgende Stelle in der Rede des Abg. v. Ehrne (S. 44.45): , „Noch ein weiterer Beweis, daß es mit der besseren Heranbildung der israelitischen Jugend vorwärts gehe, habe ich in einer Schrift gefunden, die ich ebenfalls gegenwärtig vor mir habe; es ist das neue Gebetbuch für die Israeliten, ebenfalls herausgegeben im Jahre 182? durch Dr. Alexander Bähr, unter dem Titel: Tägliche Gebete der Israeliten. «Ich beziehe mich auf dasselbe, weil ich gefunden habe, daß die schönsten Grundsätze darin enthalten sind, namentlich in der Beziehung, wie sich die Israeliten gegen König und Regierung, und gegW ihre Mitbürger zu verhalten haben. Namentlich M ihnen strenge eingeschärst, daß sie der Obrigkeit Gehorsam leisten müssen, daß sie nur der reinen Moral zu folgen haben, die ihnen vorgeschrieben und zur besonder» Verpflichtung gemacht ist." «Ich wiederhole es, dieses Werk ist wirklich sehr zweckmäßig geschrieben; es bezweckt, die Israeliten zu einer besseren Aufführung zu bringen, und ihre Grundsätze mit unseren christlichen Grundsätzen in Einklang zu bringen, überall schwebt das Sittengesetz vor." Sollte man nach diesen Worten nicht meinen, und scheint Herr v. Ehrne es nicht selbst gemeint zu haben, jene Gebete seien von Hrn. Dr. Bähr neuerdings, etwa nach dem Muster der besten christlichen Gebete, verfaßt und den Juden zu ihrer Andacht empfohlen worden? Nun sind aber jene Gebete lediglich eine getreue ganz unveränderte Uebersetzung der hebräischen Gebete, die bei den Juden fast alle seit mehr als einem Jahrtausend, großen Theils seit zwei Jahrtausenden in ununterbrochener täglicher Uebung sind. Was hat man nicht Alles über die Gebete der Juden von jeher Nachtheiliges und Verläumderisches zu verbreiten gesucht! Zu welchen boshaften Auslegungen hat ein einziges, ein Mal im Jahre am Vorabende des Versöhnungsfestes zu verrichtendes Gebet, das eine traurige Berühmtheit erlangt, obgleich es nichts als ein etwas ungeschickter Ausdruck der allersorgsamsten Gewissenhaftigkeit ist, bis auf die neueste Zeit herab dienen müssen! Und nun, da der erste unbefangene Blick unparteiischer Gerechtigkeit auf das früher seinen Gegnern unbekannte Gebiet fällt, was offenbart sich ihm? Jene täglichen Gebete, die der ächte Kern jüdischer Andacht, der lebendigste Ausdruck jüdischer Religiosität sind, da sie mehr als irgend

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