Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1832-1833)
- Issue
- Heft 1 (10.4.1832)
- Date
- 1832-04-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wir Sorge tragen, daß durch unser Beispiel, durch unsere Ausdauer der Wahn widerlegt werde, den Viele unserer Gegner hegen, und den Viele, die unsere Ansicht zu theilen vorgeben, durch die Leichtigkeit, mit welcher sie die herrschende Religion annahmen, gefördert haben, der Wahn nemlich, als sei das System der Aufklärung in der Religion eben nicht viel mehr als eine Erfindung des Egoismus, ein Erzeugniß des Bestrebens, sich das Verhaltniß zum Glauben möglichst bequem zu machen, alles Lästige, alles Beengende, was es etwa mit sich bringen könnte, möglichst fern zu halten. Wir sollen durch unser Leben zeigen, daß unser Glaube bei größerer Klarheit, bei geringerer Schatzung gottesdienstlicher Formen an Ernst und Innigkeit keinem nachsteht, daß wir das Höchste dafür zu opfern und zu dulden bereit sind; dadurch allein können wir unserer Ansicht Achtung erwerben und ihre Verbreitung fördern. Ich komme auf den zweiten Punkt, der den Inhalt dieser Zeitschrift ausmachen wird, auf das Streben nach rechtlicher Gleichheit. Hier ist die Einheit unserer gesammten Bestrebungen in die Angen fallend; wie verschieden unsere religiöse Ansicht sein mag, hier liegt der allgemeine Schmerz, die allgemeine Hoffnung. Es stehet dieses Streben, genau erwogen, mit unserer besonderen Religion in keiner unmittelbaren Beziehung; zu welchem Glauben wir uns bekennten, wir würden für dasselbe Recht mit denselben Waffen streiten. Dieselben Grundsätze, die Frankreichs Protestanten, die Englands Katholiken den Sieg verschafften, werden uns zum Ziele führen. Wohl aber steht jenes Streben in der innigsten Verbindung mit der Religion überhaupt, mit dem sittlichen Bewußtsein der Beziehung des Menschen zu einer höheren Welt, zu einem göttlichen Dasein. Wäre uns religiöse Wahrheit überhaupt gleichgültig, so würden wir den mühseligen Kampf längst durch ein leichtes Anschließen an den Glauben der Mehrzahl beseitigt haben. Wird uns doch ein Schwarm von Mode-Redensarten aller Art zur Beschönigung einer solchen Nachgiebigkeit von allen Seiten dargeboten. Das Bekennen eines Glaubens wird wie eine Förmlichkeit, wie eine Konvenimz angesehen, die man dem Staate erweist; ein System, das die edelste Freiheit des Menschen und mit ihr das Grundwesen der Sittlichkeit zu untergraben droht, wird ein durch Jahrhunderte geheiligter Rechtszustand, das Weichen vor offenbarer Gewalt wird eine weise Anerkennung historischer Nothwendigkeit genannt. All diesem trügerischen Wortgepränge, unterstützt von allen Lockungen der Selbstsucht und des Ehrgeitzes, steht, scheinbar schwach und einsam, der Glaube gegenüber; aber mit der inneren gebietenden Kraft gerüstet, sammelt er mächtige Trabanten um sich her, Ehre, Treue, Freiheitsliebe und Männerwürde, stark, um einer Welt der Uebermacht und der Verführung zu trotzen. Wenn uns auch nichts verbände, als der feste Wille, unsere religiöse Ansicht, welche sie auch sei, von dem reinsten Deismus bis zum innigsten Traditions-Glauben, in uns und unseren Kindern rein zu erhalten von jedem vernichtenden Einflüsse eines nicht religiösen Elements, von dem Götzendienste des Eigennutzes, so wäre es dennoch ein im höchsten Sinne religiöses Moment, das uns vereinigte. Daß es an der Zeit ist, die Frage der bürgerlichen Gleichstellung der Juden in Deutschland zur Sprache zu bringen, daß die erfreulichsten Hoffnungen für ihre glückliche Lösung vorhanden sind, wird selbst von Denen, die es vor einem Jahre noch in Abrede stellten, jetzt kaum mehr bestritten werden; denn es ist kaum ein Deutscher Staat, in weltfern bfe mindeste Hoffnung des Fortschritts, der leiseste Gedanke der Verbesserung lebt, wo nicht die Sache der religiösen Freiheit, die nur in den Personen der Juden in Deutschland noch gekrankt wird, im Laufe des vorigen Jahres zur Sprache gekommen, wo sie nicht allen Vorurtheilen, allen Täuschungen, allen Sophismen zum Trotz ihrem endlichen Siege um einen Schritt naher - gekommen wäre. Jeden dieser Fortschritte zu beachten, in jedem Augenblick dahin zu wirken, daß kein begonnenes Streben, durch Hindernisse abgeschreckt, unterbrochen werde, den sinkenden Muth, wo es Noch thut, zu beleben, jeder edlen Bemühung Anerkennung und Dank zu zollen, jeden in ein neues Gewand gehüllten Scheingrund, jeden Trugschluß der Gegner zu vernichten, ehe es ihm gelungen, in den Gemächern Platz zu gewinnen, wird unser fortwährendes Streben sein. Wie theilen die Meinung Derer nicht, die da sagen, die Anerkennung unseres Rechts werde, wenn das allgemeine Be-