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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-01-28 · 5 (28.1.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
5 (28.1.1925)
Date
1925-01-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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jüdische fugend! Erhalte Deine Mkglon jung! Wähle liberal! Breslauer Randbemerkungen: I. „Zionistische Würde". Dir Zionisten sprechen lm Wahlkampf viel von ihrer Würde. Cs ist unter ihrer Würde, auf diesen oder jenen Angriff zu antwarten. „Was ist nun zionistische Würde?" Gegnerische Wahlversammlungen werden g e st ö r t! Man verteilt geschlossene Gruppen von 15 bis 16jähriger Jugend im Saal, und auf das Zeichen eines älteren Führers wird applaudiert, gejohlt und gepfiffen. Gegen Andersdenkende wird tätlich vorgegangen. Nachdem der zionistische Redner in voller Ruhe angehört worden ist, werden andersdenkende Redner am Sprechen verhindert. Es wird verleumdet! Ein prominenter Führer. Herr Pr. Prager, verkündet mit-Pathos: ..Alle Judon, die mit dem Judentum verwurzelt sind, sind zionistisch. Die deutschen Juden sind dem Judentum entwurzelt, nur die Ostjuden wurzeln fest im Judentum." Es werden Bibelzitate falsch miedergegeh e n! Von den anwesenden Wählern wird ja doch keiner die Fälschung bemerken. Versammlungen werden gesprengt! Nicht zum ersten Mal. Entweder man singt das „Ehrhardt-Lied" (Hakenkreuz am Stahlhelms oder: „Deutschland. Deutschland über alles" oder: „Die zionistische Nationalhymne". Also zionistische Würde ist: Verleumdung des Andersdenkenden!! Mundtotmachung des Gegners!!\ Fälschen von Bibelzitaten'. II. „Handwerkertaktik in Breslau". In Berlin stehen die prominenten Führer des jüdischen Hand, werbs an sicherster Stelle auf der liberalen Liste. In Breslau erklärt der Vorstand des Vereins jüdischer Handwerker die Zionisten für die einzigen Verfechter wahrhaften 3ndentums. nachdem Liberale und Orthodoxe die Ausstellung von Handwerkerkanditaten abgelehnt haben sollen. — Sollen! Denn in Wirklichkeit hat man mit keiner der religiösen Gruppen verhandelt. Der Vorstand hat. ohne die Mitglieder zu fragen, sich für diezionistische Liste entschieden. Dafür erhalten die Handwerker den ..aussichtsreichen" 4. Platz auf der zionistischen Liste. Dafür müssen sie Mk. 800.— Propagandagebühren an -die zionistische Partei bezahlen. III. „Wahrhaft aufrechte Weltanschauung". 3m Gemeindeblatt empfiehlt der Vorsitzende des Handwerkervereins, die zionistische Liste zu wählen. Dieser Vorsitzende ist Mitglied des Contralverems. Dr. Ludwig Korn. Vorsitzender des jüd.-lib. Jugendvereins Abraham Geiger. Ein Märchen - aber doch kein Märchen. Don Isidor Borchardt. I. Das Märchen. Es war einmal ein Königreich, das war nicht sehr groß und nicht .sehr klein. Kösugreich^gah es Qiid> ein Heer. 3n diesem Heere aberkenne» jeder!Mipkm»nn iVPÄU»Kompagni<( befehlen wie er wollte. Darunter litt düs Heer, ntffr cS entstandet Plan, einen General über das Heer zu setzen, damit unter einheitlicher Leitung das Heer besser ausgebildet und leistungsfähiger und schlagfertiger würde. Aber die Hauptleut« wollten keinen General haben und sagten, das vertrüge sich nicht mit ihrer Ehre, und sie hätten nie einen General gehabt, und sie wollten sich auch jetzt keinen gefallen lassen. Und so blieb es beim alten. Man versuchte wohl noch von Zeit zu Zelt, die Hauptleute eines Besseren zu belehren und ihnen klar iu machen, daß ein Heer ohne Bedeutung wäre, das keine einheitliche Leitung hätte, und daß ihr Pochen auf rein äußerliche Autorität dem "Staate Schaden zufüge. Das aber half nichts, die Hauptleute blieben fest, und das Heer blieb ohne General. So ging es 25 Jahre lang. Da aber wurde das Königreich größer und größer, und es mußten neue Kompagnien eingerichtet werden, und da ging es nicht mehr anders, ein General sollte und mußte kommen, sonst drohte das ganze Herr zu zerfallen. Das Ministerium wählte einen General; den aber liehen die meisten Hauptleute nicht in ihre Kompagnien hinein, und da der General ein gewissenhafter Mann war, so wollte er nicht General bleiben, wenn er die Armee nicht in seiner Hand hätte, uub nahm seinen Abschied. Da suchte der Herr Minister einen neuen General und fand auch einen, und der Herr Minister glaubte sicher, diesmal würden ihn die Hauptleule anerkennen, denn der älteste Hauptmann hatte den General selbst vorgeschlagen. Da aber schrieben die Hauptleute — auch merkwürdigerweise der eben erwähnte mit —, daß sie dem neuen General nicht gestatten würden, ihre Kompagnien zu inspizieren. Den neuen General schreckten die Erfahrungen seines Vorgängers, und er wollte nun nicht sein Amt antreten. Da wollte der Herr Minister noch einen Versuch machen. Er lieh den General kommen und berief die Hauptleuia zusammen, und sie sollten sich ausfprechen. Die Konferenz fand statt; doch die Hauptleute blieben fest, und sie liehen sich nicht inspizieren. Der General war eine konziliante Natur; er sagte den Hauptleuten, er wäre ja selbst Offizier, und sie brauchten nicht zu besorgen, daß er sie in den Augen der Soldaten und der Bürger herabsetzen würde, aber er mühte doch in die Kompagnien hineinkommen dürfen, wenn die Leitung einheitlich und die Armee was wert sein sollte. Die Hauptleute aber sagten wieder nein, wie schon seit 25 Jahren, und da nahm der neue General seinen Abschied, noch ehe er den DeaM umgeschnallt hatte. Umd der Herr Minister? — Ja, ich weiß auch nicht recht, was der tat. Das eine aber weiß ich: Er tat nicht das, was er hier hätte tun sollen. Sei es, daß er sich nicht stark genug fühlte; sei es, daß er an seinen Ministerkollegen nicht den nötigen Rückhalt fand — jedenfalls tat er nicht, was hier nötig war. Und so ist in dem Königreiche öle Armee noch heute ohne General. ll. K ei n Märchen. Was oben geschildert worden ist, hat sich nicht auf dem Monde zugetragen, sondern in der Berliner jüdischen Gemeinde. Seit 25 wahren haben die zuständigen Stellen der Gemeindevertretung die Notwendigkeit erkannt, das Religionsschulwesen unter eine einheitliche sachkundige Leitung zu stellen. Dieser Plan ist daran gescheitert, daß die Herren Rabbiner sich weigerten, einen Inspizienten in ihre Schule kommen zu lasten. Die Frage der Inspektion ist brennender geworden mit dem starken Anwachsen der Gemeinde und mit der entsprechenden Vermehrung der Anterrichtsstationen. Die Gemeindebehörden wählten trotzdem einen Inspizienten, der aber unter den erwähnten Umständen schon nach kurzer Zeit sein Amt nieüerlegte. Die Gemeindebehörden wählten nun einen neuen Inspizienten. Doch der sagte ab. als die Herren Rabbiner (mit einer Ausnahme) erklärten, sie würden ihre Schulen (hinsichtlich ihrer Person sollte von jeder Inspizierung Abstand genommen werden) keiner Inspektion unterwerfen. Da sah der neugewählte Herr ein, daß unter diesen Umstanden seine Tätigkeit in der Berliner Gemeinde zur Unfruchtbarkeit verdammt sei. und zog die Konsequenz daraus. Vor der endgültigen Absage hat .eine Konferenz zwischen ihm und den Herren Rabbinern stattgefunden, die ungefähr so verlausen ist, wie sie unser Märchen, schildert. '• ' Was aber soll nun werden? — Die Sorge um unser Religionsschulwesen drMt mir die Feder in die Hand. Welcher selbstbewußte Mann wird Lust verspüren, unter solchen Verhältnissen das Amt eines Inspizienten des Berliner Religionsschulwesens zu übernehmen!