KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 2 (April 1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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17 niederzuhalten, sondern auch die Kenntnis des Juden und die Achtung vor ihm zu studieren. Früher, als die politische Betätigung nur eine Sache Weniger war. haben wir Juden nicht zurückgestanden. heute, wo das Interesse an der PolitÜ eine Sache des ganzen Volkes geworden ist. halten wir uns ihr sern, und zwar auch dann noch, als wir sehen, daß vielfach antisemitische Strömungen in ihr wurzeln. Sie können wir nur dann ausrotten, wenn wir das Wurzelgebiet zu bearbeiten versuchen. Politik ist aber nicht nur Arbeit in politischen Parteien und vornehmlich Arbeit in den Parteien, von denen man weiß, daß sie grundsätzlich dem Antisemitismus abhold sind, sondern vor allen Dingen auch Arbeit in den Körperschaften, die von den Parteien getragen werden. Das, was für die Politik gesagt ist, gilt für alle Gebiete des öffentlichen Lebens. Im einzelnen hierauf einzugehen, würde im Rahmen dieser Auseinandersetzung zu weit führen. Ls gilt aber auch für das gesellschaftliche Leben. Ich weiß, daß dieses Thema recht heikel ist und daß jedes Wort, das sich auf dieses Gebiet bezieht, Mißdeutungen ausgesetzt ist. 11 n3 Juden wirft man ja vielfach Ileberklugheit vor. Leider fehlt uns doch recht oft die nötige politische Einsicht, und wir sind vor allem geneigt, denjenigen unserer Glaubensgenossen, die Wege wandeln, die von denen, die die große Masse — vielfach fälschlich — als richtig bezeichnet, abweichen, sehr persönliche Motive zuzuschieben. Das ist richtig gerade für das gesellschaftliche Leben. Fast in jeder Stadt erleben wir es doch, daß diejenigen Juden, die gesellschaftliche Verbindungen mit Richtjuden unterhalten, von ihren eigenen Glaubensgenossen auf das allcrschwerstc angegriffen werden. Ich warne vor einem solchen Urteil. Ls wird hier gewiß nicht denen das Wort geredet, die den Verkehr mit anderen pflegen, nur um sich mit diesem Verkehr brüste« zu können, aber der Jude, der fest in seinem Judentum wurzelt, dem kraft seiner Stellung, seiner Befähigung und seiner 'Persönlichkeit die Wege zu näheren Beziehungen mit Richtjuden geöffnet sind, darf sich nicht durch sich und seine Freunde dies« Wege versperren laslen. Daß diejenigen, an die ich hier denk«, die Gebote des Taktes und der Lbre nicht außer Acht lassen, dafür bürgt ihre Persönlichkeit. Sie sind die besten und erfolgreichsten Reberwinder deS Judenhasses. ES ist schon einmal darauf hingewiesen worden und eS muß hier unterstrichen werden, daß durch nichts die falschen Vorstellungen über daS, waS Judentum ist und heißt. auSgeräumt werden können, als durch die nächst« Vermittlung der Kenntnis der jüdischen Persönlichkeit. hier handelt es sich nicht um ein Sichaufdrängen, wie so oft gesagt wird, sondern hier handelt es sich um die notwendigste Aufgabe, die wir als deutsche Juden zu erfüllen haben, sofern uns die Möglichkeit zu ihrer Verwirklichung gegeben ist. Da, wo man uns nicht haben will, haben wir nichts zu suchen. Da aber, wo uns der Zutritt ohne Beeinträchtigung unserer Lhre möglich ist, wäre es nahezu eine Versündigung an unserer jüdischen Aufgabe, wenn wir vou dieser Möglichkeit nicht Gebrauch machen würden. Gerade für die K. L.er sollte alles das von besonderer Bedeutung sein. Sie kommen durch die Vorbildung, die sie als Akademiker haben, und durch die Stellung, die sie genießen, viel häufiger in die Lage, hier eine Entscheidung zu treffen als andere. Ohne uns überheben zu wollen. dürfen wir doch die Tatsache feststellen, daß wir in vielen Dingen als Führer angesehen werden und auch Führer sein müssen. Versagen wir aber, ziehen wir uns von dem politischen Leben zurück, oder glauben wir uns izur in den politischen Gremien betätigen zu dürfen, in denen Antisemitismus nicht auftauchen kann, nehmen wir an der Behandlung aller öffentlichen Fragen nicht teil und halten wir uns auch im gesellschaftliclxn Leben mehr als nötig ist zurück, wie können wir dann ein handeln von den anderen cnvarten! Die Erziehung, die wir in unfern K. E.-Berbindungen genossen haben, bietet die Gewähr dafür, daß wir daS richtige Urteil für unsere Entscheidung haben, daß wir nichts tun. uxiS unsere Ehre und die Ehre der jüdischen (Gesamtheit verletzen könnte. Dies nochmals zu wiederholen. erscheint nötig, da man bei der Erörterung dieses Problems, wie die Erfahrung gelehrt hat. Mißdeutungen zu leicht ausgesetzt ist. Wir Juden sind Kampfer. Riemals in unserer Geschichte haben wir uns durch Enttäuschungen entmutigen lassen. Wir baden die Steinmauern deS Ghetto durchbrochen, obwohl man hätte meinen können, daß jahrhundertelange Verfolgungen nufere Kräfte dis zum letzten Rest aufgezehrt hatten. Run sollten wir. da wir einen Kampf führen müssen, der doch ungleich leichter ist aiS der. der unseren Vorfahren aufgezwungen nmr. den Mut verlieren! Unser Ziel ist eS doch, der Rechte auch tatsächlich teilhaftig zu werden, die unS als Staatsbürger, als Menschen zustehen. Ein absoluter A d s ch l u ß i st nichts andere S a i S d e r V e r z i ch t a u f d i e s e R e ch t e. Wir deutschen Juden und tusdesondere wtr K.E.er. die wir aiS erste diesen Kampf aufgenommen haben, müßten ia an unS selbst irre iverden. uhmiu wir so all dem. rvas wir angeftredt haben, ent-