Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 1 (2.4.1833)
- Date
- 1833-04-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 zu müssen geglaubt, ganz isolirt von der Anschauung der lebendigen Verhältnisse, Bedürfnisse und Gesurr nungen, die ihr Heil von der Anwendung des Prim zips erwarten. Sie haben es beinahe vergessen machen zu müssen geglaubt, um was es sich bei jener Anwendung eigentlich handelt, vielleicht, damit das besondere Vorurtheil nicht die Erörterung der allgemeinen Grundsätze trübe und verwirre: ein Verfahren, das man wohl klug nennen könnte, wenn es nur durchführbar, wenn nicht das Vorurtheil schmiegsam genug wäre, um sich in die oft nur zss weiten Fugen zwischen Grundsatz und Anwendung eirrzmw sten. Die Männer unseres Glaubens, die für die verletzten Menschenrechte der Glaubensgenossen in die Schranken traten, glaubten sich in der Regel aus dem lebendigen Mittelpunkte ihres Gegenstandes, zugleich dem Mittelpunkte der wärmsten Empfindungen und Hoffnungen der eignen Seele, heraus auf einen ganz allgenremenStandpunkt der Reflexion, der allerbesonderer» Theilnahme, aller Wärme, aller Liebe entbehrt, versetzen zu müssen; sie verbargen sorgfältig die blutenden Wunden des eignen Herzens, um nach dem Ruhme der Unpartheilichkeit zu streben. Diese Weise der Behandlung ist freilich eine nothr wendige, höchst achtungswerche, aber keine erschöpfende. Der Streit über Grundsätze, das Ringen nach Freiheit, muß allerdings mit den lebendigen, natürlichsten und legitimsten Interessen der Bildung, des Fortschreitenö, der bürgerlichen Existenz und Achtung, der Moralität und vor Allem der Religion und der religiösen Aufrichtigkeit — denn diese Interessen sind es eben, welche die Freiheit in Anspruch nehmen — in Verbindung gebracht werden, und, weit entfernt, daß sie dadurch erniedrigt würden, erhalten sie so -Made ihre rechte Bedeutung. Nur eine an Blödsinn gränzende Beschränktheit könnte uns hier den VorwWs einer egoistischen Tendenz machen: ein Vorwurf, der überhaupt bei den Be, strebungen nach Herstellung eures naturgemäßen billigen Rechtszustandes — z. B. bei dem Kampfe des Bürgerstandes gegen die Privilegs des Adels — keinen Sinn hat, am wenigsten aber in unserer Sache, wo der Egoismus so leichten Kaufes sich der Last entledigen kann, so daß das dem ganzen Streben zu Grunde liegende Moment durchaus ein rein moralisches ist. Wir haben daher in diesem Sinne und der Tendenz unseres Blattes gemäß demselben einen Titel gegeben, welcher neben den Grundsätzen, die es zu vertreten beabsichtigt, auch den Gegenstand, die Religionsparthei, die Menschen, die Interessen, für welche es die Anwendung jener Grundsätze in Anspruch nimmt, aufs kürzeste und bestimmteste bezeichnet; und dieser Titel hat, wie schon oben bemerkt worden, bei Mehreren, die unserer Sache übrigens herzlich Wohlwollen, einigen Anstoß erregt. Sie sagen, es sei so viel Gehässiges und Verächtliches an den Namen geknüpft worden, daß man ihn vermeiden müsse, um nicht unangenehme Beziehungen und Erinnerungen aufzuregen. Aber der Haß, der sich an den Namen zu knüpfen scheint, gilt er nicht im Grunde der Sache, den Menschen, und müssen nicht diese ihn bekämpfen utib von sich abwälzen, wenn er enden soll? Wenn ungerechter Haß an unserem Namen haftet, sollen wir ihn dann verläugnen, anstatt alle unsere Kraft daran zu setzen, ihn zu Ehren zu bringen? Und wenn gar dieser Name ein geschichtlicher ist, der nie, wie der Name eines einzelnen Unbekannten, fammt seiner Person vergessen werden kann? Wenn es derselbe Name ist, mit welchem wir unsere Weise der Gottesverehrung zu bezeichnen gewohnt sind und unsere Kinder sie. zu bezeichnen lehren, ein Name also, dem wir Ehrfurcht und Liebe schuldig sind, sollen wir ihn dann auch verläugnen Denen zu Gefallen, die ihn hasten und die seiner doch gedenken? Soll die Liebe sich vor dem Haffe verbergen? Soll die Göttin» aus feiger Furcht vor der Furie ihr Antlitz verhüllen? Soll nicht vielmehr da , wo der Haß die schmerzlichsten Wunden geschlagen, die Liebe ihre zärtlichste Pflege, ihre heißesten Segnungen sperwm? Wir lachen über die kindische Sitte unserer Vorfahren, dem gefährlich Erkrankten seinen Namen zu ändern, als würde ihn dann der Todes-Engel nicht wiederzufinden wissen. Sind wir nicht eben so thöricht mit unseren modernen, umfthrMenden Bezeichnungen? Glaubt mir, der Haß weiß ftinen Mann zu finden, so gut wie der Todes? Engel, und so lange er ihn