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KC-Blätter · 1929-11-01 · Heft 4 (November 1929) · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 4 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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69 And wendet ihr euch zu den bleichen, Gefall'nen Freiheitsopfern, seht: Bezahlt hat mit den ersten Leichen Die Universität." In Berlin standen die Studenten am 18. März zahlreich als Kämpfer auf den Barrikaden und zwei von ihnen starben dabei den Heldentod. Welche Bedeutung man der akademischen Jugend beimaß, zeigt die Tatsache, daß ihr der neue Kultusminister in der Universität seine Ernennung mittcilte, und daß bei dem Umritt des Königs dem letzteren drei Studenten mit dem schwarzrot-goldenen Reichsbanner vorausschritten. Den Höhepunkt der studentischen Bewegung im Jahre 1818 bildete das zu Pfingsten gefeierte zweite Wartburgsest, das durchaus politischen Charakter trug, und bei dem die Linke überwog. Es faßte seine Ansichten über das Hochschulwesen in einer Reihe von Forderungen zusammen. Man verlangte dabei, daß die deutschen Universitäten Rationaleigentum würden, daß unbedingte Lehr- und Hörfreiheit herrschte, daß jede Fakultätssonderung verschwände und daß die akademische Gerichtsbarkeit beseitigt werde. Ferner wünschte matt die Beteiligung der Studierenden bei der Wahl der Hochschulbehördcn und bei Besetzung der Lehrstühle. Außerdem forderte man. daß in Zukunft der Universitätsbcsuch zur Erlangung eines Staatsamtes nicht mehr erforderlich sein solle. Diese sämtlichen Wünsche der Studentenschaft blieben später unerfüllt; nur das eine erreichte man. daß die Ausnahmegesetze, welche sich gegen das studentische Bcrclnslebcn richteten, aufgehoben wurden und die akademische Jugend von jetzt an das Recht erhielt, sich in Vereinen zusammenzuschließcn. An den letzten Kämpfen um die Durchführung der Frankfurter Reichöverfassung im Jahr« 1819 nahmen zahlreiche Studenten teil; sie unterstützten als Freiwillige den badischen Aufstand und halfen die Festung Rastatt verteidigen; sie standen auf Barrikaden von Dresden und fochten gegen die Regierungstruppen bei der Verteidigung von Wien heldenmütig dis zum bitteren Ende. Viele 'du thn-n starben im offenen Kampfe, andere gerieten in Gefangenschaft und mußten ihr Tun durch lange Gefängntshaft büßen, wieder anderen gelang eS. tnS Ausland zu entkommen, wo sie wie der bekannte Deutschamerikaner Earl Schurz sich in harter Arbeit eine neue Heimat schufen. All diesen studentischen Vorkämpfern von 1848 haben Rudolf Stratz in seinem Roman: „Der Väter Traum" und Rudolf Hans Bartsch in seiner Erzählung: „Der letzte Student" ein ehrendes Denkmal gesetzt. Hatte das Jahr des Völkerfrühlings die deutsche Studentenschaft zum weitaus größten Teil im Bunde mit dem emporstrebenden Bürgertum gesehen, mit dem sie die Sehnsucht nach politischer Freiheit und nationaler Einheit teilte, so erblickte die proletarisch gerichtete Staatsumwälzung vom 9. November 1918 sie nicht auf ihrer Seite. Die akademische Jugend war eben, wie schon früher erwähnt wurde, innerlich mit dem Bürgertum seit rund 150 Jahren verwachsen, auch gehörte sie ihrer Herkunft nach zu ihm und hatte mit dem zunächst siegreichen Proletariat nichts gemeinsam. Die Folgen ihrer engen Schicksalsgcmcinschaft mit dem Bürgertum zeigten sich jetzt: mit letzterem zusammen ward sie nicht bloß erschüttert, sondern entthront und aus ihrer bisherigen Führerstellung verdrängt. Abgesehen von den wenigen radikal gesinnten Studenten, die kurzlebige „Studentenräte" schufen, konnte sich die Hauptmasse der Studentenschaft innerlich nicht mit der neuen, ihr fremden Entwicklung einverstanden erklären, noch dem neuen deutschen Staat zujubeln, der ihre nationalen Hoffnungen und Forderungen nicht erfüllte. Ihre Stimmung und Gesinnung wird durch die damals erfolgte Umdichtung deS alten Binzerschen Burschenschaftslicdes klar gekennzeichnet: „Das Band ist zerschnitten, war schwarz-weiß und rot! Und wer dafür gestritten, bleibt treu ihm dis zum Tod!" Und wenn die Studentenschaft nach dem Umsturz 3u wiederholten Malen zu den Waffen griff und unter Einsetzung ihres Lebens den neuen Staat gegen die Kommunisten schützen half, so geschah dies nicht aus „staatstreuem Opfermut", wie ein Minister damals rühmend sagte, sondern lediglich aus Liebe zu Volk und Heimat, die es vor einer Zukunft russischer "Art zu bewahren galt. Dieser Zustand dauerte mehrere Jahre, in denen die akademische Jugend Deutschlands den härtesten Daseinskampf durchsechten mußte und durch aufopferungsvolle Selbsthilfe gewann. Eine innere Wandlung in ihrer Stellung zum Staat vollzog sich bei ihr erst von dem Zeitpunkte an. als Hinbenburg zum Präsidenten d«S Deutschen Reiches gewählt wurde (192-2).

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