KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 115 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2268830-2268957-2268963--3249-3526415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
115 schen Volkes ein starkes politisches Mißtrauen gegenüber der deutschen Studentenschaft herrsche. Es sei beste vaterländische Arbeit mitzuhelfen, daß die gegenwärtige Kluft nicht zu einer dauernden werde. Wir wollen es offen aussprechen, daß beispielsweise die Kreise der deutschen Arbeiterschaft, die selbstverständlich den Kampf gegen den Antisemitismus führten, es nicht verstehen könnten, wenn wir uns nicht bedingungslos zu derjenigen Staatsform bekennen würden, deren stärkste Träger sie sind, und die uns andererseits die unbedingte Gleichberechtigung garantiert. Aus dieser: Erwägungen heraus erwachsen mancherlei Forderungen für die politische Arbeit innerhalb des K. C.s. Bei voller Anerkennung der unbedingten Satisfaktion wäre es doch an der Zeit, ganz offen zu erklären, daß die Zeiten anders geworden wären, und daß der Kampf um unsere Ideale nicht mehr „im Mensurenlokal, sondern an der Wahlurne ausgefochten werden müsse". Daher fordere er politische Erziehung der jungen Bundesbrüder. Er fordere aber auch — und er sei sich darüber klar, daß er große Opfer damit fordere — daß sich unsere dazu berufenen Verbandsbrüder für Beamtenstellungen zur Verfügung stellten. Dem Rechte zur Mitarbeit müsse die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit entsprechen. Ls ist auch notwendig, daß unsere Verbandsbrüder so erzogen werden innerhalb der Verbindungen, daß sie jederzeit bereit und imstande seien, alle Anwürfe gegen das Judentum in der Oeffentlichkeit zurückzuweisen. Unsere Verbandsbrüder haben im Felde gezeigt, daß sie die militärischen Tugenden der Tapferkeit und der Selbstaufopferung mindestens so besitzen, wie jeder andere Deutsche. Die deutsche Republik der Gegenwart fordere etwas, was nicht minder wertvoll sei: die „Zivilcourage". 3m Sinne dieser Zivilcourage müßte die heutige Erziehungsarbeit an unseren jungen Bundesbrüden: geleistet werden, zum Wohle des deutschen Judentums, des K. L.s und der deutschen Republik. Die hochschulpolitischen Ausgaben des K.C, Referat gehalten von Dr. Lermann B e r l a k (Spr°, Die Behandlung der hochschulpolitischen Aufgaben des K.L. setzt voraus, daß man sich zunächst über seine Ziele in der Hochschulpolitik klar ist. und darum erscheint es erforderlich, wenn zum erstenmal auf dem K. E.-Tag die Frage der Hochschulpolitik Behandlung findet, das Referat zu gliedern in die hochschulpolitischen Aufgaben und die hochschulpolllischen Forderungen des K. L. Ls kann hierbei nicht daran vorübergegangen werden, daß die Hochschulpolitik selbst für viele unserer Verbandsangehörigen ein Buch mit sieben Siegeln ist. Man entscheidet über die gerade aufrauchenden Fragen nach bestem Willen und Gewissen, man informiert sich, soweit die K.L.- Blätter und die Tagespresse es zulasten, aber eL fehlt, wie Lennhoff beim Frankfurter SchulungSkurfuS nicht mit Unrecht gesagt hat. an der nötigen Zielsicherheit einer verbandSmäßlgen Hochschuipolttik. DieS hat seine Ursache nicht zuletzt darin, daß die Hochschulpolttlk überhaupt ein Neuland ist, ein Geschöpf der Nachkriegszeit. Die Deutsche Studentenschaft — und ihre völkischen Führer vergessen dies nur allzu gründlich — ist ein Produkt der Revolution, ein Erzeugnis in feiner Verfassung nur verständlich daraus, daß eS dem Rätegedanken seine Entstehung verdankt. Gewiß hat es auch früher eine Hochschulpoiitik gegeben, aber hier wären eS mit verschwindenden Ausnahmen nur rein lokale Fragen, Kämpfe, die sich abspieüen unter dem Motto» Hie Korporation, Tr.-Gh.) auf dem K. C.-Tag am 31. Oktober 1926. hie Freistudent; hie Wassenstudent, hie SatiSfaktionsverweigerung. Die Lesehallen waren der Platz, wo diese Kämpfe zur Austragung kamen. Alle Bemühungen, eine einheitliche Deutsche Studentenschaft zu schaffen, zwischen diesen verschiedenen Gruppen ein Zusammengehen zu ermögliche,:, blieben bis zur Revolution erfolglos. Mit dem 9. November 1918 begann die Wandlung, die ihren Abschluß in dem ersten Würzburger Studententag von 1919 fand, der die Deutsche Studentenschaft schuf, die alles das umfaßte, was „deutscher 'Abstammung und Muttersprache" war» ein Begriff, der damals keinem Zweifel unterlag» bei dem man sich restlos klar war, daß er alle Deutsch-Oesterreicher und alle diejenigen umfaßte, die auS den abgetretenen Gebieten stammten, gleichgültig, ob Jude oder Nichtjude. Ader bald begann der Kampf, der mit der 2. Würzburger Verfassung schließlich dazu führte, daß man denjenigen jüdischen Studenten, die nicht die reichsdeutsche Staatsangehörigkeit besitzen, die Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft adspricht. gleichgültig ob eS sich um Ostjuden handelt oder um jüdische Studenten, die auS Posen, Westpreußen. Schleswig oder dem Elsaß stammen. Seit dieser Zeit ist die Deutsche Studentenschaft und sind die lokalen Studentenvertretungen der Tummelplatz dieses Kampfes, der wesentlich ausgefochten wird auf der Basis des Gegensatzes» hie völkisch, hie nicht völkisch. Der