Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 1 (2.4.1833)
- Date
- 1833-04-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 welches selbst geeignet ist,, der Selbstsucht und dem Eigendünkel entgegen zu wirken, — wir wollen die Sacke einmal auf's schärfste fassen — ganz schutzlos prersgeben würden, indem wir es lediglich dem Urrheile Derer anheimsteüten, denen sein Bestehen gleichgültig, sein Untergang vielleicht ersprießlich scheint, so könnten wir uns allerdings einer Pflichtverletzung, der Verläugnung eines moralischen Gefühls, wir könnten uns einer Treulosigkeit schuldig machen. Wir würden hier etwas aufgeben, was nicht unser Eigenthum, was nicht etwas egoistisches, sondern ein Gemeingut Vieler, eine Quelle der Begeisterung und der Frömmigkeit für Viele ist. Und doch ist eine gewisse Annäherung an ein solches Aust geben — ich meine hier nicht das äußere, individuelle, sondern ein inneres, allgemeineres Ln Gesinnung und Gemüthsart — nur zu natürlich bei dem dumpfen Unmuth, den die langwierige Dauer einer langsamen Unterdrückung in solchen Gemüthern zu erzeugen pflegt, in welchen der feurige Enthusiasmus für positiven Glauben nicht mehr ein Gegengewicht gegen den unerträglichen Druck darbietet. Es war wirklich eine Zeit lang eine Richtung unter unseren gebildeteren Glaubensgenossen vorherrschend — und sie tritt uns in der Minderzahl noch jetzt häufig entgegen — die alles Heil darin suchte, den Namen „Jude" und Alles, was damit in Verbindung fleht, nur recht leise und immer leiser bis zur Unhörbarkeit auszusprechen, als würde so am Ende alles Unrecht, alles Leiden, aller Haß, die sich daran geknüpft, vergessen werden. Vergebliches Streben! Das Unrecht muß gesühnt, das Leiden muß abger walzt, der Haß muß überwunden werden, ehe sie aus dem Gedächtnisse verschwinden können. Empfindet etwa der Kranke seine Schmerzen weniger heftig, wenn er sie verschweigt, und auch die Anderen sie wenig zu beachten scheinen? Nein, aber die Heilung wird erschwert, wenn des Uebels Kenntniß dem Arzte vorenthalten wird. Ohne Arbeit wird kein Ziel erreicht, ohne Kampf wird kein Sieg erfochten. Verzeihung und Vergessenheit mögen nach errungenem Siege die Wunden heilen, die der Kampf geschlagen; aber so lange die Unterdrückung währt, muß auch der Unterdrückte ihrer gedenken, um mit ihr zu ringen , und der Unterdrücker muß streng und ernst an fein Unrecht gemahnt werden, damit er davon ablasse. Wenn aber ein allmähliges Vergessen und Einschlummern der ganzen Sache, wie es sich Manche in dunkeln Wünschen, die ihnen selber nicht zur Deutlichkeit gediehen, denken mögen, möglich wäre, so wären sie nothwendig durch ein Vergessen und Einschlummern des Gegenstandes selber, der den lebendigen Inhalt der Sache ausmacht, d. h. der Religion, bedingt. Wir wollen einmal von dem positiv religiösen Standpunkte, der jede Aussicht der Art an und für sich unmöglich macht, absehen und uns im Sinne einer rein menschlichen Ansicht fragen, ob dadurch für die Menschlichkeit Etwas gewonnen sein würde, wenn der Religionshaß erst mit der Religion aus der Welt verschwände? Es würde freilich das immer das kürzeste Mittel gegen alle Verfolgung und Bedrückung der Religion wegen gewesen sein und noch jetzt sein, wenn die Minderzahl sich dem Willen der Mehrzahl stets gefügt hätte. Aber eine solche Lösung des Zwiespaltes ist der Würde und der Bestimmung der Menschheit, sie ist menschlicher Sitte und Gesinnung nicht weniger, als dem positiven Glauben zuwider. Wollen wir den Leibenden, in welchem noch Kraft des Lebens und der Genesung wohnt, tobten, um ihn seiner Schmerzen zn überheben? Wollen wir dem fühlenden Herzen, um es der Thränen zu überheben, die es den Leiden der Menschen weint, das Mitleid mit der Wurzel ausreißen? Wollten wir der Fähigkeit, zu lieben, uns zu freuen, beraubt sein, damit uns kein Schmerz ^über einen Verlust, über eine Entbehrung treffen könne? Kurz, wollen wir in irgend einer Beziehung die Empfindung mit dem Leiden, das Leben mit dem Schmerze vernichten? Wenn wir aber in's Klare darüber gekommen sind, daß wir auch in Beziehung auf dte Religion nicht so verfahren wollen, so müssen wir auch Demjenigen, was wir ausrecht zu halten entschlossen sind, weil wir es als dessen würdig erkannt haben, Liebe und sorgsame Pflege, vor allem aber offene und ungescheute Anerkennung nicht versagen. Wir kommen hier auf den Punkt, worin es uns scheint, daß wir von manchen Anderen hauptsächlich abweichen. Andere nämlich haben bei der Behandlung der Emaneipationsfrage das abstrakte Prinzip allem erörtern 1*