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Der Jude · 1832-05-11 · Heft 3 (11.5.1832) · p. Seite 20

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 3 (11.5.1832)
Date
1832-05-11
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 X in München ein Verein der Israeliten, zur Unterstützung derjenigen, welche sich dem Ackerbau und den Gewerben widmen wollen, und hiezu nicht die erforderlichen Mittel besitzen." „Nach einer Mittheilung der königl. Staatsregierung an die Stande - Versammlung vom Jahre 1819 hatten sich damals bereits schon 252 jüdische Familien dem Ackerbau zugewendet, 169 jüdische Familien den Gewerben, und mehr als 839 Söhne israelitischer Eltern befanden sich als Lehrlinge und Gesellen bei Gewerben und Handwerken, so wie sich andere praktisch für die Landwirthschaft ausbildeten. — Nun ist es wohl möglich, daß noch nicht alle Juden sich auf gleiche Höhe der Bildung geschwungen haben; kann aber dieß ein Motiv seyn, alle auszuschließen, weil sich Einzelne unter ihnen befinden, die eine bessere Ausbildung wünschenswerth machen?" „Meine Herren, glauben Sie nicht, daß wenn der edelmüthige Geber unsrer Verfassung Aehnliches hätte berücksichtigen wollen,, wir 1818 keine Verfassung erhalten hätten? Denn so traurig es ist, so ist es doch Wahrheit, wenn ich sage, daß ein Theil der Nation noch wenig Empfänglichkeit für ein constitutionelles Leben hatte, ja jetzt noch nicht Alle das Heiligste der Nation erkennen. Erst bei dem Gegebenen schreitet man fort auf der bezeichneten Bahn, und nach und nach wird Alles empfänglich; so müssen wir auch da billig seyn, und ich bitte Sie, meine Herren, zu bedenken, daß die Forderung, die Juden sollten jetzt schon allen an sie gemachten Forderungen entsprechen, in's Reich der Unmöglichkeit gehört." „Abg. Dr. Schwindel. Die Religion allein, einzig allein die Religion ist das Hinderniß, warum man sie nicht Theil will nehmen lassen an der politischen Freiheit. Denn lassen sie sich nur taufen, und mit dem nämlichen Augenblicke haben sie volles Staats-Bürgerrecht. Ist aus dem Schelm ein Ehrlicher geworden, weil er Christ wurde, oder ist aus dem Ehrlichen, der aus reiner Ueberzeugung das Christenthum annahm, ein geschickter fähiger Staatsbürger entstanden? Ist durch die Taufe die Jmmoralität, de: Wucher, der Betrug, der Meineid verschwunden? — O Spiegel der Vorurtheile! — Leugnen wir es nicht, die Religion ist das einzige Hinderniß, welches sie noch zurückhält von dem Genüsse politischer Rechte. Daher glaube ich, daß wir im Sinne der Verfassung, welche ausspricht: Freiheit der Gewissen, Gleichheit des Gesetzes und vor dem Gesetze; darum, sage ich, handeln wir im Sinne und Geiste der Verfassung, wenn wir auf unbedingte Emancipatkon der Juden antragen. Die Religion darf und soll kein Hinderniß seyn; Haß, Leidenschaftlichkeit, Vorurtheile müssen schwinden. Wir können diese große Anzahl Staatsbürger nicht aus unserer Mitte verbannen, wir müssen sie uns aneignen, aneignen dadurch, daß sie hinfür gleiche Rechte bei gleichen Pflichten haben." »Ich stimme daher für die Meinung, welche der Referent Hr. Abg. Lang bereits Ihnen kund gegeben hat." — Der Abg. Cullmann: „Meine Herren! Sie haben heute eine Frage der religiösen Freiheit, eine Frage der Gerechtigkeit, ja der Menschlichkeit zu entscheiden." 1 „ Glücklich die Kammer, wenn sie diese Frage wirklich im Geiste der wahren Religion, im Sinne des Rechts, im Gefühl der reinen Humanität entscheidet. Es handelt sich von der bürgerlichen Gleichstellung derjenigen Klasse der Staatsbürger, die sich zum mosaischen Glauben bekennen. Die Frage ist die: Sollen dieselben, eben weil sie andern Glaubens sind als wir, und nur deßhalb fernerhin zurückgesetzt und fernerhin unterdrückt bleiben? Soll für sie keine andere Gleichheit als die der Pflichten und der Lasten bestehen? Soll bei ihnen nicht der Mensch, nicht der Nächste, den unsere Religion zu lieben uns gebietet, soll nur der Glaube berücksichtigt werden? Und sollen endlich jene an den Eingang unserer Verfaffungs - Urkunde aufgestellten Grundpfeiler, die mit den Worten: „Freiheit des Gewissens und des Glaubens, — Gleichheit vor dem Gesetze" überschrkeben sind, fortwährend nur auf bodenlosem Grunde stehen, oder als hohle, nichts sagende Scheingerüste erscheinen?" „Diese Fragen liegen in der Frage der Emancipation der Juden, die Sie durch Ihre heutige Entscheidung vorbereiten sollen." „Damals, wo bekanntlich selbst in den höchsten Regionen die zahllosen Opfer, die Deutschland, die alle Klassen der Staatsbürger an Gut und Blut ✓

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