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KC-Blätter · 1926-08-01 · Heft 4 (August 1926) · p. Seite 52

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 4 (August 1926)
Date
1926-08-01
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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52 Sturm* und Transit, wie cs um 1776 noch in Gießen zuging: „Zu meiner Zeit" — so sagt cr — „war cs gcwöhnlich, sich aus dcr ösfentlichen Strafte zu schlagen, und das alsdann, wenn man zum Voraus gewiß war, daß es würde verraten werden. Zn diesem Falle ging der Herausforderer vor das Fenster seines Gegners, nadm seinen Wieder (der Stößer diente nur zu gebeimen Schlägereien), dieb damit einigemale ins Pflaster und schrie: „^ereat R. R. der Hundsfott, der Schweinekerl! tief! ^ereat! gereut!" Nun erschien der Herausgesorderte: die Schlägerei ging vor sich, endlich kam der Pedell, gab Znbiditivn, und die Raufer kamen aufs Karzer, und so batte der Spaß sein Ende." Bei einer derartigen Entwicklung des Rencontres konnte diese Art des Zweikampfes, die noch 1778 im ältesten studentischen Komment des Erlanger Amieisten Gleibs (I>issertntio de norma actionum studiosoruiu) als ebenbürtig neben das Suell gestellt ward, für eine ernste Austragung von Ehrenhändeln zuletzt nicht medr in Frage kommen, und an ibre Stelle trat, wie der Zenaer Komment von 1791 zeigt, die Form des regelrechten Duells, das von da an schon der Aufsicht der Verbindungen unterstand. Saß sich ein Beleidigter oder Geforderter, wenn er als ebrenbast gelten wollte, mit seinem Gegner schlug, galt bereits im siebzebnten Zabrdundert als selbstverständlich. „Wer nicht aus Erfordern vor der Fairst erscheinen will," so sagt ein akademischer Schriftsteller der damaligen Zeit. ..wird fiir einen Bärenhäuter gehalten". Dieser Grundsatz unbedingter Genugtung erhielt sich auch bet den neu auskommendett Landsmannschaften des achtzebnten Zabrbunderts imh wurde von den ibnen folgettdett Sttldenteitorden noch verschärft. Sa außerdem die Ordensgeselze besadleu, daß sich jedes Mitglied bei einer empfangenen Beleidigung »n ..Avantage senen". das beißt mit einer stärkereit. tätlichen Beleidigung antworten mltßre. so »ouchs die Zabl der Suelle gegen Etrde des achtzehnten Zahrbiniderts ins Ungemessene. Dabei schlich sich in das akademische Leben die Unsitte ein. daß manche Studenten ein Gewerbe daraus inachten. an Stelle anderer den Zweikampf gegen Bezablting zu »ibernebmen. Am meisten berüchtigt tvar in dieser Hinsicht die Zenaer Mosellaner- Landsmannschaft. von der Laukdard. ein gewiß einwandfreier Zeuge, auf Grund eigener Wahrnedmnngen sagt: „Diejenigen. welche sich unter den Mofellauern das größte Anfeden erworben batten, waren die Otuilt-Senioren und unterrichteten die Unerfadrenen ,n tbren Pflichten, lehrten sie den rechten Burscheileomment. trugen Kartelle und schlugen sich auch für Geld und gute Worte zur Rettung der Edre solcher Menschenkinder. welche das elende Borurte,l baden, daß man se»ne Edre mit dem Degen retten könne, aber nicht Herz genug besitzen, selbst einen Degen zu führen". Das Verdienst, die Mißbräuche beim Duell beseitigt und die bisher überlieferungsgemäß gebrallchtcn Formen in eine feste Ordnung gebracht zu haben, gebührt den neuen Landsmannschaften oder Kränzchen, die sich nach dem Untergange der Studentenorden um 1800 bildeten. Bezeichnend für die Wandlung ist der 1812 vom Jenaer Senioren-Eonvcnt angenommene Komment, der als Muster für andere Universitäten gelten darf. Von nun an betrachtete man das Duell unbestritten als eine wichtige Angelegenheit der Verbindungen, welche über seine den Regeln entsprechende Durchfübrung mit peinlicher Genauigkeit wachten und alle Verstöße streng ahndeten. Als ein Hauptverdienst des neuen Komments erscheint es auch, daß er die tatsächlichen Beleidigungen vollständig zu beseitigen und dadurch einen anständigen Verkehrston innerhalb der Studentenschaft zu verbreiten suchte. Wenig später — um 1820 — kam bei Einfübrung des Hiebkomments der „F)aukwichs" auf, und damit waren die Grundlagen des beutigerr studentischen Zweikampfes geschaffen, nur dauerte es noch Zadrzednte. bis die jetzt gebräuchliche feste Mensur öie früher übliche freie oder bewegliche völlig beseitigte. Etwa seit den 40er Fahren des neunzehnten Zadrdunderts drang die Auffassung durch, daß die Schlägermensur nur ein ritterliches Kampfspiel und ein wertvolles Mittel zur Erziehung des jringen Studenten sei. Doch dielt mait zunächst noch an der Form des „Koutradierens" fest und richtele sogar bestimmte „Kontradierabeude" ein, von deren Art in Heidelberg der berühmte Mediziner .Zvußmaul ein lebendiges Bild entwirft. „Abends zur festgesetzten Stunde" — so sagt er - „zogen sämtliche Korps in hellen Haufen von ihren Kneipen in die Arena zu fröhlichem Tuschieren. jeder besetzten den Tisch, den seine Füchse im voraus belegt batten. Waren sie alle eingetrosfen. so ivar die Reugierde groß, welche Losung die verschrede- ,ren Korpskonvente ausgegeben batten, doch die unheimliche Stille währte nicht lange. Ein Bursche erdob sich und schleuderte einem ebenbürtigen Kämpen an einem der feindlichen Tische höhnenden Schlachtruf zu. Besaß der Gegner Witz, so erwiderte er mit Gegendodn. wenn nicht, was die Regel tvar. sofort mit dem Tnsch. Rach dieser ersten „Kontradage" ganz das Kampfgeschrei an allen Tischen los. Sie Luft schwirrte von dummen Zungen, danebeil fausten einige schwere Hundsfotte nieder. Sie Helden der Zlias hätten ihre helle Freude an dem Treiben gehabt." Es war klar, daß diese Art des Kontradierens damit zur bloßeit Förmlichkeit derabsank und infolgedessen bald ganz wegsiel. Sie füreinander passenden Kämpfer wur-

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