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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-01-28 · 5 (28.1.1925) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
5 (28.1.1925)
Date
1925-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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s. Jahrgang Kummer 5 mm C * rVr Beitage 26. Januar 1925 Unser Kampf. Don Cmt Brieniher - Breslau. Das liberale Judentum wird am 1. Februar zeigen. Loh es in der Entscheidungsstunde die großen Massen der preußischen Juden hinter sich hat. Ueberall in Preußen, besonders in den Großgemeinden, in denen Kampflisten ausgestellt sind, haben die liberalen Wahlvereine durch Kundgebungen Anhänger, Gleichgültige und Außenstehende auf die Bedeutung der ersten Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden aufmerksam gemacht. Das Programm unserer Bewegung ist hinreichend bekannt. In dieser Zeitung sind die führenden jüdischen Organisationen, die auf liberalem Boden stehen, sind die Verbände, die den Centralvereinsgedanken vertreten, zu Worte gekommen. Diese Erklärungen zeigen den klaren Willen positiver jüdischer Arbeit nach innen und außen. Die Zionistische Bereinigung, der die Misrachisten angeschlossen sind, stellt ein Programm auf, das d i e aufrütteln sollte, die heute noch abseits und gleichgültig den Dingen des Judentums gegenüberstehen. Die Iüdisch-nationale Partei predigt gleiche Rechte für alle Richtungen im Judentum. — Das Auftreten in gegnerischen Bersammlungen aber beweist, daß sie Toleranz nicht zu üben vermag. Die Zionisten sagen den Wählern, daß die Zukunft des Judentums die „jüdische Tat" verlangt. — Wer in Breslau ihre Taten in d/er glänzend besuchten Versammlung, bei der Cohn-Dessau sprach, mit airsah, wendet sich entrüstet von ihnen ab. Das Verlangen, an dem Aufbau von Erez-Jsrael ideell und materiell mitzuarbeiten, stößt bei allen deutsch denkenden und fühlenden Gemeindemitgliedern auf energischen Widerspruch. Solange die Not unserer deutschen Juden unendlich groß ist. sollte kein Geld für jüdisch-kolonisatorische Zwecke geopfert werden. Die deutschen Juden haben die Pflicht, ihre Wohlsahrtsonstalten, Krankenhäuser und das Heer derer, die im Wirtschofts- Kampf der letzten Jahre unterlegen find, in würdiger Weise zu stützen. Die Forderung nach jüdischen Schulen lehnen wir ob! Die Zurückziehung der Jugend aus dem öffentlichen Leben bedeutet den Gang ins Ghetto! Mit großer Phrase wird verkündet, daß „jüdische Leistung, nicht Beteuerung", Achtung erzwingt. Wir sind der Auffassung, daß nur die religiösen Parteien im Judentum die Träger jüdischer Leistungen und Arbeit darstcllen. — Wir buhlen nicht, wie fälschlich behauptet wird, um die Anerkennuug unserer christlichen Mitbürger. Wir meinen aber, daß die deutschen Juden, die tapfer ihren allen, heiligen Glauben bekennen und treu und fest in ihrer deutschen Heimat wurzeln, bis tief in die Reihen der Gegner Achtung finden. Mit Begeisterung und Hingabe steht das liberale Judentum auf dem Boden Geigerscher Anschauung. Durchdrungen von der Wahrheit seiner Lehre führen wir das Werk der Wiedererweckung religiösen Lebens. Als Träger religiöser Erhebung erfassen wir die Herzen der Jugend, bahnen wir die Wege zu freier Gestaltung jüdischen Lebens! Wähler! Gebt die Bahn frei für das liberale Judentum! Wählt liberal! Heuchelei. In brr Wahlnummer der „Jüdischen Rundschau" hat der unseren Lesern sattsam bekannte Lehrer Steinhardt-Magdeburg