KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 4 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
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65 diese Männer zu würdigen, die in der großen Zeit der Nationalliberalen Partei zu ihren Führern gehört haben. Laster ist führend bei den Reichsjustizgesetzen beteiligt gewesen und hat mit den ersten Anstoß zu der durch das B. G. B. verwirklichten Rcichseinheit gegeben, Bamberger ist der Puter der deutschen Bank-- und Währungs- Gesetzgebung. Man muß daran erinnern, daß Karl Hclfscrich, der später so weit nach rechts gegangen ist, hier sein Schüler gewesen ist. Laster wie Bamberger haben nie vergessen, welche Pflichten es mit sich bringt, einer Minorität anzugehören. die Rechte verlangt. In den Zeiten des Kulturkampfes haben sie sich von jedem Angriff aus den Katholizismus enthalten und sich mehrfach von ihrer Partei bei Abstimmungen über Gesetze, die der Kirche feindlich waren, getrennt. In katholischen Kreisen ist das leider nicht so bekannt, wie es sein sollte. Beide Männer haben Bismarck, als er 1870 seine Wendung nach rechts vollzog, die Gefolgschaft verweigert und sind 1881 aus der Nationalliberalen Partei ausgeschieden. Während Lasker früh starb, ist Bamberger noch lange Jahre als freisinniger Abgeordneter tätig gewesen. Als er sich 1893 nicht wicdcrwählen ließ, folgten jene langen Jahre, in denen keine bürgerliche Partei des Reichstages ein jüdisches Mitglied auswies. Neben Lasker und Bamberger treten die übrigen -Angehörigen des jüdischen Glaubens in den Hintergrund. Für eine Legislaturperiode (1881 bis 1887) hat der berühmte Handelsrcchtslehrcr Lcvin Goldschmidr Leipzig vertreten, ebenso hat Leopold Sonne mann mehrfach Frankfurt a. M. vertreten, der Wahlkreis Nicderbarnim ist von 1881 bis 1881 von dem Psychiater Emanuel Mendel vertreten worden. Mar Hirsch, der Gründer der Htrsch-Dnttckerschen Gewerkvereine, hat viele Jahre lang als freisinniger Abgeordneter dem Reichstag angehört. So auch noch andere, in sonderlich großer Anzahl sind sie nie vorhanden gewesen. Ein Kapitel für sich sind die jüdischen Abgeordneten der S o z! a 1 de m o k r a t i e. Im Anfang der parlamentarischen Betätigung der Partei sind sie kaum vorhanden gewesen, der heute kaum noch gekannte, früh vestorbene Max K a y s e r ist vielleicht der einzige gewesen. Dafür war nach 1893, als die bürgerlichen Parteien aus Besorgnis vor Agitationsschwierigkeiten sich scheuten, ungetanste Juden in den sicheren Wahlkreisen auszustcllcn. die Sozialdemokratie länger als ein Jahrzehnt die einzige Partei, in der sich Juden fanden. AuS jener Zeit stammt auch daS Gerede von der verjudeten Sozialdemokratie. Dabei sind es auch hier nur sehr wenige gewesen. Zuerst Paul Singer, dessen Begräbnis, die größte Menschenansammlung, die Berlin je gesehen hat, seine ungeheure Volkstümlichkeit zeigte. Rnerreicht war Singer als Kenner der Geschäftsordnung und des parlamentarischen Verfahrens, ein Meister im Vorsitz stürmischer Versammlungen und durch Jahre hindurch der Vorsitzende aller Parteitage. Neben ihm war in Berlin Arthur Stadthagcn populär, der jahrelang Nicderbarnim vertrat. Neberragt wurden beide von Eduard Bern st ein, dessen Stellung und Bedeutung ja bekannt ist und von Ludwig Frank, dessen früher Tod im Kriege weit über die Partei hinaus als ein Verlust für Gesamtdeutschland empfunden wurde. Zwei Mitglieder des Reichstages sind im Kriege gefallen, der Jude und Sozialdemokrat Frank und ein rvelfischer Abgeordneter. -Auch das gehört zu den Dingen, die allzugern vergessen werden. Zu den jüdischen Männern, die ihre politische Tätigkeit mit dem Tode besiegelt haben, gehört auch Hugo £ a a s e . der die Zustimmungserklärung der Partei zu den Kriegskrediten im Reichstag verlas, der spätere Führer der llit» abhängigen. Andere, wie Oskar Cohn und Hugo Heymann, sollen nur eben genannt werden. Nicht überflüssig ist es aber zu erwähnen. daß einige Männer, die für Inden gehalten werden, es nicht sind: so Liebknecht, -Auer. Heine. S ch e j d e m a n n. Der Raum gestattet nicht, auf die Verhältnisse der Landtage näher einzugehen, nur an Oskar Ü a i sei. den Berliner freisinnigen Politiker, sei erinnert. Auch die Nationalversammlung und der Reichstag der Republik hat jüdische -Abgeordnete aufzuweisen. Nicht dazu gehört hat Hugo P r e u ß. der sich auf den Landtag beschränken mußte, wohl aber außer einer Reihe sozialdemokratischer Abgeordneter, die schon genannt sittd. und zu denen noch Dr. Moses binzuzufügen wäre. Dr. Ludwig Haas, der bereits dem alten Reichstag als Vertreter für Karlsruhe angehört hat und dessen Eintreten für seine Glaubensgenossen ebenso bekannt ist wie seine Stellung tu der allgemeinen Politik und der badischen Landes- Politik. Die Entwicklung bat es mit sich gebracht, daß die aufrechten Bekenner des jüdischen Glaubens auf die sozialdemokratische und dte demokratische startet beschränkt sind. Weiter nach rechts finden wir den Abgeordneten Jakob R i e ß e r. den Reffen Gabriels, der sich von jeder Beteiligung an jüdischen Dingen serndäit. und noch weiter nach rechts den -Abgeordneten Maretzki. den Sodn jüdischer Eltern, »tnd den Abgeordneten Ouaah. dessen Mutter eine Jüdin ist. lebende Beweise frafür, wie irrig es ist. zu meinen. daß die Neigung zur Linkspolitik eine Eigentümlichkeit jüdischen Bluts wäre.