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Der Jude · 1832-04-10 · Heft 1 (10.4.1832) · p. Seite 2

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1832-1833)
Issue
Heft 1 (10.4.1832)
Date
1832-04-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Ebenbilds Gottes als ein freies Wesen geschaffen, das ist sein Adelsbrief und seine Ehre; darum hat er ein Recht auf freie Entwickelung seiner Kräfte, auf ungehemmte Ausbildung seiner Menschlichkeit; darum ist es Sünde und Unrecht, LhmHiese durch Zurücksetzung und Ausschließung zu verkümmern. Wir wollen uns dccher zuvörderst über den Standpunkt verständigen, aus welchem wir das religiöse Element auffassen und es zu behandeln Vorhaben. Können wir etwa den gesammten Inhalt des Judenthums sofort durch eine bestimmte Anzahl fester Dogmen erschöpfen, die alle seine Bekenner wenigstens äußerlich anerkennen müßten? Wir machen darauf keinen Anspruch, und glauben auf diesen Anspruch verzichten zu dürfen, ohne dem Wesen unserer Religion zu nahe zu treten. Es giebt eine Einheit im Glauben, die der Prüfung und der Freiheit vorangeht; es giebt eine andere, die ihr nachfolgt. Die erste gehört e^rer niedrigeren Stufe der Entwickelung an, über welche die Menschheit sich erhoben; die zweite aber wird die Krone der vollendeten Menschheit sein. Zwischen dieser zwiefachen Einheit, zwischen diesen beiden Polen der Geschichte des Menschengeistes bewegt sich Ln rastlosem Streben der freie Gedanke, mannichfaltig Ln seinen Richtungen und in seinen Erzeugnissen. Wenn diese Mannichfaltigkeit unter den Bekennern des Judenthums ganz besonders scharf und ungezwungen hervortrktt, so sind wir sehr weit entfernt, diesen Zustand der Dinge, wie er Manchen erscheint, für einen verzweifelten zu halten; vielmehr sehen wir darin den nothwendigen Uebergangspunkt zu jener stärkeren, innigeren, tiefer begründeten Einheit, deren Gestaltung der Zukunft Vorbehalten ist. Die freieste (^twickelung des religiösen Bewußtseins muß uns dieser Einheit entgegenführen; jene muß daher vor allen Dingen behauptet werden. In unseren inneren Verhältnissen Order sie keine Hindernisse mehr. Weder das System, das an der überlieferten Lehre ohne Prüfung sesthält, noch dasjenige, welches der freien Forschung Alles unterordnet t- «6t irgend eine Gewalt aus, die ihm, abgesehen von seinem inneren Werthe und dem Bedürfniß der Geryüther, ein Uebergewicht Iverschaffen könnte. Wohl übertreten uns auch hier betrübende Hindernisse von außen, von Seiten der Staatsgewalt, entgegen. Von der einen Seite, gewöhnt, das religiöse Leben gewaltsam in die Fesseln des Herkömmlichen zu schlagen, beschränkt man die Freiheit des Fortschreitens auf eine willkürliche, launenhafte Weise; man nöthigt uns von Seiten des Staates zu der Ausübung einer Ceremonie, die durchaus, wie jede andere, der freien Ansicht des Einzelnen überlassen bleiben muß; man hat bekanntlich in einem großen Deutschen Staate sich nicht entblödet, den Juden Verbesserungen in ihren gottesdienstlichen Einrichtungen gewaltsam zu untersagen. Von der anderen Seite will man wieder die Sache der Aufklärung durch Einmischung der Staatsgewalt begünstigen; man giebt sich die Miene, als wolle man die Ertheilung gleicher Rechte, die an keine andere Bedingung, als an die Erfüllung gleicher Pflichten, geknüpft werden darf und kann, an die Abschaffung „gewisser Mißbräuche", an die Ablegung „gewisser Vorurtheile" knüpfen. Beide Arten der Einwirkung müssen mit allem Ernste zurückgewiesen werden, wenn nicht die Religion, wie die Aufklärung, darüber zu Schanden werden sollen; beide sind in gleichem Grade verderblich; jede am verderblichsten für die Sache, die sie föBern soll. Glaube und Vernunft bedürfen beide keiner Bundesgenossen niederer Art, und verschmähen sie; es hat ihrem wahren Siege, ihrer wahren Anerkennung immer geschadet, und wird ihnen immer schaden, wenn unlautere Einflüsse sich an ihre Seite stellen; sie werden befleckt von der unreinen Berührung und müssen den Haß und das Widerstreben theilen, die die unwürdigen Kampfgenossen hervorgerufen. So wie Der ein Verräther am Vaterlande ist, der in einem inneren Streit, und sei es für die beste Sache,' die Hülfe der Fremden anrust, so ist Der gewiß ein Verrather an der Wahrheit, der in einem Streit der Meinungen, und sei es für die richtigste, Gewalt und Eigennutz, die der Wahrheit ewig fremden, zu Hülfe ruft. Nur wenn alle unreinen Elemente ausgeschieden werden, kann der Streit religiöser Meinungen mit der Schonung, mit der Liebe, ttiit der frommen Achtung vor jeder gewissenhaften kleberzeugung geführt werden, die allein seiner würdig sind, die allein ein versöhnendes Ende, und vorher eine gegenseitige gerechte Würdigung hoffen lassen. Es scheint mir, daß das an den überlieferten Formen strenge haftende jüdische System einer solchen

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