Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1833)
- Issue
- Heft 1 (2.4.1833)
- Date
- 1833-04-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 schließlich Theilnahrne zu finden geeignet war, unter seinen Glaubensgenossen nämlich, manche Stimmen, und unter ihnen die Stimmen Einzelner, die er zu lieben und zu achten gewohnt ist, gegen den Plan, ganz insbesondere aber gegen den Namen derselben sich erheben hörte: einen Namen, den er aus dem einzigen einfachen Grunde gewählt, weil er ihm der bestimmteste und der kürzeste schien, um seinen Gegenstand zu bezeichnen. Durch den unerwarteten Anstoß, den sein Plan und dessen Bezeichnung' erregt zu haben schien, anfangs befremdet, hat er seitdem über diese Erscheinung und ihre Gründe vielfach nachgedacht, und glaubt nunmehr zu einer deutlicheren Erkenntniß derselben gelangt zu sein, die er seinen Lesern mitzutheilen versuchen will, damit sie über die Ansicht, die ihn leitet, über die Gesinnung, die bei seinen Arbeiten vorwaltet, so wie über die Ansichten und Gesinnungen, die sich ihm, übrigens auf die friedlichste und liebevollste Weise entgegenstellen, — indem sie den Bestrebungen nach dem gemeinsam erstrebten Ziele nur eine andere Form, eine andere Verfahrungsweise wünschten, — sich ein genügendes Urtheil bilden mögen. Es ist aber dazu die Anstellung mancher vorläufigen Betrachtungen, die Darstellung mancher Verhältnisse, die, von den Meisten empfunden, von Wenigeren klar gedacht werden, erforderlich. Eure Religionsgesettschast, deren Mitglieder ihrer Religion wegen unterdrückt werden, die durch die Befangenheit der Bekenner der herrschenden Konfessionen oft ungerechten und harten Urtheilen ausgeseht ist, befindet sich in einer zwiefachen Stellung, deren Erfordernisse manchmal in Widerstreit mit einander zu gerathen scheinen, und auf deren Ausgleichung und Versöhnung doch das Gedeihen der Gesellschaft, ihr Bestehen als das eines Ganzen, ihre verhaltnißmäßige, Einwirkung auf das Wohl und auf die Moralität ihrer Mitglieder beruhen. Wahrend nämlich eine herrschende oder doch gleichberechtigte Kirche sich nur in Beziehung auf sich selber zu betrachten gewohnt ist, und wenig darnach zu fragen pflegt, was die Genossen anderer Religions- Partheien von ihr, ihrem Glauben und ihrem Treiben denken mögen, so wird bei einer unterdrückten Glaubensgenoffenschaft jener inneren Beziehung zu sich selbst die Wage gehalten, ja sie wird nur zu leicht überwogen und läuft Gefahr, gänzlich in den Hintergrund gestellt zu werden durch tien steten Hinblick auf das Urtheil, die Auffassung und die SM; gung der Mehrzahl Andersglaubender. Es sei fern von uns, zu verkennen, daß ein solcher Hinblick große Vortheile mit sich führt, die wir auf keinen Fall entbehren möchten. Zst es doch eine alte Lehre, daß der einzelne Mensch nur durch das unparteiische, streng richtende Urrheil Fremder, die keine Gunst, keine Vorliebe für ihn hegen, zur Selbstkenntniß und zur Verbesserung seiner Fehler gelangen kann! Und doch — möchten wir wohl gerade den Menschen als den vollkommensten erkennen, und ihn als unfern liebsten Freund mit der vollsten Warme an unser Herz drücken, bei dessen Bildung und Entwickelung durch alle ihre Stufen hindurch die Liebe ganz mit ihren Göttergaben ausgeblieben, dessen Mangel sie nie mir ihrer milden Schonung bedeckt, bei dessen Vorzügen und Leistungen sie nie das süße Lächeln ihres Wohlgefallens unter die trockenen Mienen kalter Anerkennung gemischt? Werden wir gerade in ihm den Stempel der vollendeten Menschlichkeit mir aller der Milde und dem Wohlwollen, die sie erheischt, zu finden wahnen? Und wenn gar das fremde Urtheil, anstatt ein streng, aber unpartheiisch richtendes zu sein, ein feindselig befangenes ist, wird dann Derjenige, der sich einem solchen Urtheil in allen Augenblicken seines Lebens unterworfen sieht, nicht leicht eine falsche Richtung nehmen, indem ihn entweder der stete Widerstand trohig, oder das stete Nachgeben schwach und feige und unselbstständig machen wird? Und dennoch ist für den Einzelnen um vieles mehr Vortheil und weniger Gefahr selbst bei der unbedingten Unterwerfung unter fremdes Urtheil, als für eine Gesammtheit, insbesondere für eine religiöse Genossenschaft. Der Einzelne gewinnt immer, wenn er sich über die Bande des Egoismus,' über die Schmeicheleien des Eigendünkels erhebt; was er im schlimmsten Falle verlaugnet, ist doch, so viel es auch ist, immer nur seine Persönlichkeit, sein individueller Charakter, nicht ein geistiges Verhältniß, ein sittliches Bewußtsein, eine Pflicht. Wenn wir hingegen ein natürliches Band, welchem an sich^. schon eine moralische Bedeutung inwohnt, und