Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus -en Gemeinden. Bergzabern (Pfalz). In den hiesigen SynagogenauSschuß wurden die bisherigen Mitglieder sämtlich wiedergewählt, und zwar: Jakob Frank als Vorstand, L. Rosenberg und B. Machol als Synagogenräte. Emil Mannheimer und Ludwig D r e y f u h sind Ersatzleute. Berlin. Am 4. unk 5. Januar 1925 fand auf Beschluß des Ausschusses im Amtszimmer der Synagoge Lützowstraße zu Berlin eine Sitzung statt, in der die lebenswichtigsten Fragen des Kantorenverbandes besprochen wurden. Die Leitung übernahm an Stelle des nicht erschienenen Borsitzenden Fabisch-Göttingen. der bisherige Schriftführer 3. B. Levy-Frankfurt o. M. ES wird mit Bedauern und unter Dank für seine bisherige ersprießliche Tätigkeit Kenntnis davon genommen, daß der Kollege Fabisch mit Schreiben vom 17. Dezember 1924 sein Amt als Borsitzender niedergelegt und seinen Austritt aus dem Ausschuß erklärt hat. Die Tätigkeit deS Verbandes ist in den letzten Jahren unter dem Druck der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse stark gelahmt worden. Die Anwesenden sind nach reiflicher Erwägung nichtsdestoweniger zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Organisation der Kantorcnschaft Deutschlands aus kulturxllen und fachlichen, nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen einen bedeutsamen Faktor für die deutsche .Zudenheit, den Gottesdienst und für den Stand der Kantoren darstellt. Aus dieser Ileberzeugung heraus sind die anwesenden bisherigen Ausschußmitglieder entschlossen, den Verband unter Weiteroerfolgung seiner bisherigen Ziele, nach feiner ollen Devise „Aufwärts und vorwärts" wieder zu beleben und weiter auszubauen. Es soll dahin gestrebt werden, unter der Fahne des A. D. K. V. die gesamte deutsche Kantorenschaft zu sammeln und für daS Fach und den Stand diejenige Begeisterung wieder zu erwecken, wie sie bei Begründung deS Verbandes und unter bewährter Leitung lange I?.hre bestanden hat. Mehr denn je bedarf eS heute, beim Wirvaufiniu, der Mitarbeit aller. Zu diesem Zwecke haben die Unterzeichneten Ausschußmitglieder den geschäftsführenüen Ausschuß neu gebildet. Bis zur endgültigen Wahl durch die baldigst cinzubcrüfende Generalversammlung übernehmen den Vorsitz 3. B. Levy-Frankfurt a. M.» die Stellvertretung Hermann Zivi-Elberfeld, die Schriftleitung S. Gullmarrn-PotSdam, die Kassenführung Felix Asch-Berlin. Der Ausschuß erachtet als feine Nächstliegende wichtige Aufgäbe die Aufstellung der neuen Mitgliederliste und fordert hiermit 'nachdrücklichft alle BerufSgenossen auf. ihre bisherige Migliedfchaft zu bestätigen bzw. ihre Reuanmelüung zu Händen des Kollegen Felix Asch, Berlin W 30, Schwäbische Straße 18, zu bewirken. Weitere Gegenstände der Besprechung waren: 1. Die Durchführung einer richtigen Eingruppierung -eä Kantors und Regelung der Anstellungsverhältnisse. 2. SHc Ausbildung deä Kantors im Hinblick auf die Neugestaltung der Lehrerausbildung. 3. Die Wiederbesch affung eines FachorganeS. 4. Die einstweilige Festsetzung des Mitgliederbeitrages für das erste halbe Jahr 1925 in Höhe von Mark 5,— (einzusenden an den Kollegen Asch, Postscheckkonto Berlin 2lW 7, Nr. 139 534). Der Ausschuß gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen möge, unter Teilnahme und Mitarbeit der gesamten deutschen Kanchrenschaft eine neue Aera deS BlühenS und Gedeihens herbsizuführen. Berlin. Am Sonntag, den.11. d. M. fand das Berbandsspiel zwischen dem F.