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KC-Blätter · 1926-11-01 · Heft 6 (November 1926) · p. Seite 103

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 6 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 Breslau! Von Dr. Felix Goldmann (Th., Sax.-Bav.) Es gibt ein altes Vorurteil, daß die echte Gemütlichkeit nur dort herrscht, wo ein wenig Unordnung und Improvisation walten. Man fürchtet oft die Kälte, die der gut funktionierenden Organisation entströmt. Die Breslauer Festtage vom Herbste 1926 sind ein schlagender Beweis für die Unrichtigkeit dieser Meinungen. Selbst unter Berücksichtigung des herkömmlichen, dem soeben gefeierten Feste zu spendenden Lobgesang muß man anerkennen, daß das Breslauer K.C.-Fest wunderbar organisiert und geleitet war und daß die Stimmung jenen Grad der Freundschaft und Herzlichkeit erreichte, der allen Teilnehmern in bleibender, freundlicher Erinnerung sein wird. Das Bild der Verkehrsstraßen der inneren Stadt war offenbar vom K. C.-Fest beeinflußt. Alte Herren und junge Füchse setzten die Couleur Tag und Nacht nicht ab, und sie waren in solcher Fülle vertreten — beim Festkommers waren etwa fünfhundert bunte Mützen zu sehen —, daß sich der alte Schweidnitzer Keller nicht wenig gewundert haben mag, wie gewaltig sich die kleine Schar vermehrt hat, die einst von ihm aus den dornenvollen Weg in die akademische und jüdische Oeffentlichkeit antrat. Denn die alten trauten Räume — e8 war eine glänzende Idee, in ihnen den Begrüßungsabend zu veranstalten — konnten die Menge der alten und jungen K. C. er kaum fassen, die in ihrer Wiedersehensfreude sich oft — buchstäblich — in die Arme fielen. Manche behaupten, dieser Abend sei der schönste deS Festes gewesen! Wenn ich bedenke, mit welchen freudigen Gefühlen ich selber, der ich doch erst zwölf Jahre dem Bunde angehöre, liebe alte Freunde und Bekannte begrüßt, Erinnerungen auSgetauscht, Pläne geschmiedet. Verabredungen getroffen habe, muß man das Urteil gelten lassen, insbesondere wenn eS aus dem Mund« der alten Diadrinen kam. Die saßen zusammen an ihrem Tisch, ließen sich alS die Alten feiern, und fühlten sich noch alS die Jungen, die Vergnügten! So groß war die Freude des Wiedersehens und der Drang zu fragen und zu erzählen, daß der schwache Versuch, der Veranstaltung die Form des KommerfierenS zu geben, im Keime erstickte! Cr scheiterte nicht an einem Mangel an Disziplin, sondern an der Fülle überströmender Gefühle! Historischem Brauche folgend, ging es vom Schweidnitzer Keller ins fahrig", und wann die letzten «artelldrüder heimstrebten, wird schwer zu ermitteln sein. Und über dem ganzen Abend lag weder die Stimmung wehmütiger Resignation noch ausgelassener Freude. Der Geist des Abends war eine Synthese von Erinnerung und Wollen, von vergangener Freude und kommenden sonnigen Tagen. Selten ist mir so der Sinn eines akademischen Bundes aufgegangen, der seinen Mitgliedern, den ältesten „Alten Herren" und den jüngsten Füchsen, das Bewußtsein der alles überbrückenden Freundschaft und Treue, die Zeitlosigkeit der Jugend geben will. Der Verwirklichung der Bundesbrüderlichkeit hat der schöne Abend im Schweidnitzer Keller neuen, zielsicheren Antrieb gegeben. Und am Tage darauf — er war sonnig und echter Frühlingshauch entströmte ihm — ging's zum „Hause". Wie stolz das klingt! Aber es ist wahr! Ade Schmiedebrücke mit deinem dunklen Hof, deinen engen, engen Räumen! Thuringia hat ein Haus; nicht groß, aber eben ein eigenes Haus! Alles präsentierte sich auf's schmuckste, Kneipsaal, Gesellschaftszimmer, Büro, Küche, Gärtchen! Aber der schönste Schmuck war doch die Fülle der „Alten Herren", die sich in der Mittagsstunde zum Festkonvent versammelten. Und biS zum Abend hörten dann die Zusammenkünfte nicht auf. Der hohe G.A., der Generalstab des K.C., tagte, wahrscheinlich mit sorgendurchfurchten Stirnen! Und die anderen, die keine so gewaltige Verantwortung tragen, tagten eben etwas vergnügter. Der genius loci verscheuchte allen Kummer und allen Streit! Selbst die Sitzung des A. H.V. Saxo-Bavarla, zu der man als der letzten .Festlichkeit" des Tages mich liebenswürdiger Weise für sechs Uhr berufen hatte, ve.-lir,' schnell und behaglich, obwohl sie über neue Statuten des A. H.D. zu befinden hatte. Freilich leuchtete ihr freundlich der noch im Hause erstrahlende Stern, der auf alle Statuten des K.C. sein mildes aber durchdringendes Licht wirft. Und dann ging es zum Kommers! Ich habe eine derartige Veranstaltung noch nicht miterlebt l Die Thuringenstiftungsfeste überdieten sich. Der Kommers von 1911 im Vincenzhause war schon «in gewaltiger Erfolg, aber was bedeutete er gegen den von 1921! Und wie derdlaßt der im Vergleich zu 1920! An 1300 Menschen füllten den gewaltigen Saal des KonzertdauseS. dreißig Chargierte zogen unter Fanfarenkiängen in den Saal, die Disziplin war eine geradezu musterhafte, die Reden waren — leider wurde Kbr. Ludwig Haas in letzter Stunde durch Krankheit verhindert — politisch bedeutend, und zuversichtlicher Geist. Bewußtsein von Kraft und Sicherheit erfüllte sie. Man fühlte ordentlich, welche Bedeutung der K.C. in den vierzig Jahren seines Bestehens sich erworben hat. Die alten Viadrinen mögen wohl gelächelt haben, alS der Vorstand der Synagogen-

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