Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fcn allem Aeberlebten, seiner Bedeutung in der Gegenwart Entkleideten. Daneben ist chm die Aufgabe zugesallen, in unserer deutschen Heimat für eine immer innigere Verbindung der christlichen und der jüdischen Volksgenossen zu wirken und deshälb diejenigen zu bekämpfen, die uns deutsche Juden lediglich als einen Teil des ihrer Meinung nach noch bestehenden jüdischen Volkes ansehen und eine Scheidewand zwischen uns und unseren christlichen Landsleuten ausrichten wollen. Beide Gegner des Liberalismus haben in säst allen Fragen der jüdischen Gemeindeverwaltung bisher Hand in Hand gearbeitet. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß sie auch im Landesverband einander zur Seite stehen werden. Auf welchem Grunde diese Paarung erfolgt, ist im Augenblick nicht zu untersuchen; die Gegner zu kennen und ihre Stellung zu sehen, ist alles. Soweit es sich um die Bekämpfung der nationaljüdischen Bestrebungen handelt, haben wir die Bundesgenossenschast des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gesunden, der durch seine weitverzweigte Organisation diejenigen Parteien unterstützt, die für deutsches Judentum und gegen den Zionismus eintreten. Mit dieser Parole hat der Centralverein nicht, wie die jüdische Volkspartei glauben machen will, die Zionisten als nicht zu den deutschen Juden gehörig bezeichnet, sondern ledigli^ mit wünschenswerter Deutlichkeit auf den Gegensatz zwischen denjenigen hingewiesen, die sich als Gäste im fremden Wirtsvolk, und uns anderen, die wir uns als Glieder des deutschen Volkes fühlen. Wir verleugnen deshalb nicht unsere jüdische Abstammung und den auf ihr beruhenden Zusammenhang mit den Juden der ganzen Welt, betrachten aber nur Deutschland als unsere Heimat und sind frei von der Sehnsucht nach anderweitigem nationalen Zusammenschluß. Die liberale Sache ist von Gefahren umlauert, ihr Sieg für die deutschen Juden von der größten Bedeutung. Darum müssen alle liberalen Männer und Frauen am Wahltage ihre Pflicht tun! Oer jugend frische Vorsitzende der Magdeburger jüdischen Kultusgemeinde, Samiäisral Dr. Emil Frankenstein, der die liberale Liste der Provinz Sachsen führt, sieht die Erhaltung des Juden, tums nur auf dem Wege des friedlichen Fortschritts gewährleistet, den der jüdische Liberalismus stets verfolgt hat und auf dem er auch im preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden der Erneuerung derReligion derVäter dienen wird. Wenn ich meine bescheidenen Kräfte der liberalen Sache in unseren Gemeinden, wie auch jetzt zur Wahl, .zur Verfügung gestellt, hahe, so entspricht dies einer mir in langem Leben und Suchen gewordenen Aeberzeugüng. Denn ich habe gelernt, daß Stillstand Starrkrampf bedeutet, Fanatismus Selbstmord und Gleichgültigkeit Verwesung. Bleibt also als einziger Lebensweg der Fortschritt auf allen Gebieten menschlichen Ardeitens und DenkensDauch in der Ausübung der tiefen religiösen Empfindungen. Daher sähe ich es auch lieber, wenn man mich zur jüdischen Fortschrittspartei zählte. ein Name, der mich das weiche „liberal" bald und gern vergessen Uetze. Sind wir denn nicht durchdrungen, daß im Wischen Fortschritte, und nur in Ihm, das Aufleben and Erhalten unserer Retiglonsgemeinden gesucht werden muß? Was täte mehr not in unserer zerfahrenen Zeit, als ein Wiederaufbau unserer Religionsscyulen dis hinab zur kleinsten Gemeinde? ein religiös erzogener, gebildeter, fortschrittlich denkender Nachwuchs von Erziehern? ein Mithineinwachsen unserer Geistlichkeit in die Gemeinden mit allen ihren Sorgen und Aufgaben? Hier ist der Einfluß auf unseren Nachwuchs für das Judentum mit aller Kraft elnzusetzen. Don hier aus ist