KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 6 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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102 ZUM Tode Ludwig Frirdrnarrn's (Viadrinae-Breslau.) Dr. Heimansohn, Viadrinae-Breslau. Der Dag, der aus allen Gauen Deutschlands die Viadrinen in Breslau zusammenführte, um den 40 jährigen Gründungstag ihrer alten Verbindung zu feiern, brachte uns die schmerzliche Nachricht von dem Tode unseres lieben Bundesoruders Ludwig Friedmann. — Lieber Luc, wie hast Dir Dich auf diesen Tag gefreut und wie bist Du bei unseren Besprechungen immer für eine besonders würdige Feier dieses Tages eingetreten. Nun hat ein unerbittliches, sinnloses Schicksal allzufrüh Dich uns entrissen, der Besten einen aus unserem stark gelichteten Kreise. Es ist mir und den anderen, die mit Dir zusammen das Gymnasium in Posen besucht haben, noch in stolzer Erinnerung, wie Du den antisemitischen Anwandlungen einiger Mitschüler nach dem Wahlspruch, der später Dein Burschenband zierte — nemo me impune lacessit! —, mit Schneid und Erfolg begegnetest. Schneidig und draufgängerisch, lieber Luc. war stets Dein Auftreten dem Gegner gegenüber; aber Liebe, aufrichtig bundesbrijderliche Liebe verband Dich mit uns. So warst Du als Student und so bliebst Du alZ alter Herr. Nie hast Du ohne besonderen Grund an unseren gemeinsamen Abenden gefehlt. — Weit über den Kreis Deiner Bundesbrüder hinaus hast Du Deine Liebe und helfende Teilnahme den vielen Bedrückten und in Not Geratenen zugewendet, die als Deine Landsleute nach dem Kriege aus ihrer Heimat verdrängt waren. Auch sie stehen dauernd au dem Grabe eines hilfreichen Freundes. — Lieber Ludwig Friedmann, was Du uns als BundeSbruder und dem K. C. als einer seiner überzeugtesten Anhänger gewesen bist, das hat in unser aller Herzen errichtet ein monumcntum aere perennius. Lieber Luc. ein letzter Abschiedsgruß! — Friede Deiner Asche! Dr. Adalbert Sachs. Dr. Ioleph Hirsch (Spr.. Lic.. Sil.) Adalbert Sachs, allen älteren K. E.ern wohlbekannt und befreundet, verschied am 11. November 1026. Er gehörte unserem Bund« seit zwei Jahrzehnten nicht mehr an — äußerlich, innerlich hat ihn der Gedanke der K.C.-Tendenz fröhliches Studententum. aufrechtes Judentum und Vertiefung des Judentums. Erziehung zum Persünlichkeitsrrert — nie verlassen. Er schied nicht wegen der zionistischen Frage auS dem K. §. Seine Entwicklung zum Zionismus erfolgte erst später alS Entwicklung seiner Persönlichkeit. Er schied auS dem K. C. aus, weil nach seiner Heberzeugung der K. C. in einer bestimmten Frage nicht folgerichtig die Tendenz fortsetzte. Ob seine Aeberzeugung richtig oder unrichtig war, ist heute ohne Bedeutung. Für ihn war es nur möglich, aus seiner Ueberzeugung unerbittliche Schlüsse zu ziehen. Weshalb diese Zeilen des Gedenkens ihm gewidmet sein mögen? Weil die Freundschaft aller K.C.er, die ihn als K.C.er lieb gewonnen hat-, ten, für ein ganzes Leben seine Begleiterin war. als Zeichen bundesbrüderlicher Treue, wie der K. C. sie lehrt und lehren soll. Er war nie Führer im K. C., aber wohl geistiger Führer durch das Sieghafte seiner Persönlichkeit, durch die Klarheit und Neberzeugungstreue seines klugen Urteils, dem alle gern folgten. Wer entsinnt sich seiner nicht gern als jungen Badenen, der alle an ursprünglichen Frohsinn übertraf! Was hatte ihn in unsere Reihen geführt? Sein Adelstolz, oder besser gesagt, die adlige Gesinnung, die frei sein wollte von der kleinlichen Gehässigkeit judcnfeindlichen Angriffs. Er wollte eintrcten und kämpfen für seine Zugehörigkeit zum Judentum. Er war einer der wenigen, die bereits mit der unausgesprochenen Tendenz deS selbstbewußten Juden zu uns kamen. Deshalb liebten wir ihn, bewunderten ihn und folgten ihm gern. Ist es nun ein Zeichen für Niedergang des K. C.. daß ein Mann mit solchen Gaben des Charakters» deS Geistes, deS Herzens uns verließ? Nein! Denn seine Entwicklung zum Zionismus war die eigenartige, für ihn notwendige Fortentwicklung seiner Zugehörigkeit zum K. C. Ein Zeichen für den geistigen Hochstand und die Vorurteilslosigkeit des K. C.-GedankenS sei es. daß sein Fortgang von uns die bundesbrüderliche Treue nicht zu enden vermochte. Auch im Zionismus seine unbestechliche Klarheit. Der Wille zur Einheitlichkeit seiner Persönlichkeit war für ihn Führer nach Palästina, dem Lande, das er alS Land seiner Väter liebte. Der adlige Mensch folgte dem Rufe der Heimat. Er liebte das Land und wurde dort der Mittelpunkt eineS Lebens. daS die Eigenartigkeit deS Landes mit der Eigenartigkeit seiner deutschen Entwicklung verbinden wollte. Die Einstellung d«S deutschen fröhlichen Studenten ist ihm er» halten geblieben bis an sein Lebensende. Er war im Begriff noch Großes zu leisten für Palästina sowohl alS Arzt wie als Mensch, alS das dunkle Schicksal lhn unS, feinen Freunden entriß, dem Lande fetner Liebe und der Gefährtin seines LedenS, die die feinsten Schwingungen seiner Seele begleitete. Wir wollen ihn nicht mit stummer Klage begleiten. Wir. seine Freunde, wollen unS seiner erinnern alS Genossen einer fröhlichen Jugend. alS Mann der Freundschaft. Treue und Liede!