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KC-Blätter · 1929-11-01 · Heft 4 (November 1929) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 4 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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68 feit“ verkündigte, fanden ihre Gedanken nur bei einem Teile der akademischen Jugend Anklang, und zwar besonders im Westen Deutschlands, wo sich der Absolutismus zu einer teilweise überlebten und an schweren Mißbräuchen überreichen Regierungsform ausgebildet hatte. In Württemberg, wo schon 1781 der junge Friedrich Schiller in den „Räubern" sein weithinschallendes „in tyrannos“ ausgerusen hatte, kam die revolutionäre Stimmung der akademischen Jugend wohl am deutlichsten zur Entladung. Im Tübinger Stift, einem zur Universität gehörigen Internat, sang der Dichter Hölderlin von der Zeit, „da die Königsstühle trümmern" und „die Scheidewand von Flitter» fällt", und eines Morgens, an einem Sonntag, zog eine Gruppe von Stiftlern - unter ihnen Hegel, Hölderlin und Schelling auf eine Wiese nahe am Neckar, errichtete cincn Freiheitsbaum und umtanzte ihn. Auch anderwärts war die Stimmung eines Teils der akademischen Jugend tyrannenfeindlich, freiheitsdürstend und radikal vorwärtsstürmend und fand einen guten Rährboden in den weltbürgerlich gesinnten Studentcnorden, die unter dem Einfluß der Freimaurerdrüderschaft seit etwa 1770 an den deutschen Universitäten wirkten. In den Kreisen der gelehrten Amizistenloge zu Jena war man von der französischen Revolution derart begeistert, daß man die Siege der französischen Waffen um 1700 und alle französischen Nationalfeste so feierlich wie möglich, selbst durch Illuminationen, beging. And sogar in dem festgefügten Staate Friedrichs des Großen kam es in den studentischen Kreisen der Universität Halle vor. daß man um 1700 über den lachte, der auf das Wohl seines Landesherrn trank. Daß aber derartige Aeußerungen weltbürgerlichen Denkens auch in der Studentenschaft erstarben. dafür sorgten die AVtfsenta.en des sranzösischen Kaisertums, welche das zerfallene Deutsche Reich vernichteten und dem Staate Friedrichs des Großen bei Jena und Aucrsläbt einen unrühmlichen Untergang bereiteren. Die Jahre der napoleonischen Fremdherrschaft jedoch, die besonders schwer auf Preußen lasteten. führten dessen innere Erneuerung herbei, und als eine Großtat ersten Ranges ist die Gründung der Universität Berlin (IS10) zu bezeichnen. die das Königswort wahr machen sollte, daß der Staat durch geistige Kräfte ersehen müsse, was er an physischen verloren habe. And als dann Preußen zum Kampfe geg«,t Napoleon schritt, da stellte sich pflichtbewußt und jubelnd auch die Studentenschaft des Landes ein. entweder als Angehörige der regulären Truppen, oder als Freiwillige in den Freikorps, unter denen das von Theodor Körner verherrlichte Lühowfche. ..die Poesie des Heeres", besonders hervorragte. Ihrer Stimmung gab Max von Schenkendorf Ausdruck in seinem Studentenkriegslied: „Ich bin Student gewesen Nun heiß' ich Leutenant. Fahr' wohl, gelahrtes Wesen, Ade, du Büchertand! Zum König will ich ziehen Ins grüne Waffenfeld, Wo rote Rosen blühen. Da schlaf' ich ohne Zelt." Und aus diesem heldischen Geist heraus wurde in der innerlich tieferregten Zeit nach den Freiheitskriegen im Jahre 1815 die deutsche Arburschenschast geboren. Sie wollte, wie es in ihrer Verfassung hieß, „die freie und natürliche Vereinigung der gesamten auf den Hochschulen wissenschaftlich sich bildenden deutschen Jugend sein, gegründet auf das Verhältnis der deutschen Jugend zur werdenden Einheit unseres Volkes". Sie war an sich keine politische Schöpfung. wirkte aber schließlich in der Oefsentlichkeit als solche und griff durch das von ihr veranstaltete große Wartburgfest vom 18. Oktober 1817 entscheidend in die geschichtliche Entwicklung des deutschen Volkes ein. Sie ließ bei diesem ersten deutschen Nationalsest den in die Zukunkt schallenden Heroldruf von der Einigung aller Deutschen erklingen, und das von ihr gewählte Schwarz-rot-gold wurde von da an die von den Regierungen hart verfolgte Fahne der nationalen Sehnsucht, für die in den nächsten Jahrzehnten zahlreiche Studenten schwere Kerkerhaft oder dauernde Verbannung erlitten. Was die Burschenschaft erstrebt hatte, schien der „Völkerfrühling". die bürgerliche Revolution von ISIS, zu verwirklichen. Die SteUllngnahme der Studentenschaft war nicht einheitlich; der revolutionären Linken stand die konservative Rechte gegenüber, welche besonders die Eigentümlichkeiten und Sonderrechte des akademischen Lebens erhalten wollte. In umfangreicher Weise beteiligten sich die Studenten von .Wien und Berlin an den revolutionären Bewegungen des ..tollen" Jahres. In Wien halfen sie den Träger der Reaktion, den Fürsten Metternich, stürzen und gründeten die vielgefeierte „akademische Legion". den ..Löwen der Aula". Ihre Taten verherrlichte das erste zensurfreie Gedicht. Es lautete: „Was kommt heran in kühnem Gange? Die Waffe blinkt, die Fahne weht; Es naht mit Hellem Trommelklange Die Universität.... Das freie Wort, das sie gefangen Seit Joseph'), arg verhöhnt, geschmäht, Borkämpfend sprengt« seine Spangen Di« Universität.... •) Gemeint ist Kaiser Joseph ll (1765-1790).

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