unserem schlimmsten Feinde, dem Zndifferentismus der Eltern und Aelteren, zu Leibe zu gehen. Das wird Arbeit des Landesverbandes für das Judentum in unserer Heimat sein. And zuerst wird es doch die Ausgabe eines Verbandes derpreußischenjüdischen Gemeinden sein, immer wieder der Gesamtheit zu zeigen, daß für preußische jüdische Verhältnisse zu schaffen sein wird. Mag ein jeder sich sonst politisch jüdisch oder religiös nach seinem Gewissen einsiellen, für mich gibt es im vreußischen Landesverbände nur Fragen vreuhischer Rettgionsgemeinden. Man halte das für keinen beschränkten Horizont. Groß sind wohl auch die Vereinigungen, welche die Interessen des außerstaatlichen Zu.- dentums zu fördern sich bestreben. Dem Landesverbände aber ist nun einmal der begrenzte Kreis gesteckt, für die preußischen Gemeinden — nur für diese — fördernd und hebend zu wirken. In den von ihm zu bildenden Kommissionen wird jede religiöse Dichtung ihr Feld zmn pflügen erhalten. Politisch jedoch braucht und toll er sich nicht betätigen. Es wird immer nur selbstiscyes Parteiinteresse sein, politische Gesichtspunkte in seine Arbeit hineinzutragen. Die geplante Organisatton wird ihr Bestes in friedlicher, gegenseitiger Verständigung schaffen. Diesen Weg des friedlichen Fortschritts verfolgt das liberale Judentum. Beweisen wir Juden in Preußen, daß wir am 1. Februar verstehen, wohin der Weg der Vertretung der jüdischen Neligionsgemeinden führen muß und helfen wir alle dem Judentum den Weg zu gewinnen. Ein tapferer Verfechter der liberalen Idee ist der Breslauer Spitzenkandidat Herr Fabrikbesitzer Alfred Bielschowsky: Die mir im Wahlbezirk Breslau von der liberalen Gesamtheit angebotene Spitzenkandidatur auf der liberalen Liste, habe ich nach reiflicher Aeberlegung mit Dank für die Ehrung angenommen. Ich siehe 20 Jahre lang in der jüdisch-liberalen Bewegung, war viele Jahre hindurch Nepräsentant, dann Vorstandsmitglied der Breslauer Gemeinde und habe mich bemüht, die Strömungen aus dem orthodoxen Lager sowohl, als auch aus dem zionistischen zu erfassen, aber das Resultat blieb: Nur der Liberalismus kann uns als Juden auf .die Dauer lebenskräftig erhalten. . . . . -.. Ich will Mi sein, wie als Mensch, so auch'als'Jude. Ich will für mich und für andere der Entwicklung moderner Kultur eine Gasse bahnen, auch in unserer« religiösen Leben, ohne es etwa jedem Juden zu gestatten, daß er bald dies, bald jenes aus den überlieferten Vorschriften hält. Ich will im Tempel reine Luft atmen, wie in der Natur, und will ihn aufsuchen nicht aus mechanischer Aebung heraus, sondern weil ich dort — möglichst reichlich in deutscher Sprache —- die ewigen Wahrheiten vernehmen will, wie sie zu verstehen sind für die Gegenwart. Ich kann nicht orthodox wählen, weil diese Richtung, wenn man ihr den kleinen Finger reicht, die ganze Hand nimmt, zähe und listig. Ich kann nicht diese Dar-. Lei wählen, die uns in ein geistiges Ghetto zurückfübrt und beispielsweise daran Anstoß nimmt, daß hier im Breslauer jüdischen Krankenyause am Sonnabend ein christlicher Beamter Tabak raucht. Ich wähle nicht zionistisch, weil ich von Geburt Deutscher bin und mit allen Fasern meines Herzens das deutsche Vaterland ligbe, bas es leider geschehen lassen muß, wenn unreife Jünglinge, vom Wahn betört, uns Juden schmähen und täglich angreifen, daß alte, meist über eigene Schuld verärgerte und oft verkommene Subiekte die Schieber dazu sind. Ich liebe mein Vaterland auch in der Not der Jetztzeit, will nicht nach Palästina, will weder dort noch hierfür meine Enkelkinder eine abgesonderte jüdische Schule. Darum wähle ich und Kämpfe ich dafür, daß der unter den Juden weit, weit überwiegende Teil seine