sich sehr darüber erbost, daß die Liberalen ihrem Gewissen folgen und .chie Speifegesetze im Namen des religiösen Juden- ,tums" bekämpfen.! Da dürfte es nicht pharisäerhaft sein, wenn wir folgendes feststellen: Herr Steinhardt ist ein Mann, der sich selbst über die Speiseaesetze hinwegseht, der, wie'im ganzen Wahlkreis Sachsen dekannt ist, trefo ißt, an Sabbath und Festtagen schreibt und fährt. Formen, denen man persönlich nicht den geringsten Wert beimißt, hebt man für die Zwecke der Wählerschaft in den Himmel. Bisher galt im Judentum immer der'Grundsatz, daß das jüdische Wort mit der jüdischen Tat übereinzustimmen habe. Leute, die anders handelten, nannte man Heuchler. Auf der Liste der konservativen Partei in Berlin, die für die Erhaltung des Judentums in der von den Vätern überkommenen Gestalt eintritt und kein Tüpfelchen von den im Laufe des Mittelalters entwickelten Gebräuchen und Formen opfern will, stehen: Siegbert Seckelsohn, Makler in Berlin, am Sabbath auf der Börse zu finden, in Wertpapieren handelnd; er tritt für dir Sabbathruhe der anderen ein. David Wolpe, Vorsitzender des orthodoxen Verbandes sämtlicher Synagogenveroine, am lehben Aausch-Aaschono in der Synagoge Fasanenstraße zu finden: seine Partei tritt für den r^iigiös-traditionellen Gottesdienst ein und bekämpft Chor und Orgel. JustizratDr. Werner, Rechtsanwalt in Berlin, an den hlchen Feiertagen manchmal in 'einer orthodoxen Spltttersynagoge schwärzester Richtung zu finden, allerdings meist nur auf sehr kurze Zeit: im übrigen als thoratreuer Kandidat seinem Beruf auch an den hohen Festen nachgehend. Im Landesverband will er gegen die Reforinbestrebungen und für unbedingte Bindung an das Aeliglonsgeseh und dessen Vorschriften eintreten. Bisher galt im Judentum immer der Grundsatz, daß das jüdische Wort mit der jüdischen Tat übereinzustimmen habe: Leute, die anders handelten, nannte man Heuchler. \ * Auf der Liste der konservativen Partei in Breslau, die für die Erhaltung des Judentums in der von den Vätern überkommenen Gestalt eintritt und kein Tüpfelchen von den im Laufe des Mittelallers entwickelten Gebräuchen und Formen aufgeben will, steht Frau Rabbiner Dr. Ernestine Eschelbacher in Berlin. Auf der Liste der Mittelpartei in Berlin, die für die Lebenserneuerung des Judentums eintritt und deren Führer Dr. Weiße feststellt, daß man ohne Konzessionen an das Leben nirgends fertig werden kann, also auch Altes aufgeben muß, steht dieselbe Frau Rabbiner Dr. Ernestine Eschelbacher in Berlin. Bisher galt im Judentum immer der Grundsatz, daß das jübliche Wort mit der jüdischen Tat übereinzustimmen habe. Leute, d« anders handelten, nannte man Heuchler. * Herr Zahnarzt Dr. M. Lipschitz, der liberale Repräsentant, schreib! uns: Vor'einigen Jahren — es war am Gründungsabend des Synagogenvereins Lützowstraße — hatte ich ein Gespräch mit Herrn Rabbiner Dr. Weiße über die Berechtigung des Liberalismus im Judentum. Herr Dr. Weiße lehnte hierbei den Entwicklungsgedanken für die jüdische Religion ob. Für ihn gäbe es nur eine Entwicklung bis zu Zacharias Frankel (Breslau). Zu meiner großen Verwunderung, zugleich aber auch zu meiner Freude, lese ich in der Ar. I der „C. V.