-E. Rot-Wiß amd S.-C. Hakaab auföeS - «rffer en 'Platz statt und endete mir einem Sieg von 1:0 für Hakoah'' DaS* Spiel, das sich durch SchuelligkÄL äuszetchnete, war sehr adwechslunosreich und ist nicht nur. durch bä Schnelligkeit heä Halbrechten Heini Goldhammer gewonnen worden, der einen scharf auf das Tor gegebenen Ball, welchen der Torsteher aus seinen Händen fallen ließ, noch rechtzeitig einsenden konnte. Der Sieg des Hakoah war verdient. Rot-Welß II—Hakoah 0:5 (0:0). Hakoah war jederzeit überlegen und führte das Spiel. Bis Halbzeit war der Sturm schlecht und konnte sich nicht wsammenfinden, nach Halbzeit war das Zusammenspiel ein besseres und konnte zu obengenanntem Steg führen. Beverungen (WefifI Lina vandalische Tat wurde auf dem hiesigen israelitischen Friedhof verübt, indem sieben Grabdenkmäler demoliert wurden. Die Polizei hat auf die Ermittlung der Täter eine namhafte Belohnung ausgesetzt. Bonn. Rabbiner Dr. Emil Cohn (als Dichter unter dem Pseudonym Emil Bernhard bekannt) übernimmt am 1. April ein Rabbinat in Berlin. Losfel. Den dritten jüdisch-rvissenschaftlichen Vortrag hielt Dr. Karl Ritter, der im Laufe deS letzten Winters wiederholt auf literarischem Gebiete hervorgetreten ist und demnächst unter dem Motto „Vier GestaltungSLbende — Jüngste Dramatik" seine Hörer mit den Werken von Lauckner, Sternheim, Toller u. a. bekannt machen will. Diesmal galten feine Ausführungen den „Juden in der jüngsten deutschen Dramatik". Insbesondere hatte er sich die Aufgabe gestellt, drei jüdische Dichter — Kornfeld. Werfel und Becr-Hofmann zu charakterisieren und durch Proben aus ihren Werken mit der Eigenart ihres Wesens vertraut zu machen. Das Grundmotiv, das die drei Dichter in „Himmel und Hölle", „Spiegelmensch" und „Jakobs Traum" mit geringerem oder größerem Erfolge behandeln, ist daS Leid. Beer-Hofmrnn, der dem biblischen Stoff den schuldigen Tribut zollt, darf sich wohl a!S der relativ glücklichste Bearbeiter deS Problems betrachten, wenn auch fein Produkt nicht als vollendetes Drama zu betrachten ist. wie wir uns überhaupt mit der Talsar. c abzufinden haben, daß daS Judentum keinen wirklichen Dramatiker für sich beanspruchen kann. Der Vortrag der literarischen Prckben und die Analyse der Wesensart jedes einzelnen Poeten zeugten von inniger Vertrautheit mit der Materie und geschmackvoller Interpretation der neuzeitlichen dichterischen Schöpfungen, denen die Zuhörer lebhaftes Interesse entgegenbrachten. Lafsel. Vor Iahressrist wurde hier eine „jüdische Bcerdigungskasie" gegründet, die vorigen Sonntag ihre erste Mitgliederver- Sammlung abkiell. Die Kasse verfügt nach dem Bericht d«S Vorsitzenden Willi Engelbert über ein Kapital von fast 1000 Mark, die zinsbringend angelegt sind. Außerdem sind auch Materialien angeschafft worden. Für den auä dem Verwaltungsausschuß ausscheid^rden Ludwig Kahentteiu wurde Dr. Ernst Plaut in den Ausschuß gewählt. Die Altersgrenze für Aufnahmen wurde auf 75 Jahre festgesetzt. Im Aller von 60 biS 65 Jahren sollen neuhinzutr elende Mitglieder Anspruch auf drei Viertel der Beerdigungskosten erhalten: bei Lenken von 65 bis 70 ermäßigt er sich auf die Hälft«, bei denen von 70 bis 75 auf ein Viertel der Beerdigungskosten. Herr Fiorino sprach nach Annahme der Satzungsänderungen, dem