entsprechende Vertretung im neuen Parlament findet. Ich wähle liberal. _ Der Empfang Weizmamrs bei den Reichs, behörden und die deutschen Juden. Von Hermann Becker- Berlin. I. Nicht über den Empfang Weidmanns bei dem Reichspräsidenten. dem Auswärtigen Amt, der Großloge, den verschiedenen .monistischen und nichtzionistrschen Vereinigungen wollen wir liier berichten. Dies haben die Zionisten selbst durch ihr gut- geleitetes Presseamt sowohl in den politischen, als auch in den jüdischen Zeitungen — eine n ich ^zionistische hatte sich sogar eine besondere Beilage geleistet reichlich getan.' Unsere Ausgabe soll es vielmehr fein, zu untersuchen: Welche - stolgen werden diese Empfänge für die deutschen Juden und für ihr Verhältnis zum Reiche. zum preußischen Staate und für die Religionsgemeinden haben? ... U. . Es ist unleugbar, daß die Zionisten diese Empfänge als einen :i unerwarteten großen Erfolg für ihre Suche buchen können. Ich wähle nicht ohne Absicht das Wort „Sache" und nicht Programm. Denn ihr ganzes Programm haben die Veranstalter der Empfänge wohlweislich in den Hintergrund gestellt, als sie die Behörden und die nicht,sionisnschen Vereinigungen um den Empfang des Gefeierten baten. Sie haben nur einen Teil ihres Programms, den Wiederaufbau Palästinas, zur Sprache gebracht. Sie waren ängstlich bemüht/ über die politischen Aspirationen, mit denen in Palästina selbst der Wiederallfbau verknüpft ist, zu schweigen, insbesondere wandten sie sich mit größter Energie gegen die Meinung, als ob sie in Palästina einen jüdischen Staat gründen und den Nichtjuden sowie ihre religiösen Kultstütten schädigen wollten. Es unterliegt , auch für uns Nichtziün i st en gar keinem Zweifel. daß die Z i v n i st e n solche Abs ich t e n nicht . 1). ache n. 3« , .itffifcr.; .Beziehung bilden , die Inden aller ' reli• i, giöfön Richtungen' die Einheitsfront, von der die Zionisten immer -l sprechen, d. h. nur in der Frage des Wiederaus- - baues Palästinas, ohne religiöse und politische A b s i 6) t e n und ohne daß die religiöse und materielle Not der deutscher! Juden vergessen TO i r d. Für die Zionisten ist indes „die Einheitsfront", wie jeder,... Kundige weiß, nur ein Deckname für ihre nationalen Bestrebu.igen in der Diaspora, für Dolksgemeinden. Minderheitsrechte lujipi jiPiiL"!' M mim Gott. Von Franz E i n g i a. Wenn irgendwo Gedanken schweigend ringen Und ganz der tiefsten Sehnsucht sind verfallen. Dann kommst du lächelnd aus den Wolkenhallen, Am wundersamen Trost dem Schmerz zu bringen. And deine Stimme spricht in unser Schweigen Wie sie vor Zeiten scbon herabgesprochen. And plötzlich hast du alles Leid zerbrochen. Daß wir uns tief und glücklich vor dir neigen. Zn jedem Antlitz kann man dich erkennen And jedes Leben ist aus dir geboren, Ob es nun sinkt und steigt im Weltgeschehen,- Wir müssen alle deinen Namen nennen. And niemals ist ein Teilchen dir verloren. Ob wir dich so, ob anders dich verstehen. Das Problem -es jüdischen Films. Kinotechnische Plauderei von Otto Schwerin. Warum es keine direkt antisemitischen Filme gibt. — Die jüdische Type auf der Sprechbühne und im Film. — Die verschiedenen Arten jüdischer Filme. — Sollen jüdische Stoffe überhaupt verfilmt werden? Dir veröffenllickm nachstehende Ausführungen drö bekannten Film' fachwanne«, die uns um so beachienSwerirr erscheinen, att sie aus christlicher Feder stamme«. Hier ist in der Tat politisch da» Treffendste grsaa-, wada jüdische Filmsujet betrifft, und die Würdigung des Äildstrcifens „Kaddis ** ist jeb-m jüdischen Zuschauer aus der Seele ^eschr,eben. Daqegen haben wir de starke Menschlichst des Film» wtili ,3u ltb Trachtender«- oft betont. Mit diesem Film und dem ,Fluch" ergibt stch der Uebercang »ur F aae des Religiösen und Zderiichen auf der Leinwand, die a»f einem anderen Blatt steht und hlnflcbtltch deren wir auf unsere Ausführungen anläßl ch der ,Zrhn Gebote" ve weisen. 