KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 2 (April 1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Für den K. C. er ist die Antwort eigentlich selbstverständlich, linier Abschluß ist kein grundsätzlicher, sondern nur ein zeitlich notwendiger. Aber innerhalb der "Abgeschlossenheit erziehen wir unsere Mitglieder zur Erfüllung ihrer Pslichten, zu Deutschen und Juden. Das heißt, daß wir von ihnen verlangen, daß sie sich auch als deutsche Staatsbürger betätigen. Es muß erkannt werden, daß diese letzte Forderung im Lause der Zeit an praktischer Bedeutung stark verloren hat. Aus dem Abschluß, in den man uns hineingedrängt hat, wagen wir uns nicht mehr heraus. And so kommt es, daß Ansichten, wie die in jenem Artikel im „Schild" vertretenen, sich immer tieser einnisten, die dahin zielen, daß für uns gar keine Möglichkeit mehr besteht, den Abschluß zu durchbrechen und daß es daher unsere Ausgabe sein müßte, in ihm all die Institutionen zu schassen und all die Ausgaben zu erfüllen, die das Gemeinschaftsleben der Menschen fordert. Das Ghetto. das wir als einen endgültig überwundenen Ausgangspunkt der jüdischen Geschichte betrachten, wird dadurch wieder zum Ziele. Wenn wir jedoch betonen, daß wir Deutsche sein wollen, dürfen wir es bei dem Wort nicht bewenden lassen. Es mag gerne zugegeben werden, daß unzählige Enttäuschungen und Zurücksetzungen den Glauben an das Recht erschüttern können. Sic dürfen aber niemals uns entmutigen und in eine grundsätzlich falsche Stellung hineinbringen. Wem nützen wir. wenn wir uns von allen öffentlichen Ausgaben, seien sie politischer, wirtschaftlicher, sozialer und gar gesellschaftlicher Batnr. zurückzieden? Ans Juden sicherlich nicht. Denn aus die Dauer ist der Kreis viel zu klein, als daß die Betätigung in ihm hinreichende Befriedigung oder den nötigen Ansporn verleiht. Dem deutschen Heimatland. mit dem wir vertvachsen sein wollen, nützen wir auch nicht, weil wir ihm dadurch die Mitarbeit rvertvoller Elemente entziehen. Gewiß, diese und jene Demütigung wird uns erspart bleiben. Aber wir haben immer die Auffassung vertreten, daß höher als die eigenen Interessen die Interessen der Gesamtheit stehen. Ihnen aber bringt, wie gezeigt ist. ein solches Verhalten statt Butzen nur Schaden. And der Kampf um unsere Gleichstellung, wie soll er. wenn wir uns so einstellen, geführt tverden? Glaubt irgend jemand, daß wir noch eine Handbreit Boden gewinnen können in dem Augenblick, in dem wir uns ganz zurückziehen und nahezu jede Zusammenarbeit mit den an» deren ablehnend Bur eines könnten wir vielleicht damit erreichen: Der Antisemitismus verwandelt sich in einen Asemitismus. Das ist heute schon das Ziel vieler unserer Gegner. Ich möchte aber meinen, daß für uns diese Strömung aus die Dauer viel furchtbarer sein dürste als der ausgesprochene Judenhaß. Die Zusammenarbeit ist aber auch praktisch möglich. Wenn wiederum ausgegangen werden soll von dem Artikel im „Schild", so verfällt der Verfasser zunächst bei seinem Verlangen in denselben Fehler, den wir immer bei unseren Gegnern tadeln, nämlich in den Fehler der Verallgemeinerung. Ungerechtigkeiten in der Justiz sind reichlich vorgekommen. Sie bleiben aber immer nur in dem ungeheuren Ausgabenkreis der Rechtspflege einzelne Fälle. Daraus eine grundsätzliche Stellungnahme der Organe der Justiz gegen die Juden herleiten zu wollen, rväre grundfalsch. Man erreicht damit nur, daß Kreise, die ihre Objektivität bewahrt haben, infiziert iverden. Es ist über die Arsacheu der von der Justiz begangenen Fehler, die nur einen kleinen Teilausschnitt des großen Kapitels bilden, das wir Vertrauenskrise in der Justiz nennen, so viel gesprochen worden und diese Dinge sind von Kd. Lennhofs so trefflich erörtert worden, daß sich hierzu jedes Wort erübrigt, zumal ich auch schon mich früher grundsätzlich mit diesem Problem in der E. V.-Zeitung auseinandergesetzt habe. Kb. Ludwig Holländer hat schon vor längerer Zeit wiederholt seinem lebhaften Bedauern trüber Ausdruck gegeben, daß heute in den öffentlichen Körperschaften des Reiches, der Staaten und der Kommunen Juden im Gegensatz zu früheren Jahren nur ganz selten vertreten sind. Die Erfahrung lehrt, daß die Ursache nicht allein darin zu suchen ist. daß man unsere Mitarbeit nicht will, sondern vielmehr auch darin, daß wir unser« Mitarbeit nicht zur Verfügung stellen. Wlr sehen Gegner auch da. wo sie gar nicht sind. "Aus einer überfeinerten Vorsicht halten wir uns zurück, nur um gar nicht irgendwie angestoßen zn werden. Wollen wir aber Mitarbeiten, so werden wir in sehr vielen Füllen finden, daß man unser« Mitarbeit sehr gerne entgegennimmt und auch durchaus bereit ist. unS auf den Posten zu stellen, der der jeweiligen Befähigung entspricht. Wer die Dinge kennt, weiß dann aber weiter, welch außerordentlichen Butzen der den jüdischen Belangen leisten kann, der in diesen Gremien mitardeitet. ganz abgesehen von der Förderung allgemeiner Interessen. Wie oft genügt schon die Tatsache, daß in einem irgendwie gearteten Zusammenschluß «ln Jude mitardeitet. um nicht nur hier jede judenseindliche Regung