Verwaltnngsausschuß für feine Tätigkeit besonderen Dank aus. Hersfeld. Der in der Rächt vom 5. auf den 6. November erfolgte Einbruch in die Synagoge zu Hersfeld fand am 14. Januar vor dem Casseler großen Schöffengericht seine Sühne. Wegen Kirchenschändung wurden verurteilt: Ing. Erich Götze aus Hersfeld zu 10 Monaten, der Agent Paul Gotting aus Hersfell) zu 8 Monaten, der Angestellte Georg Reinmöller auS Hersfeld und der Bankbeamte Ernst Thilow aus Niederaula zu je 5 Monaten Gefängnis. Mannheim. Die hiesige israelitische Gemeinde hat ein Haus auaelai ' kräftigen Antrieb erfahren wird. Außer den für die Verwaltung^ erforderlichen Räumen werden in dem Gebäude Räume geschaffen werden, die Lehrzwecken, Abhaltung von Kursen dienen könneu. ferner ein größerer Vortragssaal. Dadurch wird die Gemeindeverwattuog viele berechtigte Ansprüche, die seitens der aen Vereine, insbesondere der Iugendvereine» an sie gestellt n, erfüllen können. Von großer Bedeutung ist dos dazugehörige Baugelände, daS die Möglichkeit zur Erbauung eines längst notwendigen weiteren BetfaaleS geben dürfte. Die Kosten werden durch ein von der Gemeinde aufzunel-mendeS Auiehcn gedeckt, das erfreulicherweise zu erheblichem Teil von Gemeindemitglledern selbst aufgebracht wird. München. Anschließend an unsere Nachricht über die Gedenkfcier für gefallene jüdische Krieger entnehmen wir der „Bayerischen StaatSzeitung" in München folgenden Bericht: Die israelitische Gemeinde in München weihte am Sonntag ihren im Weltkrieg gefallenen Glaubensgenossen einen eigenen Gedenktag, der eingeleitet wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in der hell erleuchteten Synagoge. Nach einem weihevollen Chorgefang hielt Nabbiner Dr. Baerwald eine zu Herzen gehende Predigt. Nach einem Gebet verfügten sich die zahlreichen Tellnchnier, darunter viele Offiziere sowie Fahnenabordnungen der studentischen Verbindungen Thuringia und Likaria, außerhalb der Synagoge, um der Enthüllung der an der Südwestwand der Kirche angebrachten Gedenktafel beizuwohnen. Rechtsanwalt Dr. Werner dankte als Vorsitzender deä Bundes jüdischer Frontsoldaten allen, die an dem Zustandekommen deS Denkmals mitgewirkt haben, insbesondere dem Schöpfer, Bildhauer Arnold Zadikofs. Das Denkmal soll bekunden, daß die jüdischen Soldaten gleichwie die anderer Konfessionen ihre Pflicht gegenüber dem deutschen Vaterland erfüllt haben. Rach der Enthüllung übernahm Geh. Iustlzrat Dr. Frankenburger die Gedenktafel in die Obhut der Gemeinde. Mit Chorgefang fand der ernste eindrucksvolle Festakt seinen Abschluß. Die Gedenktafel zeigt im oberen Teil einen altlestamentlichen Löwen, darunter sind die Worte eingemeißelt: „Seinen im Kampf für daS deutsche Vaterland gefallenen 177 Münchener Kameraden zum ehrenden Gedenken, Bund jüdischer Frontsoldaten." DaS Ganze ist in rötllchem Avtersberger Marmor ausgeführt. Im Anschluß, an. den Festakt in der Synagoge erfolgte im neuen israelitischen Friedhof in Schwabing die Einweihung des Kriegerdenkmals für die 177 Gefallenen der Münchener Kultusgemeinde. Dieses.besteht in einem großen rechteckigen Marmorblock, an dessen Langfeiten Steintascln die Namen der Gefallenen tragen; an der oajuwlseite des Forums erbebt sich ein mächtiger, von vier Löwen getragener Sarkyphagstein mit Stern und. Schwert Davids und den Worten: „Den Gefallenen" und einem Bibelspruch ln