/— Und doch geht es ohne einen solchen nicht. Es ist undenkbar, daß ein so umfangreiches Schulwesen daS Größtmögliche leistet ohne von einer sachkundigen Stelle dirigiert zu werden und ohne die Möglichkeit, daß der Leiter des Schul- Wesens in die Schulen hinelnkommt und sich von dem Stande der Dinge überzeugt. Jetzt hat der Gemeindevorstand das Wort. Er hat die Macht und muß sie gebrauchen, wenn anders unser Religionsschülwesen gesunden soll. Bevor die Gemeindebehörden wieder zu einer Wahl schreiten, müssen Klane. Verhältnisse geschaffen werden. Dann — aber nur dann — wird sich auch der geeignete Mann bereitfinden, das ehrenvolle Amt eines Inspizienten des Religionswesens in einer Gemeinde zu übernehmen, die fast die Hälfte der gesamten deutschen Judenheit umfaßt. _ Geschäftliche Mitteilungen. Und wenn einmal das Geld nicht reicht, kauft man bei Feder federleicht, dem bekanntesten und allergrößten Kredithause Deutschlands, dessen allzeit bewährtes und in weiten Kreisen beliebtes Teilzahlungssystem jedermann Gelegenheit bietet, auf Kredit unter leicht zu erfüllenden Zahlungsbedingungen einzelne Möbel, komplette Wohnungseinrichtungen, Polsterwaren, farbige und lasierte Küchen, Teppiche, Gardinen, Manufakturwar-en, Herren-, Damen- und Kinderbekleidung, Pelzwaren und vieles andere einzukaufen. 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Ein Wunder will ich Dir künden: Bald trägst Du das Hochzeitskleid!* Dos Mädchen blickte verwundert Aus feuchten Augen ihn au: ..Was sagst Du, versteh' ich Dich richtig. Bald bist Du, Geliebter, mein Monn?" Drum lieber Leser, merk Dir sein, Vertrau' auf Feder nur allein. Die Waren, die er bietet an, Gibt aus Kredit er jedermann. lind wirklich nach wenigen Tagen Bringt er ihr den Hochzeitsstrausi lind küßt glückstrahlend sein Liebchen - : „Jetzt ist die Wartezeit aus! - „Komm mir mir, wir gehen ins eigne Uns selber gehörig« Heim Und freuen uns unseres Lebens. Heut soll die Hochzeit sein!" Ungläubig folgt sie dem Liebsten, Wohin er sie eilig nun führt, Und staunend steht sie, verwundert, Die Fassung sie fast verliert. „Ach Liebster. Herzallerliebster, Wie ist das möglich nur. Wie kommen wir plötzlich zu Möbeln, Zu Teppich und Garnitur? „Der Wäscheschrank steht gesüllct, Selbst Kleider sehe ich schön» Anzüge, Mäntel, — was weiß ich —, Wie soll ich das alles verstehn?! Hast Du im Glücksspiel gewonnen? Hast günstig Du spekuliert? Beerbt eine reiche Tante? — Der Sinn sich mir verwirrt!" „Ach Liebste, Herzallerliebste, Wie glücklich bin ich heut! Die Welt, ich könnt' sie umfassen, Zurufen es allen Leut': „Auf Teilzahlung Hab ich's erstanden. Doch nenne ich's heule schon wein. Hoch lebe die Firma B. Feder, Ihr dank' ich mein Glück ganz allein. „Denn siehe, B Fcdcr gibt jedem, Der Bargeld nicht aufbringen kann, Kredit auf all' seine Waren, Die man kann abzahlen dann!" So wurden zwei Großstodtkinder, Die treu sich geliebt manches Jahr, Durch Feders Teilzahlsriftem nur Zum glücklichsten Ehcpaarl Man braucht mit Sorgen sich nicht quälen, Darf ruhig sich chas Peste wählen — Und wenn einmal das Geld nicht reicht. Kauft man bei Feder federleicht! Sonderangebot für den ramlllengebrauch Konkurrenzlos sind meine MWHm UsrmiWstll stark schäumend, 1 Liter 1 ö — 20 Waschungen. Weg mit dem schändlichen Schamponpulver. 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