-Zeitung" vom 16. Januar 1925 in einem Aufsätze des Herrn Rabbiner Dr. Weiße: „Wir hegen die höchste Verehrung und die tiefste Dankbarkeit für die allen frommen Geschlechter, die uns durch gewaltige Opfer das Judentum und damit die Judenhcit erhalten haben. Aber als moderne Menschen stehen wir auf dem Boden der Ent- Wicklung und wir können dieses Entwicklungsprinzip auch auf demGebietderAeligion nicht verleugnen. Da die hier angeführten Anschauungen mit den Anschauungen des jüdischen Liberalismus vollständig übereinstimmen, gibt es nur ein nut-aut. Entweder war die erstere Anschauung die ureigenste Ansicht Dr. Weihes. Dann stand es chm frei, für seine Idee einzutreten und zu werben. Da er aber seine Anschauung geändert hat und nunmehr den Entwicklungsgedanken — ein 'Grundprinzip des jüdischen Liberalismus — vertritt, muß Herrn Dr. Weiße das Recht augesprochen werden, auf Grund dieses (liberalen) Programms eine neue Partei, die sogenannte Mittelpartei, ins Leben zu rufen. Wer nicht konservativ oder zionistisch gesinnt ist, muß daher am 1. Februar den liberalen Kandidaten zum Siege verhelfen. Die Mittelpartei gibt es nur für Herrn Dr. Weiße und seine irregeführten Anhänger. ★ - ■ Bisher galt int Judentum immer der Grundsatz, daß das jüdische Wort mit der jüdischen Tat übereinzustimmen habe. Leute, die anders handelten, nannte man Heuchler. * Ein jüdisch-nationales Wahlflugblakt (Jüdische Dolkspartei oder Zionisten) meint, es gälte Männer und Frauen zu wählen, die für die Pflege religiösen Lebens im Sinne unserer Tradition eintreten. In allen Aepräsentantenstuben sind die Nationaljuden aus nationalen Gründen mit den Orthodoxen Seite an Seite für die Beibehaltung überlebter Formen eingetreten. Besonderen Wert haben sie auch auf die Speifegesetze gelegt. Als man jüngst die große Wahlmache veranstaltete und Herrn Weizmann dem jüdischen Wähler in allen Amtszimmern der deutschen Republik zeigte, veranstaltete man auch Festzusammen- Künste in den Hotels Adlon, Esplanade und Kaiserhof. Wir stellen fest, daß bei diesen Zusammenkünften, wie uns auf Anfrage mitgeteilt worden ist, die Vorschriften der jüdischen Speisegesetze nicht beachtet worden sind. Die Beachtung dieser Vorschriften fordert man ja auch nur in der Theorie, um den ahnungslosen Wähler zu täuschen. Bisher galt im Judentum immer der Grundsatz, daß das jüdische Wort mit der jüdischen Tat übereinzustimmen habe. Leute, die anders handelten, nannte man Heuchler. Wer nicht will, daß f>ic- Heuchelei im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eine Stätte hat, wer ehrlich mit seinem Gotte ringt und den Kern der jüdischen Religion von der Schale getrennt haben will, der gebe seine Stimme den liberalen Kandidaten! Kalendarium für die Zeit vom 31.1. bis 7.2.1925 Aan./Febr. 1925 Schebat 5655 Sonnabend ZI. 6. Wochen-Abschnitt: Bau (2. 2>. M. Kapitel 10-13,16) Haftarah: Jeremia Kap. 46,13-46,27 Sonntag 1. 7. Monlag 2. 8. g. Dienstag 3. y. . §9l\ Mittwoch 4. 10. Donnerstag 5. 11. ’ Freitag 6. 12. Sonnabend 7. 13. Wochen-Abschnitt- Äeschallach (2. 25. M. Kapitel 13,17 -17,16) Haftarah: Richter Kap. 4--4,24; 5,1 -31 gefertigt in unJjkc&n enifa&dhi in 'ßjezug auf Pnßfotm, Üeaans und (Jute (Hb# den x^tx/jöhnhsten Ansuchen -und i# cbüL^j&cft piHsweci Srnüfeirig^-Anzüge. SWteflon-u .liidihümiugamjxof# rvm, 140.', 110.- m ■ 95.- ^tmk-'Anaige, §ou!e. «-^150.-,130.- OTtel<oa und Tüchhamjn^atn ' > 95.- HetuVck-AnLugL 130.' pxüna(iüc)^jQ;mmaaai -110." %end-3teuge,(füuu-,Jtazuiäe) 130.-, 95.- prinuiTReltou.^Cinimjgam 77- ^rack-VJej&n., 'UlaffchCipS Qxüaway und 'Uießen, icnwa$*ep.und macenga Qk&Aat 9Ttfc. 77.-, 65r_, 56: rmfe 14.50,9.50 m- 6.50 22: 20; ‘Jmck-'Weffeu, •S.eudßndps

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