KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 119 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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119 nationaler (Staat. B. Geschichtliche Grundlagen: 4. Der Kamps um den deutschen Volksboden 5 Die Geschichte der gesellschaftlichen Schichtungen. 6. Das Werden des deutschen Nationalstaates. C- Aeutzere Politik. 7. Die deutsche auswärtige Politik 1871—1914. 8. Die weltpolitische Lage. 9. Die Friedensverträge als politisches Werkzeug. 10. Deutschland und das Deutsche Reich. I). Der Staat und die gesellschaftlichen Machte: 11. Staat und .Kirche. 12. Staat und Wirtschaft. 13. Soziale Fragen. 14. Die Juden im deutschen öffentlichen Leben. E- Mittel praktischer Politik: 15. Raffen- Hygiene. 16. Mittel und Wege im Rationalitätenkampf. 17. Deutsche Volkserziehung. 18. Die öffentliche Meinung und ihre Beherrschung. Unter den Autoren finden wir Namen wie Pros. v. Velow, Prof. Hoetsch, Dibelius. Vaocker. Völkischem Radauantisemitismus hält sich das Buch fern, aber trotzdem oder dadurch sind seine Ausführungen besonders gefährlich. Wenn z. B. Günther in Fragen der Raffensorschung als unbestreitbare Autorität anerkannt wird, so besagt dies genug. 5leber die inneren Widersprüche zwischen »deutscher" Raffenhygiene, nordischem Edelmenschen, deutscher Mischung aus nordischem dinarischem und ostischem Blut, allgemeinem Ariertum kommt auch dieser Abschnitt allerdings nicht hinweg. Er lehnt Günthers »Verordnung" ab und fordert »deutsche" Raffendvgiene. nur das Wie zeigt er nicht auf. Aeberhaupt beschränken sich die Fragen der Raffenhygiene fast ausschließlich. abgesehen von Verhinderung der Ostjudeneinwanderung aus allgemein bvgienische Ausführungen. Ter Abschnitt über die Iudensrage (141 lehnt ausdrücklich den Radauantisemitismus ab. Cr versucht eine Geschichte der deutschen Juden zu geben, erkennt sogar die Fehler der Judenverfolgungen an. behauptet allerdings. dass es damit nickt so schlimm gewesen sein könne, »vor allem aber finden wir. daß all diese Ausbrüche der Volkswut (?) den Juden einen nachhaltigen Schaden nie bcizufügen vermochte". Im übrigen stützt der Verfasser sich vielfach aus Sombark. gibt dann eine Ueberflcht über die Berufsverteilung der Juden, die natürlich bei der knappen geschichtlichen Grundlage und dem Fehlen jeder soziologischen Untersuchung unverständlich bleibt und folgert so die »Machtstellung" des für ihn selbstverständlich eine Einheit darstelleirden deutschen Judentums. Für die Fremdheit des Judentums stützt er fick auf Stapel. Eine Kritik hierzu ist angesichts der Aussätze von Pros. Goldskein im .Morgen" an dieser Stelle nicht nötig, aber das Fehlen einer solchen Kritik kann in den unbefangenen Gemütern der Leser dieses Handbuches hinreichend Schaden anrichten. Ist doch seine Konsequenz .ehrliche Scheidung. Bejahung und Pflege des eigenen Volkstums. Artung des fremden VolkstumS". wobei die Tatsache eines bem deutschen fremden, jüdischen Volks» •’iml als gegeben unterstellt wird. Die übrigen Kapitel bedürfen hier keiner Behandlung: man muh es ja leider hinnedmcn. bah die Frage des Rationalitätenkampses im Osten die Bedeutung der deutschen Juden als Kulturträger ausser acht lässt. Ebenso ist die Außerachtlassung der jüdischen WohlsadrtspNegc in der Darstellung der sozialen Arbeit eine grosse Lücke, die die Tendenz des Buches, da es vorgidt. objektiv zu sein, nicht entschuldigen kann. Ader doch verdient das Buch in allen Tellen auch von unserem Standpunkt genaueste Beachtung. Cs kann nicht, sondern es muss im K. C. zum Gegenstand von Rezeptionsarbeiten und Vorträgen gemacht werden: es gehört in jede K. C.-Vibliotbek. Wir, die wir nicht in der bedauerlichen Aufsagung unserer Gegner besangen sind, uns nicht über den anderen zu informieren, mügen dieses Buch studieren. Rur wenn man das Gift kennt, das den Körper schädigt, kann man das Gegengift reichen. §>. B. R. j. F.-Taschenkalcnder. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ha! einen Taschenkalender für 1927 herausgegeben. der ein kleines Abwehrbrcvier darstellt. Zum ersten Male erscheint darin in buchmäßiger Form eine Aebersicht der Abzeichen von 144 politischen und militärischen Vereinigungen. Wertvolles statistisches Material über die Teilnahme der Juden am Weltkriege unter besonderer Berücksichtigung ihrer Tätigkeit bei der Fliegerwaffe und in den Kolonien ist in ihm enthalten. Die den Kalender schmückenden Bilder von den Malern Mar Liebermann, Hermann Struck und Eugen Spiro gezeichnet, sind ihm gewidmet. Abbildungen jüdischer Heldendenkmäler bereichern die Ausstattung des Buches, dessen Titelbild von dem bekannten Bühnenmaler Herbert Döblin gezeichnet ist. Beben dem Wochenkalendari..::! ist auch ein Verzeichnis dcr jüdi'chcn Monate und Festtage angefügt. — Für Mitglieder des Bttndes. die sich häufig beruflich auf Reisen befinden, ist eine Ilebersicht über ca. 290 Geschäftsstellen von Ortsgruppen von besonderem Wert. Mendale Moicher Sfurim (Schulem Ioankew A b r a m owits chl. Gesammelte Werke. Autorisierte Ilebersetzung ans dem Jiddischen von Salomo B i r » b a tt m. 2. Band. Der Wunschring. II. Teil 1925, Jüdischer Ver lag. Berlin. Rach längerer Banse ist der zweite Band des ..Wunschringes", dessen erster an dieser Stelle gleichfalls besprochen worden ist. erschienen. Der Roman, wenn man ihn einen solchen nennen darf, ist anders als sonstige Werke des großen Volksdichters. Ihm fcbtt die Ursprünglichkeit des ersten Erlebens, er reflektiert und schaut hinaus in die große Welt der Botitik. In herber Anklage werden die Schäden des jüdischen Zusammenlebens gegeißelt, und insbesondere steht im Mittelpunkt des Geschehens der Mädchenhandel. wobei man die feine Kunst bewundern muß. mit der sehr heikle Dinge in einer fast erhaben tu nennenden Form gesagt werden. Die Brogroniwit mit ihrem Grauen spielt in die Ereignisse hinein, und daS Ganze klingt aus in ein offenes Bekenntnis zur echten Aufklärung, zu jener, die nicht von außen her -- auf fremder Grundlage erwachsend den Weg der Iudenheit auö der geraden Richtung zu der lockenden lata morgana führt, hinter der in Wahrheit öde Wüste ist. Sondern die andere, die bessere, die auS dem Sehnen der Volksseele emporsteigt und sich selber getreu bleibt, die in ihrem Werden und Wollen jüdisch ist. Mag auch der Wunschring nickt deS Dichters reisstes und bestes Werk sein, so ist er gewiss für den Westeuropäer das Interessanteste, und die gute Bebersetzung und Erklärung nebst der ganz vortrefflichen Ausstattung werden daztt beitragen. dem Buche einen großen und eifrigen Leserkre«S zu sichern. G.