2. Lst. An der Hochflut antisemitischer Hetzvropaganda gemessen, mag sie als Plakat, Flugblatt, Broschüre oder auch Roman in Erscheinung treten, kann erfreulicherweise festgestellt werden, daß eine antisemitische Propaganda durch den Film zu den größten Seltenheiten gehört. Filmstreifen, die einen ausgesprochen iuvenseindlichen Inhalt haben, dürften der deutschen Oesfentlichkeit und wahrscheinlich auch dem gesamten Ausland unbekannt sein. Do die Propagandawirkung des Films gerade auf die großen Massen als außerordentlich intensiv bekannt und erprobt ist. hat vielleicht schon mancher die Motive zu ergründen gesucht, die ein Fehlen des antisemitischen Filmes bedingen. Der Filmfachmann wird die Antwort bald gefunden haben. Der Grund liegt weniger bei der Zensur, die vielleicht, je nach ihrer Einstellung zum Antisemitismus. die Dorführurig eines antisemitischen Films inhibieren Kanu, sondern sie ist. — eine Tatsache, die ja offen und ehrlich ausgesprochen werden Kanu. — auf den starken jüdischen Einfluß in der Filmindustrie der ganzen Welt zurückzuführen Der Film ist, wie jedes andere Industrieerzeug,ns. in allererster Linie ein Handelsobjelrt und nur sehr bedingt ein Kunsterzeugnis Der Fabrikant nennt sich auch in der Filmindustrie Fabrikant, der Grossist (Vermittler zwischen Fabrikation und Verbraucher) ist der Fi'mveileiher und der Verbraucher selbst der Kinobesiker, der das Fertigprodukt der Oeffentlichkeil zugängUch macht. Der Prozentsaß jüdischer Kinobesitzcr ist ein verhältnismäßig kleiner, wohingegen an den meisten und größten Fabrikations- Unternehmen jüdische Kapitalien, bezw. jüdische Köpfe interessiert sind. Das diese Finnen als Hersteller antisemitischer Filme nicht in Frage kommen, bedarf keiner besonderen Erwähnung und die rcstierendeil, nicht jüdischen Fabrikationssirmen hoben an einer Herstellung antijüdischer Bildstreifen auch kein allzu großes Interesse, da der Fabrikant zu einer rationellen Ausnützung seilres Erzellgnisses den Verleiher als Mittelsmann nicht entbehren kalm, tmt> im Verleih ist der jüdische Einfluß beinahe noch stärker als in der Fabrikation. Daß drewicrtel der bedeutendsten Regisseure, bestimmt dir Hülste aller Regisseure Juden sind, soll nur nebenbei erwähnt werden. Es muß sogar sestgestellt werden, daß das Gros der Filmfabrikanten und Regisseure sich einer anerkennenswerten Zurückhaltung befleißigt wenn irgendwo und irgendwann im Manuskript eine jüdische Type (Pfandleiher. Wucherer usw.) vorgeschrieben ist. Besonders der Wucherer wird sehr häufig, um ja nirgends anzustoßen durch ausgesprochen arisch wirkende Darsteller verkörpert. Selbstverständlich muß die Filmfabrikation, um nach der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse dringend gebotenen Vorschrift Abwechslung zu bringen, auch häufig jüdische Sujets vcrwenderl. Diese sogenannten jüdischen Filme können in vier verschiedene Klassen eingeteili werden: 1. historische jüdische Fime. 2. jüdische Lustspiele und Posten, ö. jüdische Milieu- und Problemfilme (Dramen), 4. Dramen allgemeinen Fnhalts mit jüdischen Charaktertyv-n. In nachstehenden Zeilen soll sachlich-sachlich einmal untersucht werden, ob die Verfilmung derartiger Stoffe vom jüdischen Standpunkt aus begrüßt oder verurteilt werden muß, eine Frage, die weder a priori verneint, noch generell bejaht rverden darf. — Jüdisch-Historische Filme, deren markanteste Erscheinungen Uriel Acosta. Die zehn Gebote. Inri und die Sklavenkönigin sind, dürften in politschem