KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 108 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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108 dcmokratie nicht ein und lassen Sie sich nicht von dem Gesichtspunkt sangen, es sei doch Bnsinn, wenn man früher Monarchist gewesen sei, beute plötzlich den Republikaner herausbeitzen zu wollen. Diese Beweisführung ist ganz falsch. Ich bin heute noch Anhänger der sozialen Monarchie, der ich mit meinem politischen Lehrer, Friedrich Raumann, stets angehangcn babe. Aber diese soziale Monarchie bat sich nicht erreichen lasten. Die unsoziale Auffastung, mit der bei uns das Amt des Herrschers verwaltet wurde, bat zu seinem Sturze beigctragen. Der Sturz ist ein weltgeschichtliches Ereignis, das man weder restringieren, noch irgendwie umkebren kann und soll. Tenn die 5lmkebrung bedeutet Bürgerkrieg. Sie bedeutet ein Hineinzieben unseres Vaterlandes in »reuen Strudel, und wenn sie gelange, so bedeutet sie auch Progrom. Denn wir seden cs dock,. wie fast alle der vielen Fürsten und Herrscher, die Deutschland gebabt bat. sich mit den Völkischen gleichsetzen. Sie wisten, daß sie nicht mit der Maste des Volkes, sondern nur mit der Maste der Völkischen in die Höbe kommen können. Darum ist cs kein Widerspruch, wenn man bis zum 9. Rovember 19IS an sich eine soziale Monarchie einer namentlich schlechten Republik — und auch die unsre ist noch nicht gut — vorgezogen bat. Wenn die Weltgeschichte vor das Weltgericht kommt, so bat eben die Monarchie den Prozeß verloren. Darum muß auch die Jugend nicht mebr die politische Einsicht, von der ich spreche, für die Monarckie gewinnen. Sie darf sich auch von der Praxis der inneren Betätigung nicht fernbalten. Wir sind beute in ein politisches Fabrwaster gelangt. In unserem ganzen Staatsleben ist eine gewisse Politisierung durchgefübrt worden. Man verlangt von der Jugend nicht nur Interesse, sondern Anteilnabme am Staate. Die akademischen Korporationen kümmern sich mebr denn je um die Creignisie im Staatsleben. Mit zwanzig Fahren kann man wäblen und soll man wädlen. Und wenn die Jugend wabrbast gebildet sein will, so muß sie idre Bildung auch auf staatsbürgerliche und politische Einsichten erstrecken. Darum bedeutet beute Aktivität nicht nur Aktivität der Freundschaft. Aktivität der anständigeren moralischen Gesinnung. Aktivität in jüdischen Dingen, sondern auch Aktivitär in deutschpolitischen Angelegendeiten. Wer sich dieser Aktivität nicht dingibt. muß sich bewußt sein, daß er in einem wesentlichen Bestandteil seiner selbst verkrüppelt. Das dürfen wir nicht und wollen w,r nicht. Wir wollen aus uns Staatsbürger, das Muster des Bürgers, des freiheitlich gesinnten Deutschen entwickeln, weil wir einseben müssen, daß auch unsere jüdische Würde von uns fordert, der Staatsform und dem Staatsindalt zu dienen, der Deutschtum und Judentum als wirkliche wertige Faktoren m sein Programm aufnimmr. H. Referat von Rechtsanwalt Dr. Erwin Friede (Lic., Suev.) Wenn wir heute über die Frage „K. C. und Republik" sprechen, so muß, um Mißverständnisse zu vermeiden, eins vorausgeschickt werden: Der K. C. bejaht selbstverständlich den heutigen Staat und steht damit aus dem Boden der Republik. Er verlangt von seinen Mitgliedern, daß sie ihre ganze Persönlichkeit in den Dienst des Vaterlandes stellen und mit allen Kräften an seinem Wohle Mitarbeiten, denn nur, wer so denkt und wer so handelt, erfüllt die erste Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum K. C. Rur der steht „aus dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung". Eine Verbindung mit den Kreisen, welche den heutigen Staat verneinen und ihn gewaltsam ändern und Umstürzen wollen, ist für einen K. C. er uninöglich. Es gibt keine Gemeinsamkeit mit ihnen, und zwar gleichgültig, ob diese Kreise weit links oder weit rechts stehen. Bin das heute zu betonen, ist, wo die Republik gefestigt ist. kein besonderer Mut mehr nötig. Aber der K. E. hat auch schon in früherer Zeit, als die Republik noch von links und rechts bedroht wurde, sich frei und offen zu diesem Standpunkt bekannt. Der K. C.-Dag in Göttingen im Jahre 1923 hat bereits festgelegt, „daß die Stützung des heutigen Rechtsstaats im Kampfe gegen alle politischen Strömungen, die die Herrschaft der Gewalt erstrebeil, Pflicht des K. E. und seiner einzelnen Verbände ist". Eine andere Stellungnahme ist für jeden Verständigen ja auch unmöglich. Durch gewaltsames Bmstürzen würde selbstverständlich die Ruhe und Ordnung, die gerade geschaffen ist. wieder zerstört. der Bürgerkrieg wäre unvermeidlich, und abgesehen davon, daß die eben gesunde Wirtschaft wieder zerschlagen würde, würde selbstverständlich auch von einem Kultur- und Geistesleben in Deutschland nicht mehr die Rede sein können, wenn Kampf und Haß regierien. Ebenso ist dieser Standpunkt auch für uns als Juden selbstverständlich. Die völkischen Kreise rechts wollen uns unsere Stellung als Deutsche nehmen.- die kommunistischen Kreise links wollen uns unsere Recht« als Juden nehmen. Deshalb ist unser Weg a!S Deutsche und Juden und als K. (S. er ganz klar. Wir haben mit allen Kräften fürdie deutsche Rep ndlikeinzu treten. Mit dieser Steiiungnabme ist selbstverständlich kein Gewissenszwang für den einzelnen K. E.er verbunden. ES bleibt einem jeden unbenommen, ob er die Monarchie oder die Republik oder