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KC-Blätter · 1929-11-01 · Heft 4 (November 1929) · p. Seite 63

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 4 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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63 Friedens, ein schlechter Patriot. Es bleibt dem gesunden Sinn des deutschen Volkes anheimgegeben, Stresemanns Vermächtnis verständnisvoller zu erkennen und zu bewahren. Dieses Vermächtnis ist ein strahlender Schatz, als dessen Kronperlen funkeln die hohen Beispiele seiner innerlich starken Zuversicht und seiner Selbstüberwindung. Vielleicht aber ist es das bedeutungsvollste Stück daraus, daß Stresemann durch sein Wirken es unternahm, dem deutschen Michel die Zipfelmütze vom Haupt zu reißen. Sicherlich sachte gerade das am meisten die Wut seiner unversöhnlichen Hasser an, wollte er doch dem deutschen Volke eins seiner ältesten historischen Requisiten nehmen. Mögen sie ihn aus diesem Grunde denn am heftigsten begeifern. Sie verwirren uns nicht das Bild eines Mannes, der seine besten Kräfte im Dienste des Vaterlandes zerrieb, der ehrlich sich mühte und wacker kämpfte, nicht zuletzt auch mit den Dämonen der eigenen Vergangenheit. Wer weiß, wie oft die Grundmusik seiner Reflexionen das Heinewort war: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht!", langsam dann aber überleitend in die ftohere Melodie der anderen Verse des gleichen Dichters: „Deutschland hat ewigen Bestand, es ist ein kerngesundes Land!". Indische Parlamentarier. Von Dr. Hans Kalisch. England hat keine eigentliche Emanzipation der Juden erlebt, wenn man darunter versteht, daß bestehende Zurücksetzungen auf einmal beseitigt werden und Gleichberechtigung im bürgerlichen und politischen Leben gewährt wird. Die ohnehin nicht sehr schweren Zurücksetzungen sind etappenweise beseitigt worden. Nur eine solche Etappe und keineswegs die letzte war die 1857 erfolgte Zulassung zum Parlament. Und doch wird dieses Jahr ganz allgemein als der Zeitpunkt betrachtet, zu dem die Emanzipation vollendet war. Darin spricht sich das Gefühl des Engländers für die Bedeutung des Parlaments aus. Durch das Parlament regiert sich das Land selbst, wer von seinen Mitbürgern in das Parlament entsendet wird, ist dazu bestimmt, von ihrem Vertrauen getragen, an der Gesetzgebung des Landes teilzunchmen. Die deutschen Parlamente haben die überragende Stellung, wie sie das englische hat. erst nach der Neugestaltung Deutschlands errungen, die Besonderheit deS deutschen Wahlrechts, die Listen-VerhältniSwahl hat den in England noch heute lebendigen Zusammenhang zwischen Abgeordneten und Wählerschaft zurücktreten lassen, aber die Stellung eines Abgeordneten ist immer noch der Ausgangspunkt für led« in« Weite gehende politische Wirkung. In den Parlamenten der konstitutionellen Monarchien. deren verfassungsrechtliche Bedeutung geringer war, als die der heutigen Parlamente eS ist. war dafür der Zusammenhang mit der Wählerschaft enger. Der Abgeordnete konnte dort der Führer und Vertrauensmann großer Volks- «affen fein, fei eS zum Kampf gegen, fei eS zur Unterstützung der Regierung. Damals war die heroische Zeit der Parlamente. Auch tu Deutschland ist die Emanzipation der Juden nicht mit einem Schlag« erfolgt und außerdem, der politischen Zersplitterung deS Landeentsprechend, an den verschiedenen Stellen zu verschiedenen Zeiten. Die in Preußen 1812 erfolgte nur sehr teilweise Emanzipation, ebenso wie die entsprechenden Besserstellungen in anderen deutschen Ländern brachten noch keine politischen Rechte, es sei denn, daß man das Wahlrecht zu den kommunalen Vertretungen und die Wählbarkeit zu kommunalen Aemtern hierher rechnen will. MoseS Mendelssohns jüngerer Kampfgenosse David Friedländer hat es noch erlebt, als erster Jude Stadtrat in Berlin zu werden. Aehnliches ist auch anderwärts hier und da vorgekommen. Aber von dem bescheidenen politischen Leben des Vormärz in Provinziallandtagen und Kreistagen in Preußen waren die Juden ebenso ausgeschlossen, wie von den politisch bedeutenderen süddeutschen Parlamenten jener Zeit. Noch als der vereinigte Landtag 1847 in geistig sehr hochstehenden Debatten die Iudenfrage verhandelte, waren sie von der Teilnahme daran ausgeschlossen. Erst das Jahr 1848 hat ihnen fast überall in Deutschland die politische Gleichberechtigung gegeben. Da «in eigentliches politisches Leben auch für daS gesamte Deutschland erst seit jener Zeit datiert, kann man sagen, daß ungefähr solange Parlamente bestehen — von den etwas älteren süddeutschen. Hannover und Hessen abgesehen —, Juden daran teilnehmen konnten. Jüdische Politiker hatte es schon vorber gegeben. Doch muß hier die Scheidung gemacht werden zwischen denen, die sich hatten taufen lassen und jenen, die der jüdischen Gemeinschaft treugeblieben waren. Heine und BSrne sind beide politische Schriftsteller gewesen. b«rde haben sich für die Gleichberechtigung der Juden eingesetzt, beide hatten aber für sich die persönliche Frage der Gleichberechtigung durch die Taufe erledigt. Anderist das bei ihren etwas jüngeren Zeitgenossen Gabriel Rießer und Johann Jako dp

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