Sinne als durchaus unbedenklich angesehen werden können, wobei allerdings der Kinobesitzer darauf Rücksicht nehmen muß, daß er seinem Publikum (wie es in Frankfurt a.M. z.B. geschah) nicht mehrere derartige Sujets innerhalb ganz kurzer Frist vorsetzt. Mitunter sind aber auch ganz harmlose jüdisch-historische Filme geeignet, je nach der politischen Einstellung des Vorführungsgebietes, die Leidenschaften besonders fanalifdjer Antisemiten heraus,Nlford?rn. Die — nebenbei bemerkt — künstlerisch vollendet schöne Verfilmung von Lesstngs Nathan dem Weisen, ein Bildstreifen, der in die Kategorie histonicher Filme eingereiht werden rnuß. lief, soweit uns bekannt, im In- und Ausland» ohne irgendwelche Zwischenfälle hervorzl'rusen. München, die Herstellerftadt dieses Films, machte aber insofern eine Ausnahme, als die Hitlerpariei eine öffcntsiche Vorführung bisher vc-rl'ir'derte, und der Theaterbesitzer, ivelcher diesen Film abgesch'osten bat. konnte ihn erst setzt, nach der Wabl-Aiederlage der Rationalsoziasistell, herausbringen. Die Versilrnung rein jüdischer Lustspiele. Beispiel „Pallasch &. Perlmutter", ..Und die Firma heiratet" ist schon bedenklicher. Es uruß im Sinne unserer obigen Ausführungen ohne weiteres unterstellt werden, daß die Herstellerfirma inimer jede antisemitische Tendenz vermeiden wollte In Großstädten mit starker jüdischer Bevölkerung, wie Berlin, Breslau und Frankfurt u. Nt., wo. durch die Umstände bedingt, mich zahlreiche nichtjüdische Besucher für den jüdischen Humor ein gewisses Verständnis aufbringen können, sind derartige Arbeiten noch zu tolerieren. Ganz anders siegt aber der Falt in den vielen Mittel- und Kleinstädten. die für diesen Humor nicht das geringste Verständnis haben und nur die ihnen unsympathischen siidischen Typen mit ihren noch unsympathischeren Eigenschaften erkennen wollen. Co lnußte z. B. ein großes Konzerntheuter. in einer mitteldeutschen Stadt von 200 000 Einwohnern, den Film Pottasch & Perlmutter, der in Frankfurt a. M. wahre Lachsalven entsesselte, nach dreitägiger Laufzeit wieder vom Spielplan absetzen. weil aus Besucherkreisen zu viel Proteste einliesen: die Besucher waren einfach nickt in der Lage, den tieferen Sinn und den Humor des Bildstreifens richtig zu erfassen. Die bedenklichsten Wirkungen rverden jedoch von Films gezeitigt. die ein jüdisches tmeist sogar ostjüdisches) Problem oder Milieu auf dem Zelluloidstreisen festhn'.ten wollen. Die wenig gelungene Verfilmung des Franzos'- schen Romans „Judith Trachtenberg". ..Der Fluch", vor allem aber der Film „Kaddisch" können als wenig erfreuliche Beispiele herangezogen rverden. Dem von. Juden herge stellten und gespielten Film „Kaddisch" liegt selbstverständlich iegsiche anksenniisclie Absicht und Tendenz fern. Die Hersteller glaubten im Gegenteil, mit einer Aufklärung über das Ritualmordmärchen dem Judentum einerl Dienst zu erweisen. Aber sie waren in der Wahl ihrer Mittel und in der allzu realistischen Milieuschilderung reichlich ungeschickt. Der Film enthält unter arrderm eine Szene, wo der jüdische Kaufmann, um das Geld für die Mitgift seiner Tochter hcreinzubekommen. einem Schuldner (Müller) einfach die Mehlsäcke aus dem Keller holen läßt. Da er die ganze Mitgiftsumlne aber trotz aller Anstrengung nicht zusammenkratzen konnte, schlägt der Vater des Bräutigams vor sämtlichen Hochzeitsgästen einen Riesenkrach und zerrt den Bräutigam aus den Armen der Braut. Die Heiratsvermittlerin hilft um Hochzeitstage im Kalonialrvarenladen des Brautvater» aus. betrügt, mit sichtbarer Freude aus ihren feisten Zügen, christliche Käufer beim Abwiegen der Waren und schwingt sich, als der Brautvater in der Auszahlung der Bermittlerprovikiön