hebräischer Sprache. Das imposante Denkmal ist -van Diplomingenieur Fritz Landauer entworfen und von Bildhauer W. S. Resch und der Steinmetzfirma Eder & Grohmam, auSgeführt. Zur EinweihungSfeier halten sich Prinz und Prinzessin Leopold, General Walther von Walderstötten, Vertreter deS Kultusministeriums, des Reichstags, der Stadtgemeinde und zahlreicher Korporationen eingefunden. Rabbiner Dr. Baerwald nahm die kirchlichen Zeremonien der Einweihung vor. worauf OberlandesgerickkSrat Reumayer, Vorsitzender der Gemeinde, den Gästen für ihr Erscheinen und allen Mitarbeitern an dem prächtigen Denkmal Dank sagte. Auf ein Zeichen deS Prinzen Leopold fiel die weißblaue Hülle; die Musik deS Pionierbataillons Rr. 7 spielte die weihevolle Weise vom guten Kameraden. Im Auftrag des Kronprinzen Rupprecht legte General Walther von Walderstötten einen mächtigen Lorbeerkranz mit weißblauer Schleife am Denkmal nieder; weitere Kränze wurden gewidmet von Rechtsanwalt Dr. Werner für den Bund jüdischer Frontsoldaten, vom Bayerischen Kriegerbund, von den Verbindungen Likaria, Thuringia und Iordania, der Ortsgruppe Regensburg des Bundes . ...... . jüdischer Frontsoldaten, der Gesellschaft Concordia und der jümrbst «»stoßendem Baugelände erworben. ES ist zu erwarten. Bürgerschaft. Mit Chorgesapg schloß Ae eindrucksvolle dmch diesen Neuerwerb daS jüdische Leben in hiesiger : . ’ ' r Ein verpfuschtes Leben? Heiteres aus dem Tagebuch eines jüdischen Kämpfers. Von Artur Schweriner- Barlin. Wandelhalle Bad Kissirigen 1924. Gr: Wissen Sie noch, wie wir vor 20 Jahren in Lippe gegen den Antisemitismus gekämpft haben? Ich: Ich weiß. Er: In der Jugend hat man noch Ideale. Heule bin ich glücklich, daß id) rechtzeilig Schluß gemacht habe. Ich habe ein guleS Geschäft (öffnet ein dreiteiliges Medaillon), eine liebe Frau. Ich: Eine entzückende Frau . . . Er: Einen zwölfjährigen Jungen und ein zehnjähriges Mädchen — zwei bildhübsche aufgeweckte Kinder ... Ich: Ganz der Valer. Er: lind lebe mit meiner Familie in schönster Harmonie. Jetzt mögen andere kämpfen! — Welche Branche haben Sie? Ich: Ich kämpfe immer noch. Ich war usm. und ich bin heule usw. Er: Alle Hochachtung, aber — nehmen Sie cs mir nicht übel — vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist Ihr Leben als Kämpfer doch . . . ein verpfuschtes Leben. 1. Am ’2. Dezember 1911 erhielt ich folgenden Brief: Detmold, 1. 12. 1911. Lieber Freund! Wir sind hocherfreut darüber, daß wir, wie vor fünf Jahren, auf Deine Hilfe im Wahlkampfe rechnen können. Das macht Deinem Idealismus und Deinem guten Herzen alle Ehre. Deine Bedenken in der Richtung» daß Du in diesem Jahre iiidH so gut der liberalen Ead)c wirst dienen können, weil (Le Konservativen zugunsten eines Christlich-Sozialen (Bürstenmacher .Kuhle mann. Schriftl.) verzichtet haben, sind hinfällig. Wenn sie es wagen sollten, i n L i p p e in R g d a u a n ti s e m i t i s m u s zu m a ch c n, d a n n bist Du doch eigentlich der Berufenste, die Leute in die Schranken zu, weisen. Aber man wird sich sein säuberlich hüten! Bei uns ist Galt sei Dank der Antisemitismus unpopulär. Du kannst gleich von Berlin aus in die erste Versammlung fahren. Wo "sie staltsindct, teilen wir Dir nod) mit. Herzlichen Gruß! Dein St. Was war mein Freund für ein Optimist! Kaum hatte idi weine rednerische. Tätigkeit im Wahlkampfe begonnen, brachte die „Lippische