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KC-Blätter · 1929-11-01 · Heft 4 (November 1929) · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 4 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 77 (sequence 17)
Language
German
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sei deswegen nebenbei nur erwähnt, weil sie den Charakter deS ganzen BucheS, das von innigster Liebe zürn Deutschtum spricht, nicht wesentlich beeinflussen, und auch wollen wir den Mann, der objektiv genug war. das Bild Paul Ehrlichs mit unter die Illustrationsbeigaben aufzunehmcn, nicht des landesüblichen Antisemitismus zerhen. Und jener August Fränkel, dessen Wachelied beim Märzsturm 1848 in Wien wörtlich aufgeführt ist, wird sicherlich Jude gewesen sein. Sätze^ über die „Herren Löwenberg und Löwinsohn, Zschaßler und Oppenheim" seien daher ohne Kommentierung rrcl nnlnn» genommen. Ucber die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus geleitet uns unser Vergil nicht weiter durch Himmel, Hölle und Fcgfeucr der deutschen Hochschulen, die auch noch in jüngsten Tagen, gleich uns allen, nach tLegnungcn langer Fricdcnszeit alle Schrecken des Kriegs und der Revolution über sich ergehen lassen mußten, und alsdann noch die der Inflation. Die lange, aber nie ermüdende Schilderung von Menschen und Gestalten, oft ergänzt durch Auszüge von Dokumenten und Briefen, zeigt uns. daß des göttlichen Dulders: xt'-i xrvrtoov auch für sie gilt: sic übcrstandcn die Glaubensspaltung und den 30jährigcn Krieg, sie überdauerten Mißachtung und Sperrung der Gehälter, Seuchen und Hungersnot. Was sic hochhielt, war anfangs nicht der Geist der Wissenschaft, sondern in viel höherem Maße der unverwüstliche Optimismus der Jugend, der über alle Hindernisse siegte. Mit wenigen Worten jeweils nur. aber um so freudiger und mit vollem Recht lobt Du Moulin Eckart das Leben und die Gesinnung der Studenten, die allemal, auch unter rauhen Formen, deutsche Art bewahrten, besser oft als ihre Lehrer. Daß in neuerer Zeit dann die großen Verbände ihr Deutschtum positiv, manchmal wohl alluzusehr, betonten, ist bekannt; hier die Corps als haupwcrtreter aufzuführen und allenfalls noch die Burschenschaften ais ihre Schlepplräger gelten zu lassen, ist eine verfehlte Darstellung, die wohl aus dem allzu begeisterten Bekenntnis zum S. E. seitens des Verfassers zu erklären ist; die anderen Verbände haben hier ebenso große Werte und Verdienste. Aber es bandelt sich ja im vorliegenden Buch nicht um studentische Belange; die Universitäten werden geschildert, ihre Hörer nur nebenbei erwähnt. Dies geschieht mit Absicht und ist richtig. ES wäre unmöglich, zugleich die Wissenschaft und ihre Jünger ausführlich darstellelc zu wollen. Mer etwa die Werke von Du Moulin und Schulze-Szhmank miteinander vergleicht, findet ganz verschiedene Themen, die sich. cum grnnu salls, nur obenhin berühren. Beide Bücher ergänzen einander in vorteilhaftester Weise, nur daß mit dem Du Moulinschen Buche eine große Lücke in meisterhafter Form verkleinert worden ist. die das Werk von Schulze-Szymank nie ausfüllen sollte und konnte. Dort hören wir von Schlägerklana und Becherkllngen. hier schreiten die cspeklabilitaten in ehrwürdigem Zuge zur SenatSfltzung. Und um der ernsten Würde noch mehr Anschaulichkeit und Leben zu verschaffen, sind 7v Bildnisse beigefüat. die jeden Mufensohn erfreuen dank guter Auswahl und Wiedergabe. Melanchlhon. Kant. Schiller, die Brüder Grimm. Dirchow, Graefe. Bill» roth. Kekule. Mödler. Savignh. Dahn. Fichte. Arndt. Hegel und viele, viele andere größte Söhne Deutschlands schauen uns an; die Universitäten selber entbieten ihren Gruß, teils neue Lichtbilder, teils Wiedergaben alter Stiche. Bei letzteren wäre zu