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KC-Blätter · 1926-11-01 · Heft 6 (November 1926) · p. Seite 104

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 6 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 gemeinde Breslau so eifrig seine Sympathien für den Verband betonte. Hätte man einst, anstatt vor den selbstbewußten Vertretern des Judentums und ihrem forschen Bekennermut geheimes Grauen zu empfinden, ihnen vor vier Jahrzehnten diese Sympathien zugewandt und betätigt, es stünde wahrlich heute besser um die Sache des deutschen Judentums! Aber man lächelte nur wehmütig, nicht ergrimmt oder verbittert, und freute sich, wie viele Leute dem K. C. heute gewogen sind. Man freute sich über das offene Bekenntnis des Regierungspräsidenten und des Universitätsrektors zum Gedanken des Rechts, und stellte melancholische Betrachtungen darüber an, wie beschämend im Grunde solche Freude ist. Man freute sich über den bändergeschmückten Damenflor aus den Galerien, wo neben vielen Gästen die Gattinnen (auch die künftigen), die Schwestern, uno — man wird alt — auch die Töchter der ci.cr sich mitsreuten. Von den schönen Reden, die Ernst R o s e n t h a l, K o ch m a n n und Holländer hielten, mag der offizielle Chronist erzählen. Ich berichte nur von der Ansprache des ältesten anwesenden K.C.crs. des Viadrinen Per i tz. weil ihre schlichte Herzlichkeit den Weg zum Herzen fand. Als um zwölf Uhr die Chargierten unter den Fanfarenklängen den Saal verließen und der Kommers zu Ende war, wußten wir alle, daß er keine Demonstration, sondern ein Zeichen innerer Kraft gewesen war. Wir legten uns freilich keineswegs, wie es in Backsischchens Tagebuch heißt, „mit dem Bewußtsein nieder, einen entzückenden Tag verlebt zu haben", sondern wieder stürzten sich die Scharen zu Fahrig, zu Fischer, zu Hansen, wo die Ereignisse des Abends so lange besprochen wurden, biS der Gedanke an den K. C.-Tag. der am Sonntag folgen sollte, auch die Ausdauerndsten ins Bett jagte. Den K. C.-Tag habe ich — jetzt muß ich es meinem Auftraggeber, dem A. H. B. Saxo-Bavaria sämmhast eingestehen — nur zur Hälfte mirgemacht. denn in Breslau hat man auch noch Freunde und Bekannte. Aber von der Stimmung kann ich doch manches berichten, Unseres lieben und verehrten dicken Holländers unendlich klugen Worte gaben von vornherein der Tagung ihre Prägung. Und wenn er auch vor aller Ueberschätz»ng der eigenen Kraft warnte, und wenn auch aus seinen Meinungen eine Warnung vor jedem Optimismus klang, bewies der K. C.-Tag zweier« lei! AVder wollen die K.C.er von ihrer prin« zipiellen Stellungnahme zum Problem von Deutschtum und Judentum auch nur um Haares« breite weichen, noch wollen sie sich daS Recht nehmen lassen, als deutsche Studenten an dem Leben der deutschen Studentenschaft mltzuwirken. Nicht alles, wovon zu berichten war. mochte erfreulich sein. Der Antisemitismus ist in seinen Formen erschreckender denn je! Aber der K. C.-Tag wußte auch von manchem Erfolg zu künden, und er festigte den Willen zum Festhalten an den alten Wegen. Und mag er auch für die äußere Entwicklung des Verbandes wenig neues gebracht haben, innerlich war er ein Erfolg! Abends — fast unerschöpflich war der Veranstaltungen Fülle — trafen sich wieder etwa sechshundert Teilnehmer — nur K. C. er und ihre Angehörigen — zum Ball in der Hermannloge. Von der Stimmung kann ich nicht viel schreiben, sie war eben unbeschreiblich und — ansteckend! Alte, ehrwürdige Tradition vertrat Le u's Damenrede, wobei ich — um Mißverständnisse zu vermeiden — ausdrücklich erklären möchte, daß sich das nur auf die Tatsache seines Auftretens und nicht auf das Alter seiner Witze bezieht. Als neuer Stern am Himmel der Stiftungsfeste trat Glaser, der Conferencier, auf, ein viel versprechendes Talent, für das ein Mäcen zur Ausbildung gesucht werden sollte. InEhrenfrieds Rede huschte noch einmal der Ernst der Zeit durch den Saal, aber dann war eitel Freude! And eine wirkliche Freude ist bekanntlich so sagt nach der Erklärung mancher Philologen der Spruch am Leipziger Gewandhaus: res severa verum gaudium — eine sehr gewichtige Sache, Um zwölf Uhr begannen sich Licaren, Spreven, Saxo- Bavaren und was sonst noch in größeren Mengen vertreten war, an Einzeltischen zusammenzufinden, um Münchener, Berliner, auch herrlichen Leipziger und sonstigen Lokalsitten zu fröhnen. Ader wenn man genauer hinsah, so waren alle Licaren und Spreven und Saxo-Bavaren im Grunde doppeltbebänderte Thüringen! Und das war symbolisch für den K.C.-Tag» vielleicht sogar für das deutsche Judentum überhaupt. Unsere Differenzen sind eben nicht so gewaltig und ernst zu nehmen. Das Verbindende in uns ist stark und wirksam! Noch war das Ende nicht da! Montag Nachmittag ging es im Sonderzug nach Hünern zum Ausflug. Line stattliche Anzahl von Bundes¬ und Kartellbrüdern feierte den letzten Abschied vom schönen Breslau. Noch einmal waren Freunde und Bundesbrüder fröhlich zusammen. Und in alle Fröhlichkeit hinein klang ernster Ton! Manche von denen, die vor zehn und fünf Jahren freudig mit unS in BreSlau weilten, find nicht mehr. Werden wir unS all« in fünf Jahren Wiedersehen? Adschiednehmen stimmt immer wehmütig! Aber bald sind die trüben Gedanken verscheucht, und alle geben sich noch einmal die Hand, die Bruderhand, und drücken sie mit herzlichem Dank und Wunsch: Auf Wiedersehen in fünf Jahren in Breslau! Und wen des Philistertums

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