Tageszeitung", das offizielle konservative Organ, eine „B r i e f k a st e n n o t i z": Zwei Wettende in B. . . . Der Reumann-Hofersche Agitator Artur Schweriner ist I u d e. 3d) merkte die Absicht und wurde nicht verstimmt. Nun gerade! Und als auf der ersten liberalen Tagung die Notwendigkeit betont wurde, die christlich-sozialen WahrheitSritter nicht allein zu lasten, meldete id) mich als Freiwilliger, allabendlich Wortführer. Gleichgesinnter in den antisemitischen Versammlungen zu sein. ll. Tintrup. Ein kleines Bauerndör scheu in der Nähe der „Hexenstadl" Lemgo. Schneetreiben. Wegweiser verschneit. Mit dem Rade bergauf, bergab. Keine Menschenseele, die einem hätte Auskunft geben können! Endlich — ein Wagen! Halt! „Wo geht eS hier nad) Tintrup?" „Was sagt man dazu? Sie, Herr Schweriner, bei solchem Wetter auf der Landstraße? DaS haben Sie nötig gehabt! Ich muß! Aber Sie?! Stellen Eie ihr Rad hinten raus! Bis vor daS Dorf können Sie mitkommen!" Rauf aus den durch ein überragendes Dach einigermaßen geschützten Kutschersitz! „Was mad)en Sie jetzt in Berlin? Gestern haben wir noch in Salzuflen von Ihnen gesprochen! Sind Sie noch Lehrer?" „Rein — Journalist am Reichstag. Herr Silberstein!" „Haben Sie das nötig gehabt? Journalist! A u ch ein Beruf! Sie glauben nicht, wie die Kinderchen noch an Ihnen hängen! Jetzt ballen Sie im Ratskeller sitzen und einen bekoweten Skat spielen können! Einen netten 9tad>folgcr haben wir da bekommen. Am Sukkoth hat er über Schebuoth gepredigt! Meine Frau — Sie wissen doch nod), die Sie immer begleitet hat. wenn Sie „Tom, der Reimer" von Schubert gesungen haben . . ." „Von Löwe!" „Meinetwegen von Löwe! Meine Frau findet sich in den Musikern aus und id) in den Fellen! Ein Glück, daß es nicht umgekehrt ist. sonst müßten wir verhungern! — Wenn Sie bei uns Lehrer geblieben wären, hüllen Sie jetzt in der warmen Stube singen können bei Tee und Gebäck!" „Ist Ihr neuer Lehrer musikalisch?" „Fragen Eie nicht! Daß er nicht reden kann, ist ein llnglüdr; daß cj aber auch nicht singen kann, ist direkt ein Malheur. Vorige Woche hat er „Lecho Daudi" nad) der Melodie: ^,,Ad), wie ist's möglid) dann!" gesungen, und der meschugaene Stern, der ans den Lehrer was Hai. weil er noch keine ^Visite bei ihm gemacht hat - - Sie wissen doch. Sterns Lucie! Vorsicht! Sie ist inzwischen nicht jünger und nicht schöner geworden trotz der kurzen Röckcben! was soll ich Ihnen sagen: Stern ruft ganz laut, daß es vorn bis zu mir zu hören war: „Jetzt singt er Lohengri»!" Seitdem heißt der arme Mensd) „Lohengriir"! „llnd wie geht es Ihrem Richtchen?" „Sind Sie schon verheiratet?" „Seit einem Jahr!" „DaS haben Eie nötig gehabt? Was werde» Sie groß als Journalist haben für Ansprüche madien können? 'Re Schauspielerin, lvas? Die Naive vom Sommertheater, was? Reden Sie nicht: was kommt zu was und brotlos kommt zu brotlos." „Rleine Frau ist dir Tochter eines angesehenen Geschäftsmannes!" „Ra -- und pekuniär?" „Wir haben aus Liebe geheiratel." „Lassen Eie sich's von mir sagen: Sic werden solange ideal bleiben, bis Sie auf die Nase lallen werden. ES hat sich schon einer auS Idealismus bei solchem Weiter eine Lungenentzündung geholt! — WaS wird die Grete Augen machen, wenn ich ihr morgen erzählen werde; Sie sind schon «in Jahr verheiratet. DaS dumme Ding wird schwer zu verheiraten sein mit ihren großen Plänen. Nur