bedenken, ob bei einer Neuauflage eS nicht ratsamer erscheinen möchte, di« alten und unS wenig sagenden Darstellungen von Rostock. Würzburg, Königsberg usw. durch modernere zu ersetzen, ferner ein oder zwei Bilder von Senatssitzungen beizufügen, die eine aus älterer Zeit, die andere jüngsten Datums; es wäre damit nicht nur ein wertvoller weiterer Beitrag zur Kulturgeschichte gegeben, sondern eine ganze Galerie berühmter Männer fände zugleich die verdiente Aufmerksamkeit des Lesers. Und doch weist das treffliche Buch eine Lücke auf; gemeint ist nicht die neuartige Interpunktion, vor jedem „und" das Komma auszulasscn, die oft zu sinnstörenden Verwechslungen Anlaß gibt, auch nicht die häufigen Unstimmigkeiten der Jahreszahlen (besonders im Kapitel „Universität Halle") und die unrichtige Schreibweise mancher Namen, vielmehr inhaltlich bedarf das Werk einiger Ergänzungen. Die alte Leopoldina zu Breslau von 1702 ist doch stiefmütterlicher behandelt, als sie es als wichtigster Kulturfaktor des 18. Jahrhunderts für Schlesien bis zur preußischen Besitzergreifung verdiente. Mainz. Bamberg und Paderborn sind überhaupt nicht gewürdigt und Salzburg mit kaum einem Satz abgetan. Diese Lücken sind bei einer, bei der Vortrefflichkeit und leichten Lesbarkeit des Buches bald zu erhoffenden Neuauflage unbedingt auszufüllen. Daß die Universität Münster nicht geschildert wird, ist deswegen zu bedauern, weil an Hand dieses Beispiels der Uebergang zur Moderne am leichtesten hätte anfgcwiescn werden können. In diesem Sinne wäre auch ein kurzes Eingehen auf Frankfurt, Köln (neue Universität) und Hamburg zu begrüßen, zumal hieran, besser als durch pseudopatriotische Phrasen, von denen allerdings der Verfasser sich im allgemeinen ganz fern hält, erwiesen werden kann, daß Deutschland und die Deutschen auch in den allcrschwersten Zeiten die Wissenschaft nicht untergeben ließen. MagS auch für de»» Verfasser bitter sein, hier der Republik alsdann volles Lob aussprechen zu müssen. Und noch eine Lücke habe ich wadrgenommen. die es auSzufüllen gilt, da es sich um verlorenes Gut in alter deutscher Siedlung oder doch unter deutsch gewesener Herrschaft bandelt, mag auch eine dieser Gründungen nicht mehr als ein Jahrzehnt alt sein; ich meine die Universitäten Ezernowitz. Dorpat und Riga. Ezernowitz war bis Kriegsende die östlichste deutschsprachliche Universität, in Dorpat ward früher deutsch gelehrt, und beste Forscher und Lehrer waren dort tätig. Und an der Gründung der Universität in Riga, besonders auch des Herder-Instituts. ist Deutschland stark mitbeteiligt. Man soll auf diese Meise stets an das erinnern, was deutsch war. wenn wir auch keine baldige Aussicht haben. a»»ch wieder in engere politische Fühlung mit diesen Gebieten zu gelangen. Doch was besagen derartig geringe Beanstandungen gegenüber dem großen Gesamtwert des Werks, das als positive Besicherung der wissenschaftlichen Literatur angesprochen werde»» »nutz, als ein Werk, das jeder Akademiker besitzen sollte, der über die Sorgen des Alltags dina»»S noch Interesse hat für Werden und Schicksale seines Standes. Ob»»e Phrase darf »nan hier von einem außerordentlich flüssig und interessant geschriebenen Glanzwerk deutschen Fleißes und deutscher Gründlichkeit sprechen, und wenn ich „km» Urteil zusammensassen soll, so kann es nicht besser eschehen als mit den Worten, die der Autor selber der die älteste deutsche hohe Schule abgegebei» hat: ..Alles Schöpferische ist bedeutend, und wenn die Geschichte davon spricht, so wird sie zu gleicher Zeit das Schöne und Große dabei betonen müssen. tatf häufig in der Persönlichkeit. sicher aber ii» der Idee liegt, die zu Tat und Werk geführt hat."

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