Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 3 (11.5.1832)
- Date
- 1832-05-11
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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k 21 gebracht hatten, noch im frischen Andenken waren, damals als man noch der Lage, der Freiheit der Völker Erwähnung that, als das Wort Preßfreiheit dem der Censur noch nicht Platz gemacht hatte, als man überall ständische Verfassungen und noch so vieles andere versprochen, allein die Versprechungen auch eben sobald wieder vergessen hatte; damals gedachte man auch der Juden; der Art. 16 der Bundesacte sagte ihnen eine Verbesserung ihres Zustandes zu, und der Bundestag sollte sich alsbald damit beschäftigen. Auch dieses Versprechen sank mit den übrigen in den Lethe hinab!" „Aber dieß Versprechen ist gegeben, gegeben auch von Baiern und für Baiern. Nehmen wir es freudig auf, und lösen wir heute jenes auch für uns verbindliche und heilige königliche Wort. Was soll der Befreiung der Juden von dem Drucke, unter dem sie seufzen, im Wege stehen? Wahrlich Nichts, nichts als blinder Religions-Haß und eine von Kindheit an eingeprägte Verachtung für ihr Geschlecht." „Ich sage nur der Religions - Haß! — Auch selbst der 3te Ausschuß stand einiger Maßen unter dessen Einfluß. Will er dem Juden doch keine größeren Rechte einräumen, als er entsage dem Talmud und dem Sabbath. Nun denn, wenn sein Glaube ihm dieses zu thun nicht erlaubt, ist er denn nicht seines Glaubens wegen verfolgt, seines Glaubens wegen unterdrückt? Bleibt nicht die Staats-Verfassung in ihrem Eingang abermals eine Lüge? denn dieß ist keine Glaubens-Freiheit, die ich mit täglichen Entbehrungen, mit Verzicht auf angeborene Menschenrechte,' auf den freien Gebrauch meiner geistigen und körperlichen Kräfte erkaufen muß. Hier liegt vielmehr Glaubens druck klar vor Augen." „Machen Sie die Staats-Verfassung zur Wahrheit; sie ist es jetzt nicht. Sie spricht Glaubensfreiheit aus, und gestattet noch die Unterdrückung der Juden; sie will volle Gleichheit vor dem Gesetze und giebt sie den Juden nur rücksi'chtlich der Lasten und Pflichten. Gestatten Sie dieser Klasse von Menschen den freien Gebrauch ihrer körperlichen und geistigen Kräfte, sie wird dieselben zum Frommen Aller anwenden." „Machen Sie endlich einen großen Actj der Menschlichkeit, würdig Ihrer und unserer Zeit, Sie setzen sich dadurch ein ehrenvolles Denkmal, und die Erfahrung weniger Jahre wird das schöne Zeugniß, das, wie erwähnt, von der Rednerbühne aus, ein französischer Minister ihnen gab, vollständig bestätigen." „Ich votire für den Antrag des Referenten, und gegen den des Ausschusses." Abg. v. Closien. „Ohne dasjenige, was von andern Mitgliedern der Kammer angeführt worden ist, zu wiederholen, glaube ich, daß die Frage, ob die Kammer der Abgeordneten dieses Princip annehmen will oder nicht, aus die Frage hinausläuft: huldigt die Kammer der Abgeordneten dem Principe der Liberalität oder nicht? Worin besteht das wahre Princip der Liberalität? Darin, daß man den Menschen achtet nach seiner Würde, nach seinem göttlichen Ursprünge, ohne Rücksicht auf seine Verhältnisse im Leben. Die Folgen von diesem Grunde der Liberalität sind eine freie Entwickelung der Kräfte, wobei eine Einschränkung nur dann statt finden kann, wenn Mißbrauch eingetreten ist; — sonach Beseitigung aller Präventionsmaßregeln; statt deren Strafbestimmungen eintreten sollen;— reliIöse Duldung, welche in jedem Menschen einen Bruder sieht; und hierin stimmt der Grundsatz des Christenthums überein mit der Liberalität; — politische Duldung, indem man die, welche anderer Meinung sind, nicht anfeindet; vor Allem aber Gleichheit der Rechte, gleiche Ansprüche ohne Rücksicht aus Geburt, nicht nur indem nicht besondere Vorzüge den einzelnen Klaffen ertheilt, nicht einer derselben einzig und allein diese oder jene Stelle übertragen, sondern indem auch durch Geburt keine Nachtheile, kein privilegium odiosum begründet werden. Und was ist das Verhältnis der Juden anderes, als eine Folge der Geburt? Eine weitere Folge liberaler Gesinnungen, eine nothwendige Folge hievon ist der Grundsatz der Emancipation der jüdischen Glaubensgenossen. Diese Emancipation der Juden ist nichts anderes, als ein einzelner Zweig von der großen schönen Pflanze der allseitigen Entwickelung des Volkslebens, deren Pflege die Hauptsorge des Ministeriums des Innern seyn soll; eine Sorge, der es jedoch seit mehreren Jahren wenig nachgekommen ist." Der Abg. Schick. enhanz: „ Meine Herren, die Redner vor mir haben sich über diesen Gegenstand