Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 3 (11.5.1832)
- Date
- 1832-05-11
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24 etwas Anderes seit Jahrtausenden in dem Gedachtniß und der Seele aller Juden leben, werden als vortrefflich, als die reinsten Lehren der Religion und Moral enthaltend, frei von Aberglauben und Fanatismus, anerkannt. Wie wenig Kenntniß, wie wenig guter Mille gehört doch dazu, um die Macht der Vorurtheile zu verscheuchen, und gerechte Würdigung an die Stelle gehässiger Jrrthümer zu setzen! Der unschuldige Fehlgriff, daß er in jenen Gebeten, die zum Theil älter als das Christenthum, zum anderen Theil in einer Zeit entstanden sind, in welcher zwischen Christen und Juden die schroffste allseitigste Trennung obwaltete, eine Annäherung an christliche Grundsätze fand, wird wohl am besten geeignet sein, den Redner und seine christlichen Leser zu überzeugen, daß es besser wäre, die so bezeichneten Grundsätze bei ihrem wahren Namen menschliche zu nennen, und daß es, um uns in jenen Grundsätzen völlig übereinstimmend zu finden, keiner einseitigen Annäherung, sondern einer beiderseitigen vorurtheilsfreien Anerkennung bedarf. In diesem Sinne wollen wir uns die betreffende Aeußerung des Redners gerne gefallen lassen, und ihm, wie Nathan dem Klosterbruder auf sein „Fürwahr! Ihr seid ein Christ, Ein beflrer Christ war nie." zufrieden antworten: „Wohl uns! denn was mich Euch Zum Christen macht, das macht Euch mir zum Juden!" Gesuch der Bekenner des jüdischen Glaubens im Herzogthum Braunschweig an Seine Hochfürstliche Durchlaucht den regierenden Herrn Herzog Wilhelm von Braunschweig- Lüneburg um gnädigste Verleihung voller bürgerlichen Rechte. Verfaßt und mit erläuternden Zusäßen versehen von G. A. Geitel, Doktor der Rechte, Advokaten in Braunschweig. Braunschw., gedruckt bei Friedrich Vieweg und Sohn. 1831. 116 S* in 8. I^icht minder beachtenswerth als das erreichte Ziel ist in dem Kampfe für Recht und Freiheit das ernste würdige Streben darnach; nicht minder ehrenwerth als der errungene Sieg, ist der muthige Streit. Nicht vom Ausgange erst hat der edle Kämpfer den Preis der Ehre zu erwarten; auch ohne Gewinn wird ihm der Ruhm und der Dank, die er verdient. Wenn wir daher unseren Lesern eine Uebersicht von allem Dem geben wollen, was seit ungefähr einem Jahre für die bürgerliche Gleichstellung der Juden in Deutschland geschehen, so nimmt billig, nachdem den Verhandlungen der Bairischen Kammer der Abgeordneten, als dem bedeutendsten von der gesetzgebenden Gewalt ausgehenden Faktum, der erste Platz zu Theil geworden, das vorliegende Gesuch, als der tüchtigste angemessendste Schritt, der von Seiten der Juden geschehen ist, den zweiten Platz ein. Auch in Baiern, Baden, in Hannover und anderen Staaten habett sich die Juden in Petitionen an die Staats-Regierung und an die Landes - Vertreter gewandt , aber nur in Braunschweig ist es in einem im Vöraus der Oeffentlichkeit übergebenen, allen möglichen Einwendungen von vorne herein begegnenden Gesuch geschehen, das den gesetzgebenden Gewalten, an die es gerichtet ward, nur die Wahl übrig läßt, den gerechten Forderungen der Bittenden zu willfahren, oder offen zu erklären, daß gleiche Gerechtigkeit für die Ansprüche der Minderzahl wie der Mehrzahl nicht zu ihren Grundsätzen gehört, und die Befriedigung des gerechtesten aller Wünsche sichren Nachfolgern zu überlassen. (Der Beschluß folgt.) . Von dieser Zeitschrift erscheinen bis Ende dieses Jahres in kurzen Zwischenräumen von 8 — 14 Tagen 26 Nummern,;ede emen Bogen in gr. 4. stark, welche zusammen einen Band bilden. Der Abonnementspreis, welcher erst bei Ablieferung der letzten Nummer bezahlt wird, für den Band ist 2 Rthlr. 12 gr. (in Hamburg 5 #)/ zu welchem Preise diese Zeitschrift durch alle lobl. Postämter und sämmtliche Buchhandlungen Deutschlands und der Schweiz bezogen werden kann. Buchhandlungen, bei denen Subscriptionen eingehen, werden ersucht, sich an den Unterzeichneten zu wenden. Andere, die sich für die Verbreitung des Unternehmens interessiren, können sich auch an den Herausgeber wenden. __ 3. JP. Hamrnerich. Gedruckt bei Hammerich und Lesser in Altona.