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KC-Blätter · 1926-11-01 · Heft 6 (November 1926) · p. Seite 107

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 6 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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107 dem großen Werke Ismar Freunds über die Emanzipation der preußischen Juden gesammelt sind, und man wird finden, daß es der Gedanke der Freiheitlichkeit gewesen ist, die auf der Basis der Gleichheit alles dessen steht, was Gottes Antlitz trägt, der einstmals zündend in die Gcsamtbevölkerung eingedrungen war und den Gesetzgebern die Kraft verlieb, die unbedingte Gleichberechtigung der jüdischen Bürger — und damit auch der jüdischen akademischen Bürger — herbeizuführen. So viele Unterschiede auch zwischen Liberalismus und Demokratie besteben, in dieser Frage der Gleichberechtigung und Gleichachtung aller anständigen Menschen stimmen sie überein. Nun ist die deutsche Republik, die geschichtlich geworden ist. aus den Umstanden des großen Krieges, aus seiner Trauer und aus seinem Unglück, in den Augen aller derer, die eine Cntwicklung unseres Vaterlandes auf einer innerlich freiheitlichen Basis wünschen, die gegebene Voraussctzung aller politischen Einsicht und aller politischen Wirksamkeit. Wer steht ibr gegenüber? Alle diejenigcn, die feudal denken, die Bindungen wünschen, die Mittelalterliches wieder zum Leben erwecken wollen, die die Kasten, die Klassen als angeblich naturgegebene Einheiten in ihren Tiefen verstärken und die Juden ausscheiden wollen aus der Liste der gleichberechtigten akademischen Bürger. Alle diese sind die Feinde der Republik. Sehen Sie sich die Studentenausschüsse an in ihrer großenteils völkischen Zusammensetzung. Sie werden finden, daß, je verbohrter ein junger Mann völkisch ist, er desto mcbr über die Republik und über die Republikaner verfällt. Schon der Instinkt muß es sagen, wo unsere Stellung ist. Und so wenig ich den einzelnen K.C.er weltanschauungsmäßig binden will, insofern als ich ihm etwa die Angehörigkeit zu einer destimmten Partei vorzuschreiben beabsichtige, so sedr muß ich sagen, daß derjenige, der die Gleichberechtigung und Gleickachtung des jüdischen Clements auf den deutschen Hochschulen anstrebt, ein Undankbarer oder unpolitischer Mensch rväre. wenn er die deutsche Republik verneinen wollte. Undankbar gegenüber all den Großen deS Geistes, die in einem jabrbundertwädrenden Bemühen jene großen Gedanken des alten englischen Liberalismus und der französischen Revolution zu den ihrigen gemacht baden, die für sie eingetreten sind, die in ihrer Art im Jahre 1848 Helden gewesen sind, undankbar gegen alle jene, die alS Kulturträger Deutschlands des vorigen Jahrhunderts für den Gedanken der Gleichwertigkeit aller Staatsbürger einschließlich der jüdischen mit dem größten Maße innerer Wärme eingetreten sind. Wer deute gegen die deutsche Republik ist, arbeitet im Geist« TreitschkeS und Stöckers. Cr kennt die Wege und die Hintergründe der Politik nicht; er ist ein Tor im wahrsten Sinne des Wortes, und nach meiner Ueberzeugung nicht einmal ein reiner Tor. Dabet will ich ausdrücklich betonen, daß ich keineswegs eine bestimmte Partei besonders empfehlen möchte. Ich kann cs auch durchaus verstehen, wenn sich ein K.C.er im besonderen Maße zur Deutschen Volkspartei bingezogcn fühlt, obwohl da seine politische Einstellung keineswegs die meine ist. Aber auch hier wird er berücksichtigen müssen, daß er in seiner politischen Mitarbeit — und von einem Jünger des Geistes verlange ich, daß er nicht nur passives Mitglied seiner politischen Richtung ist — unbedingt für die Aufrechterhaltung der Republik und für die Weimarer Verfassung eintritt. Wer diese oder jene leugnet, zersägt das Brett, das die Bank bildet, auf der wir alle sitzen. Ich glaube, daß diese Weltanschauung sich mehr und mehr in unseren Kreisen festigt. Ich habe aber während meiner verschiedenen Reisen zu meinem schmerzlichen Bedauern noch Kartellbrüdcr genug gesehen, die immer und immer wieder in m. E. völlig ungenügender Kenntnis der politischen Lage mit der schlimmsten politischen Reaktion, die wir von unserem Standpunkt aus kennen, Kompromisse zu versuchen bestrebt waren. Gegen die Auffassung der Völkischen und des völkischen Teiles der Deutschnationalen muß man ringen. So sedr ich im politischen Leben immer Brücken geschlagen habe und Brücken zu schlagen versuche, so wenig kann ich mich jemals davon überzeugen, daß man hier zu einer Verständigung kommen wird. Die Ereignisse in Freibnrg zeigen uns. von welcher Niedrigkeit — und es wird mir schwer, in diesem Augenblick das Wort Niedrigkeit in den Mund zu nehmen — die Menge der Studenten getragen ist, aber ich weiß, daß der Haß gegen uns im Grunde genommen darauf beruht, daß sie in uns die Träger der Republik sehen. Wir wissen aber, daß die Gedanken der Republik die Gedanken sind, die uns frei gemacht haben, die uns die Ghettomauern abbrechen halfen und die uns die Luft gegeben haben. Sind wir nicht heute mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen auf Seiten dieser Republik, so errichten wir die Barrikaden für diejenigen, die gegen uns kämpfen wollen. And wir haben noch eine andere Pflicht, nämlich uns dagegen zu wenden, daß diese Republik keine oligarchische wird, denn das wird jetzt in vielen .Kreisen gerade der reaktionären Akademiker bestredt. Sie haben nichts mehr gegen die Republik einzuwenden. Sie ist ihnen viel lieber, wie die Monarchie, weil die Monarchie gewisse Aederheblichketten des Feudalismus letzten Endes doch stets, wenn auch nur in ihrem eigenen Interesse, zurückgewiesen hat. And darum rufen sie auS: gut. n»ir haben eine Republik, und wollen sie nicht abschaffen. aber diese Republik sott unser sein. Wir wollen allein in ihr herrschen. Wir wollen ihre Institutionen so auShvhlen. daß sie letzten Endes nur filr uns arbeiten. Lassen Sie sich auf solche Schein-

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