keinen Geschäftsmann! Cie kann die Ladenklingel nicht hören! Ihre Schule! — Darf man fragen: schon was unterwegs?" „Mein Frauchen ist unterwegs zu ihren Eltern. Will dort über die Wahlbewegung bleiben!" „Schön ist anders! Einer hier, einer da. Na^- und lohnt sich denn wenigstens so ein Wahlkampf? Solche sechs Wochen müssen doch soviel bringen, daß Sie sechs, Monate gut leben können? WaS Sie sich da obstrapazieoem müsten! Bei Sturm und Wetter rein in den warmen Saal, raus in die Kälte! Ich dürfte Ihre Frau nicht fein!" „Kampf ist Ueberzeu^ung, lieber Silberstein. Dafür gibt es heute keinen Tarif!" „Meine Aeberzeugung ist, daß ich ein schlechter Geschäftsmann bin, wenn ich mir auf oer Treibjagd-Auktion in Tintrup heute Abend nicht sämtliche Hasenfelle sichere!" „Wo findet die Auktion statt?" „Im Gasthaus zur Forelle." „Da will ich doch heute reden!" - „Reden?!" „Za — über das Thema-. „War Stöcker arbeiterfreundlich?" „Und wenn er. Gott behüte, nicht arbeiterfreundlich war: was geht S i c das an? Von den Ziegelarbeitern kann ich nicht leben, die gehen nid)t auf die Jagd. Die paar Ziegenlämmer — da kann man den Laden bald zumadien. Wozu, mein lieber Herr Schweriner, mad-cn Sie eigentlich den Risches?" „Wenn die Ziegelbäcker gegen Sie aufgehetzt werden — vorgestern hat ein C r i stl id)-So z i alc r über das arbeiter-- freunülidie Programm seiner Partei in Tintrup gesprochen —, werden Sie solange gute Geschäfte machen bis man Sir eines Tages auf der Landstraße ausplündern und totschlagen wird." „Lächerlid). Der alte Hecht in Detmold wirb eher trefe essen als der Antisemitismus nach Tintrup kommt. Sie kennen Land und Leute nicht! Die meinen das gar nicht so. — Letztens bot mich ein Gutsbesitzer — die ganze Konkurrenz sagt, er ist ein Antisemit non reinstem Wasser, und ich sage Ihnen, er"ist ein seiner Mann — so nebenbei gefragt: „Sogen Sie mal. Silkerstein, wie wird das einmal mit eurem Geschäft werden, wenn ihr alle nach P a l ä st i n a a u s w a n d e r n müßt? Da müßt ihr doch „Hafenfelle en gros" aufgeben, hä?!" Hab ich ihm schlagfertig geantwortet: „Zn Paläsiitra werden soviel Hirsche sein. Herr Baron, daß man gar keine Hasen brauch 1." Cr wollt' sich schief lachen, der Herr Baron." „Auf Ihre Kosten!" „Im Gegenteil. Er war so vergnügt, daß er mir einen guten Preis gezahlt hat. — Ausgerechnet in der Hafenzeit müssen Sie in Tintrup reden!" „Wir sind wohl am Ziel. Ist das nicht schon der Kirchturm?" „WaS die Zelt vergeht, wenn man plaudert! So, nun steigen Sie ob und fahren Eie in Gottes Namen ins Dorf." „Wir haben doch einen Weg!" „DoS könnte mir fehlen, mit Ihnen in der Forelle abzusteigen. Wie sagt doch der Dichter?" „Verderb mir nicht dos Geschäft, mein Kind, und grüß mich nicht in Tintrup!" ries id) dem im Galopp Davonfahrenden nach. Trotz der Schneeglättc wollte er sich jo schnell wie möglich von mir loslösen. Große dicke Rauchwolken fluten dem Eintröteuden aus dem kleinen Gastzimmer der „Forelle" entgegen. Der Kenner merkt sofort: Iägertabak, im Freien zu rauchen. „Bin id) hier recht im Gaschof „Zur Forelle?" Hier ist doch für heule Abend eine liberale Wählerversammlung einberufen?" Der Wirt fordert mich nicht auf, näherzutreten, sondern verabschiedet mid) gleich an der Tür mit den Worten: ,Fch rate Ihnen, mein Herr, fahren Sie schleunigst nach Detmold zurück! Drinnen im Saal spielt di« Iagdgesell-