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KC-Blätter · 1929-11-01 · Heft 4 (November 1929) · p. Seite 71

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 4 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 71 (sequence 11)
Language
German
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71 schastlichen Blättern" vom Oktober 1929 seht sich der Verfasser mit einer Rede des Preußischen Finanzministers Höpker-Aschoff auseinander, der selbst Burschenschaftler ist. In diesem Aufsatz heißt es gegen Höpker-Aschoff: „Der heutige liberale Staat ist nicht deshalb schlecht, weil er liberal ist, sondern weil das liberale Denken sich gegenüber den sozialen und politischen Aufgaben, die sicv aus der Notlage des deutschen Volkes ergeben, unschöpferisch gezeigt hat und reaktionär geworden ist. Deshalb würde eine völkische und politische Erneuerung unseres Staatslcbens auch sein System nicht verschonen. Aber das schasit ihm nicht die leidenschaftliche Gegnerschaft der akademischen Jugend. Ls hat für die Sozialdemokratie einen Augenblick gegeben, indem sie hätte die Führung der Nation nach außen anstelle des versagenden Bürgertums übernehmen können. Das war damals, als unter anderen auch Ebert den Volkswiderstand gegen das Versailler Diktat organisieren wollte. Sie hat ihr „Nein" damals nicht gesprochen. Wird sic es heute tun? Oder wird sie das deutsche Volk seiner ewigen Knechtschaft verschreiben und der Ausführung dieses Werkes den Polizeiknüppel leihen? Von dieser Entscheidung des Staates wird die Haltung einer aufrechten Jugend ihm gegenüber abhängen. Die deutsche Jugend ist Gegner des heutigen Staates nicht um der Form willen. Republik und Parlamentarismus sind für sie Fragen der Zweckmäßigkeit. Aber sie ist von einem anderen Geist erfüllt, als der heutige Staat, d. h. seine Träger, und das schafft Gegensätze, die nicht verglichen, sondern nur kämpferisch ausgetragen werden können." Ganz ähnlich heißt es in den Wingolfblättern vom August 1929 im Leitartikel: ...... Wie ist das Verhältnis der jungen Generation. die den Weltkrieg nicht mehr bewußt mitcrlebt hat. zur Staatsidee und zur Staatsqesinnunq? - - Sie sah den Zusammenbruch des Alten, empfand ihn als den ungeheuren Bruch, der sie von dem früheren Zeitalter schied. And diese Alten waren selbst, soweit sie mit dem Kaiserreich innerlich oder äußerlich sich verbunden fühlten, zunächst rat- und hilflos. Die Mittler aber schlummerten in ihren Gräbern auf den Schlachtfeldern der weilen Welt. Der Jugend fehlt die Verbindung mit der Geschichte der deutschen Staatsidee, mit der Vergangenheit der deutschen StaatSgesinnung. Mas sie 'sieht, ist allein die Gegenwart, und dieser Gegenwart steht sie steptisch gegenüber, nament»' lich wo sich diese in der nationalen oder sozialistischen Phraseloaie der Vorkriegszeit zeigt. Nüchtern betrachtet sie die augenblickliche Wirklichkeit. Der Gang durch eine Fabrik mit ihrer unmittelbar erkennbaren technischen Zielsetzung oder die Hunderte von müden, aboearbeiteten oder verbitterten Gesichter auf der Berliner Stadtbadn bieten ihnen eine klarere Offenbarung wahren und unverfälschten Menschentums als schöne Reden der Parlamentarier aller Parteien. Alle inneren und äußeren Stützen der Vorkriegszeit scheinen ihr morsch geworden zu sein. Wo sie infolgedessen einem politischen Radikalismus Versalien ist. siebt fle auch von der Gegenwart ad. die ihr keine ideelle, nur ein« rein praktisch« Lebensanschauung zu bieten vermag, und siebt ihr wahres Leben in der Zukunft. von der Zukunst ans die Gegenwart zu formen; sie sordert von ihren Führern die Gabe der Prophetie. Mit diesen Teilen der Iugend kann nicht rechten, wer von der Vergangenheit und Gegenwart her den Weg einer besseren Zukunft bereiten will. Wo die junge Generation infolge dieser Erlebnisse, dieses innerlich Sichverlassenfühlens allein von der Gegenwart her neue Gemeinschaftsformen sucht, ist es das deutsche Volkstum, dem ihr Sinnen und Denken gilt, in dem Glauben, daß, wenn dieses inhaltsreich rein herausgcarbcitet würde, „mit der Wucht und Selbstverständlichkeit eines Naturgesetzes" die Form, d. h. der Staat, sich bilden werde. Das deutsche Volkstum in dem Selbstbewußtsein der jungen Generation ist schlechterdings großdeutsch, nicht gebunden an sittliche Grenzen und staatliche Zugehörigkeit. sondern nur gebunden an die Sprache als dem wesentlichsten geistigen Merkmal der Volkseinheit, gebunden aber auch vielfach an die Abstammung, an das Blut als einem entscheidenden, unbedingt trennenden Rafsekennzeichen. Ohne jede geschichtliche Brücke werden Gegenwart und primitive Urformen eines Volkes miteinander verbunden. Nur aus deutschem Wesen heraus soll eine neue deutsche Kultur erwachsen. Das deutsche Gesamtvolk ist für sie die organische Verflochtenheit aller Deutschen. Volksgemeinschaft bedeutet für sie nicht die Zusammenzählung nebeneinander stehender Einzelner, sondern die organische Verflechtung und sittliche Wechselwirkung aller Einzelnen mit allen Bolksftänden und der ganzen Volkseinheit. Was diese völkische Bewegung für sich und das Deutschtum fordert, gesteht sie jedem andere Volkstum zu. So lehnt sie jeden Imperialismus wirtschaftlicher und politischer Natur ab. Das Wesen eines jeden Volkstums als einer eigenartigen Darstellung des Menschlichen, das Schleiermacher festgelegt aber die folgende Entwicklung vergessen hatte, wird wieder in seine Rechte eingesetzt...." Ls ist für uns unerheblich, daß im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes sich der Verfasser außerordentlich bedenklich über diese Einstellung der Jugend äußert, aber sein Bericht bestätigt unsere eingangs ausgestellten Behauptungen. Man wendet sich also nicht gegen den Staat als solchen, man wendet sich nicht einmal gegen den Staat in seiner gegenwärtigen Form. Seihst ein Mann wie Professor Gerber, der als einer der Führer des V. D. St. angesprochen werden kann, wehrt sich in den Blättern seines Verbandes ausdrücklich dagegen, daß der V.D. St. eine monarchistische Restauration fordere. Er lehnt die Reaktion ab. wagt aber auch nicht, sich zur Revolution zu bekennen. Bei der Kritik am Staat, bei den Forderungen, die ausgestellt werden, zeigt sich am deutlichsten, daß leitend nicht die Tendenz der Reaktion, sondern der Revolutton ist. Die Deutsche Burschenschaft hat z. B. auf ihrem außerordentlichen Burschentag im Jahre l92V ihre Forderungen in bezug auf yochschule und Studentenschaft sestgelegt, und eS ist wichtig, diese Dinge im Wortlaut sestzuhalten: ..Die Deutsche Burschenschaft ist sich bewußt, daß der Kamps der Studentenschaft nicht nur eine Angelegenheit der studentischen Seldstveru^zltung und nicht allein ein Kamps um den völkischen Aufbau der österreichischen Studentenschasten ist.

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