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KC-Blätter · 1926-11-01 · Heft 6 (November 1926) · p. Seite 116

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 6 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 116 (sequence 16)
Language
German
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116 Kampf in der Deutschen Studentenschaft geht heute noch immer um diese Verfassungsfrage. Auf welcher Seite in der Verfasfungsfrage der K. C. stehen muß, ergibt sich aus seiner Satzung von selbst. Kleindeutsch oder großdeutsch, in jedem Falle darf es eine Unterscheidung zwischen denjenigen, die ihre deutsche Abstammung und Muttersprache bejahen, nicht geben, ob sie Juden sind oder nicht Juden. Wie aktuell der Kampf noch ist, wissen Sie aus den Nachrichten, die die K. E.°Blätter über die Kämpfe in Baden gebracht haben, und aus den ebenfalls dort erwähnten preußischen Landtagsbeschlüssen. Ein Ende dieses Kampfes ist noch nicht abzusehen?) Der Kampf tobt gegenwärtig und da die Vorherrschaft der Völkischen in den einzelnen Studentenschaften mit winzigen Ausnahmen eine unbestrittene ist, so ist mit Ueberraschungen noch immer zu rechnen, hinzu kommt, daß die Völkischen von ihrem Mehrheitsrecht rücksichtslosen Gebrauch machen. Wir brauchen nur daran zu denken, daß man zum letzten Studententag in verschiedenen Universitätsstädten versucht hat, die Delegierten zum Studententag nicht auf Grund der Verhältniswahl, sondern mit Mehrheitsabstimmung auszuwählen, um hierdurch eine Vertretung der Minderheit unmöglich zu machen. Aber die Hochschulpolitik beschränkt sich nicht auf diese verfassungsmäßigen Fragen, die an die Grundfesten der K. E.-Tendenzen rühren und schon darum eine intensive Tätigkeit der K. E.er erfordern, sondern sie wirken sich auch aus auf allen Gebieten der Hochschularbeit. Die völkische Mehrheit in der studentischen Selbstverwaltung bewirkt leider auch, daß allzu oft versucht wird, diese Selbstverrvaltung verfassungswidrig für eine Benachteiligung der jüdischen Studenten auszunutzen. Als Beispiel brauchen wir bloß die Fälle in Hannover anzuführen, wo man versucht hat, die „Suevia" durch Mißbrauch der Selbstverwaltung vom Chargieren auszuschließen?) Aebnliches geschah in Bonn; in Freidurg haben wir es erlebt, daß der Studentenausschuß schriftlich gegebene Versprechen nicht gehalten hat, in Heidelberg wollte man die jüdischen Studenten zum Sportlest nicht zulassen, ja. man versteigt sich sogar so weit, über den Rahmen der studentischen Selbstverwaltung hinaus ein Mitbestimmungsrecht nicht nur bei der Berufung und Abrufung der Dozenten zu fordern, und dies selbstverständlich nur unter völkischen Perspektiven auSzunutzen. Wir verwelken auf die gleichzeitig erscheinenden rr. C.-Mitteilunaen. in denen die neuesten Nachrichten über diese Ereignisse mitgeteilt werden. *> Neuerlich in München, vergi. K. C.-Mitteilungen lt 12 1V2Ü. sondern man greift sogar in die Disziplinargewalt der Dozenten ein. Die Fälle Gumbelheidelberg und Hupka-Wien werden als Beispiele angeführt. Bei der internationalen Zusammenarbeit der Studentenschaft haben wir insbesondere in der letzten Zeit eine Politik seitens der Deutschen Studentenschaft erleben müssen, die auf eine Sabotage der internationalen Zusammenarbeit hinausläuft. Man hat nicht etwa nur die Minderheit nicht zu Worte kommen lassen, man hat auch diese internationale Politik getrieben unter schärfster Sabotage der Außenpolitik des Reiches, ja, man hat nicht einmal die einfachsten Formen der Höflichkeit gegenüber den Reichsbehörden gewahrt. Mit ernster Sorge ist auch bei der Betrachtung der Verhältnisse in der Deutschen Studentenschaft die Tatsache zu verzeichnen, daß der E.V., die Zusammenfassung der katholischen farbentragenden Verbindungen, an einigen Universitäten des Deutschen Reiches unbedingt die völkische Politik mitmacht. Es ist dies lokal außerordentlich verschieden, und wenn auch einzelne Gruppen des C. V. aus dem Hochschulring deutscher Art ausgeschieden sind, so gehen doch vielfach praktisch E.V. und Völkische zusammen. Die waffenstudentischen Verbände sind heute nahezu restlos völkisch eingestellt. Hand in Hand hiermit geht die parteipolitische Politisierung, die in der Bekämpfung des Reichsbanners ihren schärfsten Ausdruck findet. Die Führung in völkischer Beziehung ist vielfach vom V.d. St. auf die Burschenschaften übergegangen. Bei der Zusammenarbeit mit den jüdischen Gruppen ist zwischen religiös-neutralen und den Zionisten zu unterscheiden. Die Frage der Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit den Zionisten ist durch eine unangenehme Vergangenheit außerordentlich erschwert. In früheren Jahren haben die Zionisten allzu oft gerade Leute ihrer schärfsten Tonart in die Studentenausschüsse entsandt, Kommilitonen, die den Standpunkt der nationalen Minderheit in aller Klarheit sich zu eigen machten» und mit denen eine Zusammenarbeit, ein Kampf gegen «ine völkische Mehrheit unmöglich war. Gegenüber diesen Tatsachen ist es die Aufgabe d«S K.L., auch in der Hochschulpolitik, in den Gremien der studentischen Selbstverwaltung, seiner Tendenz gemäß zu wirken. Eine Zusammenarbeit mit korporativen Gruppen, mit Ausnahme der paritätischen Verbände, ist in der hochschul- Politik geradezu unmöglich. ES gibt keine unpolitische korporative Arbeit in den Studentenvertretungen mehr» und wenn Kdr. Friede eine solche fordert, so verkennt er. dies bedeutete Politik im luftleeren Raum zu treiben, obgleich

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