KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 114 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Aber das ist hier das minder Wichtige. Es zeigt sich, wie unsere Gegner immer wieder formelle Gründe suchen, um unter dem Schein des Rechtes uns von der Studentenschaft auszuschließen. Es zeigt, daß es ihnen ein Dorn im Auge ist, wenn die K. C.-Verbindungen in Couleur die gleichen studentischen Rechte für sich in Anspruch nehmen, wie sie selbst und deshalb rate ich dringend davon ab, sich nunmehr in die Reihe jener Korporationsgegner zu stellen. Einmal, weil die Reibungssläche mit den Korporationen dadurch naturgemäß verstärkt würde und zum andern, weil die Gegnerschaft der farbentragenden Korporationen gegen die Finken bzw. die Korporationsgegner sich dann in erster Linie gegen uns lenken würden und schließlich, weil wir damit auch die Verbindung mit allen jenen anständigen Korporationen, die nicht antisemitisch sind, endgültig abbrechen. Ich darf auf die Rede des Rektors auf dem gestrigen Kommerse Hinweisen, der ein alter S.C.er ist und der die heutige antisemitische Strömung mit Schärfe und Entschiedenheit ablehnt. In den Kreisen jener alten Studenten haben wir viele, '.reiche die heutige Richtung in den Corps und den anderen Verbänden ablehnen und von dort aus wird auch eines Tages wieder die Gesundung des gesamten deutschen Studentenlebens ausgehen. Solange die deutsche Studentenschaft die Synthese zwischen ihrer Auffassung von Stzrdentcnlcben und von dem heutigen Staate noch nichr gefunden hat. müssen wir unseres Erachtens dieser größeren Gesamtheit, der wir angehören, 'ügen und müssen cintreten nicht für eine Politisierung. sondern für eine Entpolitisierung. Wenn wir das aber tun. dürfen wir selbstverständlich nicht als erste in diesen Fehler verfallen. Das schließt im einzelnen natürlich nicht aus. daß wir uns nicht mit politischen Fragen in unser» Reihen auf das intensivste beschäftigen 'ollen, sondern ich bin dafür, daß wir unsere!ungen Bundesbrüder ausrüsten mit all dem Material. das sie draußen im Leben für den Ainvehrkamps benötigen und daß wir sie in einer Skaatsgeiinnung großziehen, die freudig dem Staate, sowie die freudig bereit ist. das eigene Wohl zurückzusetzen und dem großen Ganzen des -iraierlandes zu dienen. Das schließt nicht aus. daß der einzelne $?.<$.er 'ich an den täochschulparlamenten betätigt, im Gegenteil. das erscheint mir sogar wünschenswert und das schließt schließlich auch nicht auS. daß in dem einen oder dem anderen Falle KE. er die republikanisch« Liste rvädlen oder aus diese einen Kandidaten sehen, aber die grundsätzliche Ein. stellung des K.C. darf nicht so sein. Grundsätzlich will der K.C. sich selbst nicht politisieren, er tritt dafür ein, daß die Hochschulen nicht politisiert, sondern daß sie entpolitisiert werden. III. Diskussionsrede von Kurt Fraenkel (Thur.). Er betont im Gegensatz zum Referenten, der gewünscht hat, daß eine „Entpolitisierung der Studentenschaft" stattfinde, eine Erfüllung des K. C.s mit politischem Geist und mit einem stärkeren Verständnis für die politischen Probleme der deutschen Gegenwart. Wenn er von „Entpolitisierung" höre, müsse er immer an die Reichswehr denken, wo diese Entpolitisierung von denjenigen Parteien gefordert würde, die es so glänzend verstanden hätten, das stärkste Machtinstrument des Staates für ihre Bestrebungen zu gewinnen. Auch die deutschen Studenten als künftige Träger des deutschen Kulturwillens seien ein Machtfaktor im deutschen Staate. Deshalb sei es falsch, politische Reutralität zu fordern, es müßte im Gegenteil hingebende Arbeit für den Wiederaufbau des deutschen Staates, so wie er ist, gefordert werden. Ganz besonders sei diese Forderung an die Mitglieder unseres Verbandes zu stellen. Gewiß nehme der K. C. als solcher programmüßig keine Stellung zur Staatssorm ein, aber cs sei eine Binsemvahrheit, daß in der deutschen Gegenwart zu theoretischen Erwägungen keine Zeit wäre, und daß praktische politische Arbeit nur auf dem Boden der gegenrrärtigen StaatSform geleistet werden könne. Wahrhaft vaterländische Gesinnung sei unabhängig von der Form des Staates. Für uns deutsche Juden aber läge das Problem noch besonders. Es sei leider hier nicht die Zeit vorhanden. um das Problem ganz zu erschöpfen. Er weise nur auf die ausgezeichneten Ausführungen von FuchS auf dem Würzburger K. C.-Tag hin. Er möchte aber besonders betonen, daß die Träger des monarchistischen Staatsgedankeus in Deutschland zurzeit die Vorkämpfer deS AnttsemitiSmuS waren. Im Gegensatz dazu sei die soziale demokratische Republik der AuSdruck deS Volkes, im Geiste eines freiheitlichen und eineS Knltnrvolkes würdigen Willens, das deutsch« Vaterland wieder anszubanen. Dort, wo eS um den Wiederaufbau geht, dort fei der Platz der K. C.er. Daker fordere er nicht nur politische Neutralität, nicht nur ein „sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen", sondern rückhaltloses und unbedingtes „sich bekennen zur Republik" und Mit* ardeit für den Bestand dieser Republik gegenüber allen Bestrebungen. Es sei leider nicht zu ver. kennen, daß heut« in weiten Kreisen des deut-